Allgemeine Berichte | 03.07.2023, 08:41 Uhr

Burgfestspiel-Musical „The Black Rider“ feiert Premiere auf der Genovevaburg in Mayen

Der Pakt mit dem Teufel nimmt ein unheilvolles Ende

Ein Konkurrenzkampf um Käthchens Liebe entbrennt zwischen Jägersbursche Robert und Schreiber Wilhelm.  Fotos: KLE
168

Mayen. Eine junge Liebe, der Pakt mit dem Teufel und eine bunte Mischung mitreißender Musik – das sind die Zutaten für das erfolgreiche Musical „The Black Rider“, das auf der Burgfestspielbühne am 1. Juli Premiere feierte. Alexander May, Intendant der Mayener Burgfestspiele, hat das Stück von William S. Burroughs und Tom Waits als Open-Air-Spektakel im Burghof der Genovevaburg inszeniert, und entführte die Zuschauerinnen und Zuschauer vor nahezu ausverkauften Rängen in eine düster-fantastische, schaurig-surreale Welt. Die Inszenierung sorgte mit zahlreichen schrägen Momenten der teils skurrilen Figuren, poetischen Bildern und rauchigen Melodien für eine kurzweilige Unterhaltung.

Der junge Amtsschreiber Wilhelm (Lukas Benjamin Engel) ist verliebt in Käthchen (Lena Maria Hendlinger), die seine Gefühle erwidert. Doch es gibt ein Problem: Damit Käthchens Vater (Merten Schroedter), in die Hochzeit seiner Tochter mit Wilhelm einwilligt, muss der sensible Schreiber schießen können. Denn als Förster wünscht er sich einen erfolgreichen Jäger, einen „echten Mann“, als Schwiegersohn. Er favorisiert den Jägersburschen Robert (Martin Geisen), denn Wilhelm ist im Umgang mit dem Gewehr denkbar ungeschickt und verfehlt jedes Ziel. Völlig untalentiert kämpft Wilhelm auf der Bühne mit seinem Gewehr. „Schießen ist kein Kinderspiel.“ Trainieren ist zwecklos, keiner seiner Schüsse trifft ins Schwarze. In seiner Not lässt er sich auf das Angebot von Stelzfuß ein, der ihm magische Kugeln verspricht, die jedes Ziel treffen. Mit den goldenen „magic bullets“ der unheimlichen Gestalt wird Wilhelm zum treffsicheren Meisterschützen und erlegt erfolgreich jedes Tier, das ihm im Wald über den Weg läuft.

Bemerkenswert sind die Tierkostüme, die mit viel Liebe zum Detail von Caroline Neven Du Mont kreiert wurden. Der Teufel wird grandios verkörpert von Anne Müller, die ihr ganzes schauspielerisches Können in die dämonische Rolle legt. Ihre furchterregende, bizarr anmutende Mimik und Gestik lassen dem Publikum wiederholt Schauer über den Rücken laufen. Die wahnsinnige Tanzeinlage des Teufels im goldenen Anzug ist gleichzeitig faszinierend wie angsteinflößend.

Der teuflische Pakt hat seinen Preis. Stelzfuß´ hinterhältiger Plan geht auf und der Teufel fordert von Wilhelm eine Gegenleistung: Das Ziel seiner letzten Kugel will der dämonische Stelzfuß selbst bestimmen. „Sechs für dich und eine mir – deine treffen, meine äffen.“ Und diese Eine hat es in sich. Wilhelm hat keine andere Wahl und muss einwilligen. Auch eine letzte Warnung schlägt er in den Wind. „Ein Teufelspakt ist stets ein Narrenpakt.“ Und so nimmt das Unglück seinen Lauf, als Wilhelm vor versammelter Hochzeitsgesellschaft den finalen Schuss abgibt. „Verlass dich nicht auf Pulver und Blitz, die Kugel hat ihren eigenen Witz.“

Die Botschaft des Stückes ist eindeutig. Ein junger Mensch versucht, ein anderer zu sein, um seine große Liebe zu erreichen. Der Appell an uns alle laute, so sagte es May in seiner Begrüßungsrede, „sich selbst treu zu bleiben“ und sich nicht zu verbiegen. „Verkaufe nie dein Ich, den dann verlierst du dich. So whatever you do, don´t sell your You. Denn: If you do, you got no You,“ heißt es im Musical. Der Pakt mit dem Teufel steht gleichzeitig auch als Metapher für den Drogenkonsum. „Just like Marijuana leads to Heroin.“ Wer einmal eine Zauberkugel geladen hat, kommt nicht mehr von ihr los, bis sie alles zerstört.

Engel und Hendlinger setzten das Liebespaar überzeugend um. Engel jungenhaft, sensibel und weich, Hendlinger lieblich-naiv waren in ihren Rollen als Schreiber Wilhelm und seine Geliebte Käthchen sehr gut besetzt. Zudem überzeugten sie wie auch die anderen Schauspieler mit ihren gesanglichen und tänzerischen Qualitäten. Die passende Musik, die immer wieder zwischen verschiedenen Genres wechselte, steuerte die sechsköpfige Liveband unter der musikalischen Leitung von Matthias Flake auf dem linken Bühnenteil bei. Die englischsprachigen Songs waren mal folkig, mal rockig, aber auch gefühlvolle Balladen fanden den Weg in die Gehörgänge des Publikums. Im Ohr blieben vor allem der Song „The Black Rider“, mit dem der Teufel zu einer „gay old time“ einlädt, und das Liebesduett „The Briar And The Rose“ von Käthchen und Wilhelm. Nicht zu vergessen der Song „In The Morning“, den erst Käthchen und ihre Mutter darbieten und in den im weiteren Verlauf auch Vater, Wilhelm, Robert und die Tiere einstimmen. Begeisterter, spontaner Szenenapplaus war der Dank des Publikums für diese besondere Leistung.

Das Musical „The Black Rider“ wurde am 31. März 1990 in der Regie von Robert Wilson im Thalia Theater in Hamburg uraufgeführt. Die Handlung des Stückes fußt auf der Volkssage des Freischütz, auf der auch Carl Maria von Webers gleichnamige Oper aus dem Jahr 1821 basiert. Das Buch stammt von Beatpoet William S. Burroughs, die Musik wurde von Tom Waits komponiert. Als zusätzliche Quelle diente den Autoren eine Erzählung von August Apel, die 1810 in einer Sammlung von Gespenstergeschichten erschien.

Auch Jägersbursche Robert (Martin Geisen, li.) buhlt um Käthchens Gunst.

Auch Jägersbursche Robert (Martin Geisen, li.) buhlt um Käthchens Gunst.

Käthchen erwidert Wilhelms Liebe und bringt diese in gefühlvollen Balladen zum Ausdruck.

Käthchen erwidert Wilhelms Liebe und bringt diese in gefühlvollen Balladen zum Ausdruck.

Anne Müller brilliert in der Rolle des unheimlichen, dämonischen Stelzfuß.

Anne Müller brilliert in der Rolle des unheimlichen, dämonischen Stelzfuß.

Lena Maria Hendlinger und Lukas Benjamin Engel überzeugen als Liebespaar Käthchen und Wilhelm.

Lena Maria Hendlinger und Lukas Benjamin Engel überzeugen als Liebespaar Käthchen und Wilhelm.

Die Akteure müssen nicht nur schauspielern, singen und tanzen, auch akrobatische Einlagen gehören zu ihrem Repertoire.

Die Akteure müssen nicht nur schauspielern, singen und tanzen, auch akrobatische Einlagen gehören zu ihrem Repertoire.

Wilhelm geht einen unheilvollen Pakt mit Stelzfuß ein.

Wilhelm geht einen unheilvollen Pakt mit Stelzfuß ein.

Ein Konkurrenzkampf um Käthchens Liebe entbrennt zwischen Jägersbursche Robert und Schreiber Wilhelm. Fotos: KLE

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Imageanzeige
Holz Loth-Entsorgung
Wir helfen im Trauerfall
Dauerauftrag 2026
Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
"Wohnträume" Kreis AW
Wohnträume AW
Wohnträume AW
Empfohlene Artikel
Foto: Bunter Kreis
21

Bonn. Der Verein „Bunter Kreis Rheinland e.V. nimmt am Publikumsvoting des Deutschen Engagementpreises 2026 teil. Vom 1. bis zum 29. Oktober entscheidet die Öffentlichkeit online über den Publikumspreis. Zur Abstimmung stehen knapp 500 Projekte und Personen aus ganz Deutschland, die alle bereits mit einem Engagementpreis ausgezeichnet wurden.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: ROB
38

Rheinbreitbach. Am Sonntagabend gegen 19:55 Uhr ereignete sich in der Ortslage Rheinbreitbach auf der B 42, an der Einmündung zum Mühlenweg, ein Verkehrsunfall mit Personenschaden.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: ROB
40

Neuwied. Die Bundesanwaltschaft hat am 30. September 2026 in Neuwied (Rheinland-Pfalz) den syrischen Staatsangehörigen Ibrahim A. festnehmen lassen. Die Festnahme erfolgte durch Beamte des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz auf Grundlage eines Haftbefehls des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 6. August 2026.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Adobe Stock
1245

Verkehrseinschränkungen in Oberdürenbach und Dedenbach:

Ab 05.10.: Straßensperrungen im Brohltal

VG Brohltal. Ab kommender Woche werden Straßensperrungen durchgeführt, die Auswirkungen auf den Öffentlichen Personennahverkehr im Brohltal haben: Während der Herbstferien im Zeitraum von Montag, 5. Oktober, bis einschließlich Freitag, 16. Oktober 2026, muss die Hauptstraße in Oberdürenbach gesperrt werden. Davon betroffen ist die Linie 805. Die Umleitung erfolgt über den Wirtschaftsweg Fuhrweg und die Ringstraße.

Weiterlesen

Symbolbild.
463

Mordkommission im Einsatz: Ehemann nach Leichenfund festgenommen

Fall der Vermissten aus Euskirchen: Leiche in Waldstück aufgefunden

Euskirchen/Zülpich. Am späten Donnerstagnachmittag ergaben sich in dem Fall der seit dem 25. September 2026 vermissten 46-jährigen Frau aus Euskirchen neue Ermittlungserkenntnisse. Diese führten die Mordkommission dazu, parallel zur Durchsuchung eines Wertstoffhofes in Weilerswist, auch in einem Waldstück in Zülpich aktiv zu werden. Dort stießen die Einsatzkräfte gegen 17:35 Uhr auf einen weiblichen Leichnam, der geborgen wurde.

Weiterlesen