Breisiger Weinbau-Bruderschaft erinnert an alte Tradition
Der neue Jahrgang ist gelesen
Bad Breisig. Sowohl Nieder- als auch Oberbreisig waren einmal – seit der Römerzeit – blühende Weinbaugemeinden. Der Rheinische Städteatlas weist nach, dass es vor 200 Jahren im Bereich von Nieder- und Oberbreisig an die 300.000 Rebstöcke gab. Die Weingärten reichten damals die Berghänge hinab, in Niederbreisig bis an die heutige Koblenzer Straße. Dann setzte die Zeit des schleichenden Verfalls der Wingerte ein. Schlechte Ernten, Reblaus und fehlende Verkaufsorganisation behinderten den wirtschaftlichen Erfolg des Weinanbaus. Man darf nicht vergessen, dass auf fast die gesamte Breisiger Weinerzeugung vorher 900 Jahre lang die Landesherrin in Essen Anspruch erhob, dazu die Florinsherren in Koblenz, auch gierige Vögte, Burgherren und der Klerus – die Breisiger Winzer konnten bis dahin kaum Erfahrung in der Vermarktung ihres Weins sammeln.
Als im Jahr 1837 der zuständige Landrat empfahl, dem Niedergang des Weinbaus durch Gründung eines Winzervereins zu begegnen, sah der amtierende Breisiger Bürgermeister darin keine Lösung, weil der wenige noch erzeugte Wein komplett über eine private Weinhandlung verkauft wurde. Der Weinbau schlief komplett ein, die letzten Weinberge auf dem Oberbreisiger Elzenberg wurden von Gestrüpp überwuchert.
„Weinselige“ Idee
So blieb es bis zum Jahr 2003. Aus einer in der „Schäferhütte“ im Elzenberg geborenen weinseligen Idee entstand bei einigen heimatverbundenen Bürgern der Plan, rund um die Hütte wieder mit einem Demonstrationswingert an die alte Weinbautradition des Ortes zu erinnern. Die Oberbreisiger „Weinbau-Bruderschaft“ wurde als Freundeskreis gegründet. Ein Stück alter Weinberg wurde bald gefunden, und mit der schwierigen Arbeit des Rodens luden sich die „Weinbrüder“ die erste, so nicht vorhergesehene Mühsal auf ihre Schultern. Zusammen mit befreundeten Profiwinzern wurden die juristischen und fachlichen Grundlagen geschaffen, und im folgenden Jahr konnte der Anbau der Spätburgunderweinstöcke starten. Im Jahr 2005 konnte man erstmals Trauben ernten und Wein keltern, und siehe da: Es wurde ein guter Tropfen.
Mit zunehmender Erfahrung stiegen Ertrag und Qualität des kleinen – durch Gesetz eingeschränkten – „Versuchsweinbergs“; der hier erzeugte Wein darf nur für den Eigenbedarf verwendet, also nicht verkauft werden, aber: es gibt wieder „Breisiger“ Wein, und darauf sind die uneigennützigen „Macher“ der Bruderschaft stolz. An der Hauptstraße in Oberbreisig führte die Weinbau-Bruderschaft in musterhaftem Einsatz das alte Backes und das daneben gelegene ehemalige Spritzenhaus einer neuen Verwendung zu. Hier wird bei Volksfesten – wie der bevorstehenden Oberbreisger Kirmes – Wein angeboten, zwar nicht der original „Elzenberger Spätburgunder“, aber ein Wein, der dem Eigenerzeugnis entspricht. Auf jeden Fall haben die „Weinbrüder“ in ehrenamtlicher Leistung mit ihrem „Versuchsweinberg“ den historischen Bezug zu dem einst bedeutenden Breisiger Weinanbau wieder hergestellt und damit ein wichtiges Kapitel der Ortsgeschichte aus der Vergessenheit geholt.
Engagiert überall im Ort
In diesen Tagen haben Robert Hoss, der Chef und Vordenker der Weinbrüder, und sein Team die neue Ernte eingeholt. Sie nutzten die schönen, trockenen Tage des Altweiber-Sommers und freuten sich über einen besonders stolzen Ertrag ihrer Weinstöcke; er lässt auf einen besonders guten „2017er Elzenberger“ schließen. Um es nicht zu vergessen: Die Mitglieder der „Weinbau-Bruderschaft“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, neben ihrem Engagement im Weinbau auch immer wieder dort in Oberbreisig gemeinschaftliche Leistung zu zeigen, wo es nötig ist. Da sind sie nicht zu müde, auch einmal zur Maurerkelle, zur Sense, zur Harke oder zu Pinsel und Farbe zu greifen, um das Ortsbild zu verschönern. Ihr Vorteil: Sie können sich nach getaner Arbeit mit einem guten Glas eigenen Weins im selbst sanierten „Winzer-Treff“ (dem alten Backes) belohnen. FA
Brudermeister Robert Hoss legt bei der Lese Hand an.
