Allgemeine Berichte | 23.03.2026

Stephan Wefelscheid: „Landespartei vollends vor die Wand gefahren“

„Desaster mit Ansage“: Koblenzer Freie Wähler fordern Rücktritte

Stephan Wefelscheid. Foto: Sarah Reuther

Koblenz/Mainz. Die heutige Wahlniederlage der FREIEN WÄHLER Rheinland-Pfalz war ein Desaster mit Ansage, so die einhellige Meinung des Vorstands der Kreispartei in Koblenz. Nun fordert dieser als Konsequenz den Rücktritt des Landesvorstandes, insbesondere der beiden Vorsitzenden Christian Zöpfchen und Lisa-Marie Jeckel und des Generalsekretärs Daniel Klingelmeier, sowie des gescheiterten Spitzenkandidaten Joachim Streit als stellvertretender Bundesvorsitzender.

„Ich habe diese Partei über viele Jahre aufgebaut, mit einem riesigen persönlichen und auch finanziellen Einsatz, und 2021 nach einem aufreibenden Wahlkampf in den Landtag geführt“, erinnert Stephan Wefelscheid, Vorsitzender der FREIE WÄHLER Kreisvereinigung, Landtagsabgeordneter und ehemaliger Landesvorsitzender. „Zu sehen, wie sich ein Joachim Streit erst meine Erfolge an die Brust heftet und nun die Landespartei vollends vor die Wand gefahren hat, das tut schon weh.“

Der stellvertretende Kreisvorsitzende Christian Altmaier findet klare Worte zu dem verpassten Landtagseinzug: „Wir hatten eine Fraktion und auch Landespartei, die vor allem von der Professionalität, Sachkompetenz und harten Arbeit einer Person getragen wurde: Stephan Wefelscheid. Indem er erst als Fraktionsvorsitzender verhindert und dann als Landesvorsitzender abgesägt wurde, hat man das faktische Ende der Fraktion in Kauf genommen und anschließend auch die Landtagswahl in den Sand gesetzt. Bei siebzehn nicht besetzten Wahlkreisen und einer Kampagne, die sich alleine auf Populismus und die Skandalisierung von Personaldebatten verlässt, verwundert das auch kaum.“

Das sieht auch Marco Degen, zweiter stellvertretender Kreisvorsitzender und ehemaliger Landesschatzmeister, ähnlich: „Der liberale Kurs der Mitte unter Stephan Wefelscheid hat uns in den Landtag gebracht und zwischenzeitlich zu sieben Prozent in den Umfragen geführt. Dann konnte es der Gruppe um Streit, Jeckel und Zöpfchen gar nicht schnell genug gehen, und anstatt wenigstens noch eine geordnete Übergabe und einen guten Start in den Bundestagswahlkampf zu ermöglichen, mussten Stephan und Unterstützer wie ich Ende 2024 schnellstmöglich aus dem Amt gedrängt werden. Der Markenkern der FW fiel dem Populismus zum Opfer. Der blamable Bundestagswahlkampf, an den sich nun ein desaströser Landtagswahlkampf anschloss, waren die unmittelbare Folge dieses dilettantischen Handelns.“

Dennis Graf, Direktkandidat im Wahlkreis 8, ergänzt: „Es ist enorm frustrierend, wenn man sich engagiert und für die Menschen einsetzen möchte, aber von der Landespartei dermaßen runtergezogen wird. Wir haben hier in Koblenz einen hochengagierten Wahlkampf geführt, aber immer öfter musste ich mich von den Aussagen und Zielen der Landespartei distanzieren, weil ich diesen rechten Populismus als aufrechter Demokrat einfach nicht mittragen kann. Der Höhepunkt an derartigen Aussagen fand sich im Interview von Joachim Streit bei „Politik Backstage“, in dem er behauptete, dass es sich bei 95% der Asylbewerber um Wirtschaftsflüchtlinge handelt. Ein großer Fehler war auch, sich einzig auf die CDU als möglicher Koalitionspartner zu versteifen. Dass eine Schwarz-Orange Koalition schon rechnerisch unrealistisch ist, sollte jedem klar sein. Und so hat man sich im Grunde in unserer Wählerschaft überflüssig gemacht, denn dann wählen die Leute lieber gleich das Original.“

„Die Verantwortung für das Ergebnis dieser Landtagswahl liegt bei Joachim Streit und dem Landesvorstand, insbesondere den Vorsitzenden Christian Zöpfchen und Lisa-Marie Jeckel“, stellt Wefelscheid abschließend fest. „Wider besseren Wissens, wider meiner Bitten und Ratschläge wurde das, was ich aufgebaut und zum Erfolg geführt habe, aus Geltungssucht und Eitelkeit kaputt gemacht. Ich bin davon überzeugt, mit meinem Kurs wären wir heute wieder in den Landtag eingezogen. Mit dem gegenwärtigen rechtspopulistischen Kurs der Landespartei braucht es die FREIEN WÄHLER aber nicht mehr, das haben die Wählerinnen und Wähler heute bestätigt.“

Pressemitteilung Freie Wähler Koblenz

Stephan Wefelscheid. Foto: Sarah Reuther

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