Bitterböse Komödie im Arresthaus in Mayen
„Der Vorname“ begeistert bei Premiere: Freude pur bei maximaler Eskalation
Mayen. „Ich wollte doch nur lustig sein“ sagt Florian Thunemann in seiner Rolle als Vincent kurz vor Ende des Stücks „Der Vorname“, als eine familiäre Grillparty vollends aus den Fugen geraten ist. Und es ist extrem lustig, was man vor und nach diesem Ausspruch im Mayener Arresthaus zu sehen bekommt, wenn man die Komödie „Der Vorname“ im besucht. Und es ist noch viel mehr als „nur“ lustig, was Regisseurin Caroline Stolz mit ihrer fünfköpfigen Schauspielcrew dort auf die Bühne zaubert. Es ist ein Theaterabend, der das Publikum begeistert, mit überraschenden Einfällen überrascht und keine Wünsche offenlässt.
Das Publikum erhebt sich begeistert von den Stühlen, nachdem die letzte Szene gespielt ist und möchte gar nicht mehr aufhören zu applaudieren. Und das völlig zurecht, denn vorher haben Silke Buchholz, Martin Geisen, Christian Miedrich, Jessica Schultheis und Florian Thunemann neunzig Minuten lang die Lachmuskeln des Publikums auf das Äußerste strapaziert und gleichzeitig einen tiefen Einblick in die Abgründe menschlichen Handeln und Streitkultur gegeben. Das funktioniert mit einer gelungenen Mischung aus klugen Dialogen, geschickt gesetztem Wortwitz und Situationskomik, gepaart mit einer Schauspielkunst, die alle diese tollen Zutaten zu einem puren Theatervergnügen zusammenfügt.
Es beginnt ganz harmlos mit einem Grillabend unter Freunden, wobei das Publikum sehr gespannt sein darf, wie weit dieser Begriff „unter Freunden“ bei den Mayener Burgfestspielen gedehnt wird. Bevor seine Lebensgefährtin Anna erscheint hat Vincent seiner Schwester, seinem Schwager und seinem besten Freund erzählt, dass das Kind, welches Anna erwartet, den Vornamen „Adolphe“ erhalten soll. Mit diesem Versuch „doch nur lustig zu sein“ nimmt das Chaos seinen Lauf.
Stetig steigert sich die Diskussion um die Frage, ob man einem Kind einen Vornamen geben darf, der in der Aussprache genauso klingt wie der Vorname von Hitler. Emotional wird es dabei sofort, aber zunächst wird noch versucht den Gegenüber mit Argumenten zu überzeugen und später öfter auch zu provozieren.
Nach und nach kommt die Gesellschaft dabei vom bekannten „Hölzchen auf das Stöckchen“. Schnell merkt man, dass der Vorname an sich nur noch der Funke ist, an dem sich eine ausufernde Diskussion entzündet und zu einem handfesten Streit entwickelt. Dabei geht es plötzlich auch um das Rechthaben und nach und nach werden überraschende Wahrheiten über alle Beteiligten zu Tage gefördert.
Genau das macht die Genialität dieser Komödie von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière aus. Ganz leise und schleichend fließt dieses Gift der alten, unbezahlten Rechnungen in den Freundeskreis ein und steigert die Eskalationskette zunächst unmerklich und dann rasant. Großartig, wie die fünf Akteurinnen dies umsetzen.
Die überraschenden Wendungen des Stücks und die überraschenden Inszenierungsideen nehmen kein Ende und steuern auf ein furioses Finale zu, bei dem kein Auge trocken bleibt.
Das Mayener Theaterpublikum hat ein gutes Näschen bewiesen, denn die geplanten Aufführungen von „Der Vorname“ waren bis auf wenige Einzelplätze bereits vor der Premiere ausverkauft. Glückwunsch an die Inhaber der Tickets, die sich glücklich schätzen und auf einen außergewöhnlichen Theaterabend freuen dürfen. Allen anderen Theaterinteressierten ist zu wünschen, dass es im diesjährigen Spielplan noch Lücken gibt, in denen Zusatzvorstellungen gespielt werden. Und dann heißt es schnell sein, um sich selbst von diesem spielfreudigen und urkomischen Ensemble begeistern zu lassen. BLA
