Adendorf befindet sich im wirtschaftlichen Umschwung
Der Töpferort geht neue Wege
Adendorf. „Bei den Töpfertagen war früher so viel Volk hier, dass man hier die Straßen sperren musste“, erzählte ein Besucher der letzten Aktion der wenigen noch aktiven Töpfereien in Adendorf. Tatsächlich hat der kleine Ort mit der Tongrube im Lauf der Jahrhunderte eine wechselvolle Geschichte erfahren. Die Ansiedlung der Töpfer aus dem Westerwald in der Mitte des 18. Jahrhunderts war einer der turbulentesten Abschnitte und wurde vor wenigen Jahren noch im Musical „Die Kannenbäcker“ aufgeführt. Nach dem Siegeszug der Industrialisierung auch in diesem Bereich haben in den letzten 20 Jahren die meisten Familienbetriebe ihre Vitrinen abgebaut und die Tore geschlossen. Allerdings haben sich die Gewerbetreibenden im Töpferort einiges einfallen lassen, um dem Abwärtstrend erfolgreich entgegenzuwirken.
Zunächst hatte sich eine Interessengemeinschaft der Adendorfer Gewerbetreibenden gebildet, die die Zeichen der Zeit erkannten und die Entwicklung in eine positive Richtung lenkten. Nachdem die Töpfertage an Zulauf verloren, besann man sich auf die Stärken der neuen Gewerbe, die sich hier angesiedelt hatten. Publikumsmagnete wie das mittlerweile überregional bekannte Kino „Drehwerk“ mit Restaurant und Kleinkunstbühne und ein neu angesiedeltes, stetig wachsendes Unternehmen für Veranstaltungstechnik nahmen gemeinsam mit anderen Gewerbebetrieben die Herausforderung an und stampften den Martinsmarkt aus dem Boden. Mit einem sehr gut abgestimmten Angebot und einem umfangreichen Rahmenprogramm zieht dieses Herbstevent seither Jahr für Jahr mehrere Tausend Besucher in den Ort. Aus der Interessengemeinschaft ist in der Zwischenzeit ein Verein geworden, der mit seinen Aktivitäten fest in den Ort eingebunden ist.
Auch die verbliebenen Töpfer sind neue Wege gegangen und haben ihr Angebot an die modernen Bedürfnisse und den Zeitgeschmack angepasst. Zusätzlich zu den bekannten Produkten findet man nun kunstvoll gestaltete, auf Wunsch von innen beleuchtete, Tonkugeln und andere ansprechende Neuerungen. Zudem waren jüngst Töpfer aus Kolumbien zu Gast in Adendorf, im nächsten Jahr will man einen Gegenbesuch zwecks Austausch abstatten. Man darf gespannt sein, welche neuen Wege sich aus dieser Zusammenarbeit ergeben.
Kräftig entstaubt haben die verbliebenen Töpfereien ihre Sortimente, um verstärkt auf stylische Dekorationsartikel zu setzen. Foto: Chris Weber
