Allgemeine Berichte | 17.11.2015

Flüchtlingsbegegnung am Goethe-Gymnasium

„Der Masse ein Gesicht geben“

Syrische Flüchtlinge berichten der Religionsgruppe der Klasse 9 über ihre Erlebnisse

Martina Kissel-Staude (v.l.), Diana Kallol und Samir Bikbaci im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern. privat

Bad Ems. „Der Masse ein Gesicht geben“, so formulierte Martina Kissel-Staude von der Flüchtlingshilfe in Nassau die Begegnung zwischen syrischen Flüchtlingen und der evangelischen Religionsgruppe der Klasse 9 des Goethe-Gymnasiums in Bad Ems. Zuvor hatte sich die Gruppe zusammen mit ihrer Religionslehrerin Elena Garbe sechs Wochen mit der Thematik „Flucht und Asyl“ im Unterricht beschäftigt. Es wurde den Schülern schnell deutlich, dass man zwar viel über Fluchtgründe, die Situation in Syrien und das Leben von Flüchtlingen in Deutschland recherchieren und erarbeiten kann, dass dies aber lange nicht so authentisch wie eine persönliche Begegnung mit Flüchtlingen ist. Also wurde eine spontane Idee, dank der Unterstützung von Frau Kissel-Staude, schnell in die Tat umgesetzt. Schon eine Woche nach den Herbstferien, am 9. November, besuchte diese zusammen mit den syrischen Flüchtlingen Diana Kallol und Samir Bikbaci, die Religionsgruppe. Die Aufregung war auf beiden Seiten groß, aber es gelang den beiden trotzdem sehr nachhaltig von ihrem Leben und ihrer ganz persönlichen Flucht zu erzählen, auch wenn es ihnen stellenweise sichtlich schwer viel. So berichtete der 31-jährige Geschäftsmann Bikbaci, er hätte nur noch für eine weitere Person die Flucht bezahlen können und musste sich daher zwischen seiner Ehefrau und seiner Mutter entscheiden. Die Ehefrau blieb zurück. Wenn die Verbindung es zulässt, telefoniert er alle vier Tage mit Ihr und ist jedes Mal überglücklich, sie lebend zu erreichen. Aber auch das Schicksal der jungen Pharmazeutin Diana ließ niemanden kalt, ihr Ehemann wurde bei seiner Flucht im Libanon verhaftet und lebt bis heute dort. Die Ungewissheit darüber, ob die Partner der beiden jemals nach Deutschland nachkommen dürfen, lässt sie in manchen Momenten fast verzweifeln. Doch trotz des schweren Schicksals sind sie aber sehr dankbar darüber, in Deutschland zu sein, bisher hätten sie nur positive Erfahrungen mit den Menschen in Nassau und Umgebung gemacht. So ermöglicht eine Nassauer Apotheke es beispielsweise der 26-jährigen Diana ein Praktikum zu absolvieren, mit dessen Hilfe sie stetig ihr Deutsch verbessert. Gerne war sie bereit, den Schülern eine Kostprobe davon zu geben. Dass die deutsche Sprache möglichst schnell zu erlernen, eines ihrer wichtigsten Vorhaben hier in Deutschland ist, um Fuß fassen zu können, machten die beiden glaubhaft deutlich. Die Begegnung ließ alle Beteiligten nachdenklich aber auch ein bisschen dankbarer über das eigene Leben zurück. So äußerte eine Schülerin: „Mir ist erst jetzt bewusst geworden, wie gut wir es eigentlich haben.“ Dankbar darüber, Samir Bikbaci und Diana Kallol mit all ihrer Kraft und ihrem Mut, trotz der schwierigen Umstände, persönlich kennengelernt zu haben. Alle waren sich einig, dass es wichtig war „der Masse ein Gesicht zu geben“ und dass die Gruppe diesen beiden „Gesichtern“ alles erdenklich Gute für eine positive Zukunft in Deutschland mit ihren Familien wünscht.

Martina Kissel-Staude (v.l.), Diana Kallol und Samir Bikbaci im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern. Foto: privat

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