Künstler Titus Lerner ist auf der Art Karlsruhe präsent
Der Mensch im Mittelpunkt
Spessart. Titus Lerner steht in den Startlöchern. Wie mehrfach zuvor beteiligt er sich wieder an der Karlsruher Kunstmesse. Was er an Arbeiten vorstellen will, hat er bereits ausgesucht. Denn nach zwei Corona-Jahren ist digital passé und die Art Karlsruhe zurück als veritabel zu erlebende Kunst-Begegnung.
Zeitgenössische Kunst und klassische Moderne zeigt die 19. Auflage der Messe, für Lerner zurecht „ein Sommerevent ersten Ranges“. Der internationale Kunstmarkt ist vertreten. Es gibt Kunst in vier Messehallen und dazwischen einen 6.800 Quadratmeter großen Skulpturengarten. Aus den Werken der zahlreichen Künstler stechen 180 One-Artist-Shows heraus – darunter die des Malers, Graphikers und Bildhauers aus dem Brohltal.
Er wird an allen fünf Messetagen vom 6. bis 10. Juli am Stand der Galerie Klose aus Essen „Contemporary Tomorrow“ in Halle 2, H 2 L 21 zu finden sein. Am 6. Juli läuft die Preview. An den nachfolgenden Tagen erwartet die Messe das breite Publikum. Lerner schätzt: „Mit dem 9-Euro-Ticket werden sich wahrscheinlich mehr Leute dort hinbegeben“. Auch aus der Region, Westerwald, Koblenz, Remagen Neuwied, Eifel könnte dadurch der Anteil steigen.
Der Künstler aus Kempenich-Spessart bringt seine Menschen-Darstellungen mit. Zuhause im Atelier und Magazin illustriert die Fülle der Arbeiten, dass der 1954 in Hachenburg Geborene seit gut vier Jahrzehnten ausschließlich das Thema Mensch bearbeitet. Er begann mit dramatischen Figuren in Terrakotta, schlug sie dann aus Stein, schuf Unikat-Bronzen und fügte seinem Werk ab 1988 die Malerei hinzu. Immer wieder rückt er dem Menschen nahe, und rührt damit an die großen philosophischen Fragen wer bin ich, wohin gehe ich?
Besonderes Bronze-Oeuvre
Während der Künstler früher den verletzlichen Erdenbewohner als Opfer leidend und verzweifelt, darauf aber auch als Berserker heraufbeschwor, haben sich seine Gestalten inzwischen zu ruhigeren, handelnden Wesen verändert. Die Flugversuche des Ikarus werden beständig weiter ausgelotet. Noch strauchelt er. Seine Bronze-Flügel aber sind gewachsen. Auch lässt Lerner im Gemälde einen einzelnen Flügel erstrahlen, um dem Streben des Menschen nach Höherem Glanz zu verleihen. Vermeintlich gedoppelte Metall-Gestalten entpuppen sich als Menschen, die eine Ganzkörper-Maske vor sich hertragen. Von Weitem erscheinende Figuren-Drillinge outen sich aus der Nähe als „Häutungen“ und Ausbrüche. Den Protagonisten gelingt es, ihr altes Leben abzustreifen oder die einengenden Werte und Konstellationen zu sprengen. Denn alles ist im Wandel und so macht Lerner auch gesellschaftliche Prozesse fassbar. Ganz aus der Farbe heraus modelliert er dynamisch und bildfüllend Leiber und Köpfe. Eine zunehmend hellere Palette transzendiert die Körper, bringt Heilung durch Licht. Mit seinen Bronze-Oeuvre nimmt Lerner in Rheinland-Pfalz eine Sonderstellung ein. „Zwei, drei große Unikate“ präsentiert er in Karlsruhe. „Bei figurativen Bronzen wird es ganz dünn auf Messen, während Bilder in wahnsinniger Vielfalt vertreten sind“, weiß er. Natürlich wird er dennoch auch Gemälde ausstellen. Zwar verlangt die Messe täglich von 11 bis 20 Uhr Durchhaltevermögen. Doch freut er sich auf die Kollegen, „man unterstützt sich, und schön ist, jedes Jahr Künstler und Galeristen zu sehen, die man zehn, zwanzig Jahre kennt“. 2022 ist für Titus Lerner ereignisreich, auch abgesehen von seiner Beteiligung an der Discovery Art Fair Cologne im April und der Art Karlsruhe. Im Juli beginnt seine Ausstellung in Essen, im Oktober startet eine in der Dauner Galerie Augarde und geplant sind weitere Solo-Ausstellungen bei der Galerie Reitz in Köln und der Galerie Laik in Koblenz. Mit Künstlern der Galerie Klose geht es sodann auf eine Wanderausstellung in Südkorea, zusätzlich sind Ausstellungen und mehrere Messen in Seoul vorgesehen. HG
