Allgemeine Berichte | 27.02.2018

Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz e.V.

Der Siegeszug einer neuen Waffengattung am Ende des Ersten Weltkriegs

Vortragsreihe anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren

Hans Kirschstein vor seiner Fokker D VII.Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins

Koblenz. Vor 100 Jahren endete im Herbst 1918 der Erste Weltkrieg. Der Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins widmet diesem Ereignis eine Vortragsreihe, in deren Mittelpunkt das Aufkommen und die Etablierung einer neuen Waffengattung in der Kriegsführung steht, deren tödliche Folgen bis heute das Kriegsgeschehen in aller Welt bestimmen: die Luftwaffe.

Der Traum vom Fliegen

Der uralte Menschheitstraum vom Fliegen war gerade erst wahr geworden, da begannen die Militärs bereits, das neue Fortbewegungsmittel für ihre Zwecke zu nutzen. Insbesondere das Deutsche Kaiserreich nutzte Flugzeuge und ihre Piloten für militärische Operationen. Der Traum vom Fliegen wurde zum Albtraum, für die Piloten, aber auch für die Zivilbevölkerung. Warum, so fragte sich die Oberste Heeresleitung des Deutschen Kaiserreichs, die Flugzeuge nicht zum Ausspähen des Feindes nutzen? Zu seiner Bekämpfung und Vernichtung bereits in der Luft? Oder durch Bombenabwürfe auf „feindliche“ Städte die Fähigkeit und die Bereitschaft des Gegners zur Kriegsführung schwächen? Aufklärungsflüge über den feindlichen Linien, Luftkämpfe mit alliierten Flugzeugen und die ersten Bombenangriffe auf europäische Städte wurden so zum Repertoire der deutschen Kriegsführung. Anders als die Kriegsgegner Frankreich und Großbritannien verlagerte die Oberste Heeresleitung den Krieg konsequent in die Luft, mit immer neuen Flugzeugmodellen und Einsatzoptionen sowie großem propagandistischem Aufwand und Nutzen. Noch heute genießen die „Fliegerasse“ wie Manfred von Richthofen vielfach Ruhm und Heldenstatus und lassen die Legende von den „Rittern der Lüfte“ weiterleben. Doch dass die Flugzeuge auch Bomben trugen und mit ihnen tausendfach Leid und Tod für die Zivilbevölkerung brachten, dafür war in den Heldengeschichten kein Platz.

Am Beispiel von Koblenz und dem Mittelrhein zeigen zwei Vorträge diese beiden Seiten der neuen Waffengattung und wie die im Ersten Weltkrieg gesammelten Erfahrungen bis heute den strategischen und taktischen Einsatz der Luftwaffe prägen.

„Ein vergessener Held?

Den Anfang macht am 6. März um 18 Uhr der Vortrag von Markus Kirschbaum mit dem Titel „Ein vergessener Held? Der Koblenzer Hans Kirschstein und die rheinischen Fliegerasse des Ersten Weltkriegs“. Noch heute sind Flieger wie Richthofen, Udet oder Boelke berühmt und in aller Munde. Doch dass in diesen illustren Kreis auch ein Koblenzer gehört, der mit 27 Luftsiegen als Pour-le-Mérite-Träger zu den gefeierten Helden seiner Zeit zählte, ist in seiner Heimatstadt völlig vergessen. Hans Kirschstein wurde aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten, die nicht nur sein fliegerisches Können, sondern insbesondere auch seine charakterlichen und intellektuellen Anlagen umfassten, von Richthofen persönlich in sein Jagdgeschwader berufen. Während Kirschsteins Zeit als Führer der Jagdstaffel 6 war diese Einheit die erfolgreichste deutsche Staffel überhaupt. Sein schwarz-weiß gesteiftes Flugzeug, das er „die optische Täuschung“ nannte, war schnell bekannt und gefürchtet am Himmel über Flandern. Kirschstein selbst wurde schon sehr bald von seinen Kameraden und auch vom Gegner als der legitime Nachfolger Richthofens angesehen. Als Angehörige einer neuen Waffengattung waren die Flieger ähnlich wie die U-Boot-Fahrer im Ersten Weltkrieg die faszinierenden Sympathieträger militärischer Technik. Die Propaganda nutzte ihren Heldenstatus gerne zur Stärkung der Kriegsmoral, und die Namen der Fliegerasse kannte in Deutschland während des Krieges jedes Kind.

Bombenangriffe auf Koblenz

Der zweite Vortrag der Reihe von Beate Dorfey am 3. April um 18 Uhr ist den Bombenangriffen auf Koblenz im Ersten Weltkrieg gewidmet. Anders als französische oder gar englische Städte blieb Koblenz im Ersten Weltkrieg lange von Bombenangriffen verschont. Dass es überhaupt zu Bombenabwürfen über Koblenz kam, ist der Lage der Stadt weit im Westen des Reiches nahe der Frontlinie und ihrem Status als Militär- und Verkehrsknotenpunkt geschuldet. Denn die Flieger der Alliierten mussten die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel erst einmal erreichen können. In den ersten Kriegsjahren verfügten die britischen und französischen Flieger schlicht nicht über genug Reichweite, um hier einen Angriff durchführen zu können. Andere Städte, wie vor allem Trier und die badischen Städte, lagen da bereits längst im Bombenhagel der alliierten Flugzeuge, auch wenn deren Zerstörungskraft bei Weitem nicht an die der deutschen Zeppeline und Bomber heranreichte. Für die betroffenen Städte begann eine neue Epoche: Erstmals in der Geschichte wurde die Zivilbevölkerung Ziel und Opfer militärischer Angriffe, und erstmals kam die Gefahr aus der Luft. Häuser, Straßen und Verkehrswege wurden zerstört, Menschen verletzt und getötet. Niemand war auf diese Kriegsführung vorbereitet: Flugabwehr und Luftschutz mussten erst entwickelt werden, aber auch der Umgang mit Kriegsschäden an Leib und Leben oder Hab und Gut. Am Beispiel von Koblenz werden sowohl der Beginn und die Entwicklung des Bombenkriegs als auch die Fragen des Schutzes der Zivilbevölkerung vorgestellt: Wie bombardiert man überhaupt eine Stadt? Welche Ziele verfolgt man? Welche Schutzmaßnahmen braucht die Zivilbevölkerung? Wie entschädigt man die Opfer? All diesen Fragen, die damals zum ersten Mal in der Geschichte beantwortet werden mussten, geht der Vortrag nach anlässlich der acht Angriffe auf Koblenz vom 1. Oktober 1916 bis zum letzten Angriff am 21. Oktober 1918 mit insgesamt mindestens 13 Toten und 79 Verletzten. Auch wenn die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs in Deutschland gerade in diesem Bereich vollständig überlagert hat, so zeigen beide Vorträge deutlich, wie hier die Grundlagen für die moderne Entwicklung gelegt wurden, ohne die der Einsatz der Luftwaffe in späteren Kriegen nicht möglich gewesen wäre. Die Büchse der Pandora war geöffnet worden.

Der Vorträge finden im Landeshauptarchiv Koblenz statt. Der Eintritt ist frei. Auch Nichtmitglieder sind herzlich willkommen. Weitere Informationen zu den öffentlichen Veranstaltungen des VGKM an jedem ersten Dienstag im Monat gibt es unter www.landeshauptarchiv.de und www.vgkm.de

Pressemitteilung Verein für

Geschichte und Kunst des Mittelrheins zu Koblenz e.V.

Hans Kirschstein vor seiner Fokker D VII. Foto: Verein für Geschichte und Kunst des Mittelrheins

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