Allgemeine Berichte | 25.07.2017, 16:49 Uhr

Gemeinde Wachtberg

Der vergebliche Versuch, die Zeit zu vertreiben

Ausstellung schon.zeit bei Monika Clever.

Schon.zeit: (v. l. n. r.) Hiltrud Westheide, Dr. Dieter Braun, Monika Clever und Werner Luhmer. Gemeinde Wachtberg/mm
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Wachtberg-Niederbachem. Schon wieder vorbei! So mancher Besucher der 11. Wachtberger Kulturwochen wird sich gefragt haben: „So schnell vorüber, wo ist nur die Zeit geblieben?“ Mit genau diesem Phänomen, der Zeit, hatte sich die Niederbachemer Künstlerin Monika Clever mit der Ausstellung „schon.zeit – der vergebliche Versuch, die Zeit zu vertreiben“ in ihrem Bildergarten auseinander gesetzt.

„Zeit, was ist das eigentlich? Vergangenheit, Gegenwart?“ fragte dann auch Dr. Dieter Braun, der die Ausstellung eröffnete. Zeit kann einem lang vorkommen, einen langweilen, zum Beispiel beim Warten. Sie kann aber auch kurzweilig sein und viel zu schnell vergehen, meist immer dann, wenn man gerade besonders viel Spaß hat.

Zeit, die vergeht

Monika Clever hatte sich dem Begriff Zeit auf der für sie typischen Art mit diversen kleinen und großen Installationen in ihrem Garten genähert. Mit „Zeitsprung“ hat sie eine Serie von Weckgläsern bezeichnet, in denen sie Porträtfotos von Personen im Erwachsenenalter solchen aus deren Kindheit gegenübergestellt hat. „Geronnene Zeit“ symbolisieren mehrere aufgereihte Sanduhren. „Zeitschleifen“ hat sie in ihren Bronzearbeiten die Form von Möbiusbändern gegeben. Wer den Clever’schen Bildergarten kennt, weiß, dass der erste Blick meist nicht genügt, sind doch vielfach die Installationen überall im Gartendickicht versteckt. In einem Gebüsch im hinteren Gartenteil ließ sich - „5 vor 12“ - eine große Taschenuhr, aufgehängt hinter einer riesigen, im Grün platzierten runden Glasscheibe entdecken. Auch über den Köpfen gab es Kunst zu sehen, Monika Clevers Schattenbilder auf Mesh-Gewebe. Auf leuchtendem Rotorange und Gelb waren die Füße einer tanzenden Frau zu erkennen - der „Minutenwalzer“. In einem alten Safe, mit „Zeitkapseln“ betitelt, fand sich geschenkte Zeit in Form von unzähligen alten Armbanduhren.

Zeit, die man sich nimmt

Und auch „Nehmen Sie sich Zeit“ hieß es an einem kleinen Bäumchen, an dem für die Gäste metallene „schon.zeit“-Chips zum Mitnehmen hingen. Und wer wollte, konnte sich in einem Buch verewigen und angeben, welches seine Lieblingszeit ist. Schnell füllten sich die Seiten mit zum Teil sehr privaten und anrührenden, aber auch lebensphilosophischen Einträgen. Tja, die Zeit … was ist sie nun? Und war früher wirklich alles besser? „Damals“ – mit einer so betitelten Wandinstallation aus mehreren kleinen, von den Gästen zu öffnenden Kistchen hat sich Clever auch dieser Frage gestellt. Und u. a. solche Antworten gefunden: Damals … machten die Mädchen noch einen Knicks. Damals … zahlte man noch Kranzgeld. Damals … legte man den Hörer noch auf die Gabel. Damals … kaufte man noch Negerküsse.

Zeit zu spielen

Was wären Monika Clevers Installationen ohne den großen Tisch im Garten, den sie passend zum jeweiligen Thema bespielt. Dieses Mal standen darauf -zig alte Ohren-Wecker Spalier. „Zeitumstellung“ war angesagt, und wieder waren die Gäste aufgefordert, am Tisch aktiv zu werden. Fans des Clever’schen Bildergartens kannten derartige Aktionen schon und gingen auch schnell ans Werk. Die Wecker wurden anders aufgereiht, nicht in Reih und Glied, sondern im Block, als Z oder … zu guter Letzt, auch umgelegt und übereinander gestapelt – Zeitumstellung eben.

Zeit für andere

Wie auch schon in den Bildergarten-Ausstellungen der Vorjahre hatte Clever wieder einige Künstler dazu geladen. Gitta Briegleb, seit Anfang an mit von der Partie, steuerte vier hochforrmatige, extrem beeindruckende, weil sehr expressive neue Malereien bei. Auf zwei Bildern ist eine Frau beziehungsweise ein Mann zu sehen, sie weiß übertüncht, er als Knochenmann. Auf dem dritten Bild ist ein Freudenfeuer in leuchtenden Farben zu erkennen, das letzte trumpft mit bunter Vielfalt auf.

Mit Bildern ganz anderer Couleur beteiligte sich die Berkumer Künstlerin Hiltrud Westheide. Eine Serie von vier abstrakten Werken stellte in unterschiedlichen, dabei immer leicht wirkenden Farbkompositionen die Jahreszeiten dar. „Eine wunderschöne Darstellung“, fand Dr. Braun.

Neu im Bunde war in diesem Jahr Werner Luhmer. Der in Niederbachem lebende Schlosser demonstrierte mit seinen ausgestellten Arbeiten, was man aus Metall alles machen kann. Filigran ausgestanzte Wandbilder und Schlüsselborde mit der Silhouette von Wachtbergs bekanntesten Sehenswürdigkeiten begeisterten dabei ebenso die Gäste wie seine kleinen schon.zeit-Kästen.

Zeit für Gedichte und Musik

Und auch ein Rahmenprogramm hatte Monika Clever zusammengestellt. Ursula Contzen bereicherte am zweiten Sonntag mit ihrer Lesung „Zeiterfahrungen“ die Ausstellung, und zum Schluss gab’s am letzten Sonntag noch eine Matinee mit „Jazztime“ um Saxofonist Christian Bortz, Bassist Henning Spohr und Gitarrist Jens Stenglein. Das Trio begeisterte mit herrlich relaxten Improvisationen über bekannten Jazz- Standards die Zuhörer. So schön könnte man sich öfter „die Zeit vertreiben“. (weitere Fotos auf www.wachtberg.de).

Pressemitteilung der

Gemeinde Wachtberg

Beeindruckende Bilder von Gitta Briegleb.Gemeinde Wachtberg/mm

Beeindruckende Bilder von Gitta Briegleb.Foto: Gemeinde Wachtberg/mm

Auf dem Tisch … die Wecker nach der „Zeitumstellung“ durch die Gäste. privat

Auf dem Tisch … die Wecker nach der „Zeitumstellung“ durch die Gäste. Foto: privat

Schon.zeit: (v. l. n. r.) Hiltrud Westheide, Dr. Dieter Braun, Monika Clever und Werner Luhmer. Foto: Gemeinde Wachtberg/mm

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