Erste Deichstadt-Tanzgarde begeisterte mit 30. Neuwieder Stadtmeisterschaft
„Der Sieg bedeutet noch lange nicht die Qualifikation“
Neuwied. In der Sporthalle Niederbieber ging es wieder um die Qualifikation für die Landes- und Deutsche Meisterschaft im Garde- und Showtanz. Dass der Tagessieg noch lange nicht zur ersehnten Qualifikation für die Meisterschaft reichte, musste so mancher Teilnehmer feststellen. Entscheidend waren nämlich die Punkte, die die gestrenge Jury für die Darbietung vergab. Manchmal zeigten sich die Wertungsrichter aber auch gnädig. Eine Gardetanzgruppe kam nicht in die Wertung, weil sie mit einer Tänzerin zu wenig auftrat. Das Mädchen fiel kurzfristig mit Bauchschmerzen aus. „Besser als Disqualifikation. So sehen wir wenigstens, wo wir stehen“, meinte das Team. Die Teilnehmer kamen auch diesmal wieder von weither angereist. Ein Großteil kam aus Nordrhein-Westfalen und aus dem Saarland. Sehr zur Freude der ersten Deichstadt-Tanzgarde Neuwied.
Rekordverdächtige Beteiligung
Die Ausrichter des Qualifikationsturniers der Rheinischen Karnevals Kooperationen (RKK) zeigten sich mit den 93 Meldungen höchst zufrieden. „Wir konnten nicht mal alle annehmen, die dabei sein wollten“, sagte Gaby Kotysch-Kalsek. Und Melanie Sturm, seit 2016 erste Vorsitzende, ergänzt: „Wir haben extra schon zwei Stunden früher als sonst begonnen, um das Programm zu bewältigen“.
Für den kleinen Verein war das Qualifikationsturnier eine Mammutaufgabe. Früh am Morgen ging es los und erst weit nach Mitternacht war die Sporthalle Niederbieber wieder aufgeräumt. Das die Erste Deichstadt-Tanzgarde Neuwied mit dem 30. Turnier ein Jubiläum feierte, ist alle Ehre Wert.
Die Organisatoren von Sportveranstaltungen haben stets die gleichen Sorgen. Mal fehlen die Sponsoren, mal die Helfer. Ein anderes Mal befürchtet man den Mangel an Teilnehmern. „Viele andere Veranstaltungen aus den ersten Jahren gibt es nicht mehr“, bedauert Melanie Sturm. Es gehöre halt auch immer Glück dazu. Die rekordverdächtige Beteiligung 2017 führte sie auf einen guten Termin zurück. Schulferien, Kommunion oder Abi-Vorbereitungen könnten in Kombination schon mal dazu führen, dass die Meldungen ausbleiben. Zum 30. RKK Qualifikationsturnier war das glücklicherweise anders. Grund zur Freude gab es auch vonseiten des Zuschauerzuspruchs. Viele Tanzgruppen hatten ihre Fanclubs aus Freunden und Verwandten bestehend, mitgebracht. Gut für den Umsatz, denn mit Sponsoren oder Startgeldern allein ist die Veranstaltung nicht zu finanzieren. Anerkennung und Worte des Dankes bekam die erste Deichstadt-Tanzgarde seitens der Politik und Verwaltung. Landtagsmitglied Fredi Winter war stolz, im Jubiläumsjahr Schirmherr sein zu dürfen. Für Landrat Rainer Kaul liegt der Erfolg der Veranstaltung darin, dass Aktive sich nicht als erbitterte Gegner gegenüberstehen, sondern gemeinsam mit den Zuschauern einen schönen Tag verleben. Die Neuwieder Stadtmeisterschaft sei ein echter Publikumsmagnet. Das hochwertige Programm sei gespickt mit viel Lebensfreunde und tollen Farben. Oberbürgermeister Nikolaus Roth unterstrich in seinem Grußwort den Stellenwert eines der größten Tanzturniere am Mittelrhein. 500 Aktive und etwa doppelt so viele Zuschauer unterstrichen diesen Stellenwert. Ferner führte der Oberbürgermeister aus, dass der Termin nach Ostern beweise, dass Gardetanz ein Sport sei, der nicht nur an Karneval begeistere. Trainiert werden müsse ohnehin das ganze Jahr über. Melanie Sturm führt das große Interesse in diesem Jahr ebenfalls darauf zurück, das seit Karneval schon viel Zeit vergangen ist, einen neuen Tanz einzustudieren.
Mit den Darbietungen aus der letzten Session sei kaum einer unterwegs. Apropos unterwegs: Rund zwanzig Auftritte hatte die Deichstadt-Tanzgarde in der Session 2016/17. Die Aktiven bestehen aus sechszehn Frauen und einem Mann. „Den hegen und pflegen wir ganz besonders“, schmunzelt Gaby Kotysch-Kalsek. Natürlich konnte die erste Deichstadt-Tanzgarde am eigenen Turnier selbst nicht teilnehmen. Schließlich mussten die Gäste betreut und versorgt werden. Dankbar zeigte sich Melanie Sturm gegenüber rund vierzig externen Helfern. „Ohne die könnten wir die Stadtmeisterschaft gar nicht stemmen“, so die Vorsitzende. Und was hat sich in dreißig Jahren verändert?
Gaby Kotysch-Kalsek ist seit immerhin 25 Jahren aktiv dabei. Begonnen hatte man in Pestalozzi-Turnhalle. Die wurde aber bald zu klein. Die Zahl der Teilnehmer legte über die Jahre zu. Außerdem sei das Reglement strenger geworden. Sich in der Halle schminken oder Haarspray benutzen, erlaubt der RKK nicht mehr. Unverändert dagegen die Bewertungskriterien. Neben Anspruch und Choreografie sowie der sauberen Ausführung der Elemente, gehören das Lächeln und der Ausdruck von Freude in den Gesichtern dazu. FF
