Allgemeine Berichte | 26.06.2017

Heike Trinker erzählt über ihre Leidenschaft für das Theater und ihr erstes Engagement auf der Genovevaburg Mayen

„Der Marktplatz hat bei gutem Wetter viel italienisches Flair“

Eine der populärsten und vielseitigsten Darstellerin Deutschlands und in vielen Rollen zu Hause: Heike Trinker.Sandra Hoever

Mayen. Sie gehört zu den gefragtesten deutschen Fernsehschauspielerinnen, die am 17. Juni 1963 in Nortorf in Schleswig-Holstein geborene Heike Trinker. Freunde der „Daily Soap“ kennen sie aus „Verbotene Liebe“ (2002 bis 2005), „Sturm der Liebe“ (2008/2009) und „Alles was zählt“ (2011/2012). Und auch Krimifans haben sie alle schon gesehen. Aber auch in Kinofilmen hat sie mitgewirkt, auf zahlreichen Theaterbühnen hat sie gestanden - und sogar ein Musikvideo mit Kasalla gedreht. Die aparte Mimin stand in einem Interview Rede und Antwort.

In Ihrem Lebenslauf war zu lesen, dass Sie Theologie studiert haben. Weshalb sind Sie dann eigentlich Schauspielerin geworden und nicht Pastorin?

Trinker: Ich habe nach zehn Semestern Theologiestudium meinen Platz nicht mehr in der Kirche gesehen. Es hatte sich ein Wandel vollzogen, von der Morgenandacht ging es in die politische Arbeit zum Allgemeinen Studierendenausschuss. Und die Schauspielerei kannte ich aus der Schule, dort hatte ich sechs Jahre lang mit großem Engagement gespielt. Meine Begeisterung für das Spielen hat angedauert. In Bielefeld und in Heidelberg, zwei Stationen meines theologischen Weges, habe ich mich Theatergruppen angeschlossen. Diese Begeisterung, in fremde Charaktere zu steigen, mich mit deren Psyche zu beschäftigen, die Leidenschaft, mich mit theatralen, dramatischen, klassischen, modernen, verdichteten Texten zu beschäftigen, war immer ein Teil von mir. Und so habe ich mich entschieden, meinen bisherigen Weg in Frage zu stellen, habe die Aufnahmeprüfung an staatlichen Schauspielschulen absolviert und bin in Frankfurt als eine von fünfen unter 700 Bewerberinnen und Bewerbern genommen worden.

Ist Glaube für Sie persönlich wichtig?

Trinker: Der Glaube spielt in meinem täglichen Leben keine Rolle mehr.

Was in aller Welt hat Sie in die Eifel verschlagen?

Trinker: Mit dem neuen Intendanten Daniel Ris verbindet mich eine langjährige wunderbare Freundschaft. Auch künstlerisch haben wir schon manch schöne gemeinsame Schlacht geschlagen. Er hat mir zwei Rollen angeboten. Es war selbstverständlich, dass ich ihn in diese neue Aufgabe begleite.

Und jetzt, wo Sie einige Tage und Wochen zu den Proben hier sind: Wie gefällt es Ihnen hier?

Trinker: Unsere Proben haben am 18. April begonnen, die freien Tage, die wir seitdem hatten, lassen sich an einer Hand abzählen. Zudem war ich im Mai zusätzlich häufiger in Stuttgart und Baden-Baden, weil ich dort für den nächsten Stuttgarter „Tatort“ gedreht habe. Außer dem Weg zur Probebühne und zurück oder in die Burg und zurück habe ich noch wenig gesehen von der Stadt und der Gegend. Der Marktplatz hat bei gutem Wetter viel italienisches Flair, da sitze ich sehr gern bei einem Cappuccino in der Sonne.

Unternehmen Sie in den Probenpausen was, schauen Sie sich die Gegend an?

Trinker: Das wird dann kommen. Sicherlich. Die Vulkaneifel bietet viel, Badeseen soll es zuhauf geben in näherer Umgebung. Die Traumpfade interessieren mich ebenfalls. Nur der Juni muss mit seinem knallvollen Programm überstanden werden. Dann freue ich mich aufs Erkunden.

Werden Sie eigentlich in der Fußgängerzone angesprochen? Haben die Mayener Sie auch schon erkannt?

Trinker: Ja, das ist oft passiert.

Nun zu Ihren Rollen, beginnen wir mit Ronja Räubertochter. Spielen Sie für Kinder anders als für ein erwachsenes Publikum?

Trinker: Nein. Außer dass ich bestimmte Haltungen anders darstellt, weil Kinder zum Beispiel mit Ironie oder Sarkasmus wenig anfangen können. Da versuche ich, gerader zu erzählen, nachvollziehbar und verständlich, ohne eine zweite oder dritte Ebene zu bedienen.

Was mögen Sie an diesem letzten größeren Werk von Astrid Lindgren besonders?

Trinker: Mir gefällt alles an dem Buch. 1981 schrieb Astrid Lindgren bereits ein Mädchen groß. Die Verbindung von einer Räuberbande und einem Mädchen, das der ganze Stolz des Papas ist, der in ihr seine Nachfolge auf dem Posten des Hauptmanns sieht, ist schon sehr weit voraus und emanzipiert gedacht. Die Geschichte hat viel Wärme und ist reich an fantastischen Figuren, die erzählten Konflikte werden knapp und wesentlich ausgetragen, ohne Weichzeichner, das geht ans Herz. Die Sprache ist poetisch und dicht. Ja, ich finde, es ist ein großartiges Buch.

Dann zu „Kabale und Liebe“. Was fasziniert Sie an der Geschichte der unmöglichen Liebe von Luise und Ferdinand und an Ihrer Rolle der Lady Milford?

Trinker: Die Milford hat sehr viele Facetten. Sie kann ihren Stand bedienen, ist aber nicht von ihm beherrscht, Sie ist politisch einflussreich, beherrscht die Kabalen und Intrigen genauso wie das soziale Engagement. Sie ist sehr reflektiert. Und sie ist Gefühl. Und an dem Punkt ist sie verletzlich und zerrissen. Wenn das keine Herausforderung ist...

Ist es schwierig, solch ein „bürgerliches Trauerspiel“ heute auf die Bühne zu bringen?

Trinker: In meinen Augen ist ein Friedrich Schiller nicht weniger Herausforderung als ein moderner Text. Viele junge Autoren bedienen sich einer Sprache, mit der ich häufig im ersten Kontakt meine Schwierigkeiten habe. Ich mag Geschichten erzählt bekommen, dieses Kriterium ist bei „Kabale und Liebe“ in Reinform erfüllt. Es handelt sich um eine Liebesgeschichte, die doch alle Herzen höherschlagen lässt. Es ist die gleiche Geschichte wie in „Titanic“, wie in „Romeo und Julia“. Dass sich das Ganze „bürgerliches Trauerspiel“ nennt: na und?

Wie erklären Sie einem Laien den Unterschied zwischen den Brettern, die die Welt bedeuten, und der Arbeit vor der Kamera?

Trinker: Die Sprachbehandlung ist sehr unterschiedlich - artikulieren oder verschleifen, klein oder groß denken. Und auch körperlich bestehen große Unterschiede: ganzer Körper oder nur Gesicht. Mit welchem Mittel bringe ich mein Anliegen, meine Emotionen oder meine Gedanken zum Ausdruck? Es sind für mich oft - gefühlt - zwei unterschiedliche Berufe.

Und welchen Reiz hat für Sie das Freilichttheater?

Trinker: Sich mit Wind und Wetter zu messen und rauszugehen aus dem geschützten Theaterraum, ist eine schöne Aufgabe.

Apropos Open Air: Kennen Sie die Wetterlage in der Eifel? Und haben Sie sich das wirklich gut überlegt?

Trinker: Ich habe mir vor Vertragsunterzeichnung kein Bild von der Wetterlage in der Eifel gemacht, das muss ich zugeben. Aber Wetter ist ja bekanntlich das, was jeder draus macht.

Hat so ein Profi wie Sie eigentlich noch Lampenfieber? Und wenn ja, was tun Sie dagegen?

Trinker: Lampenfieber gehört dazu, das hören Sie von allen Schauspielern, die Sie fragen. Und ich bin da keine Ausnahme. Was ich dagegen tue? Ich lasse es zu.

Sie haben gerade Ihren 56. Geburtstag gefeiert. Was wünschen Sie sich?

Trinker: Ich hatte seit Jahren keinen Urlaub mehr. Ich wünsche mir, dass das in diesem Lebensjahr klappt. SCHÜ

Eine der populärsten und vielseitigsten Darstellerin Deutschlands und in vielen Rollen zu Hause: Heike Trinker.Foto: Sandra Hoever

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