Allgemeine Berichte | 14.06.2016

25. Symposium in Bad Neuenahr

Diabetologie in Klinik und Praxis

Moderne Diabetes-Therapie, Esskultur und Weingenuss

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Kürzlich fand im Steigenberger Kurhotel in Bad Neuenahr zum 25. Mal das Symposium“ Diabetologie in Klinik und Praxis“ statt. Diese Jubiläumsveranstaltung war mit mehr als 100 Teilnehmern sehr gut besucht , die vorwiegend aus der Region , aber auch aus Nordrhein–Westfalen und sogar aus Hamburg kamen. In Vertretung von Bürgermeister Guido Orthen begrüßte für das Heilbad der 1. Beigeordnete Detlev Koch die Teilnehmer und wünschte dem Symposium einen erfolgreichen Verlauf Er dankte den Ausrichtern und sicherte ihnen zukünftig die Unterstützung der Stadt zu , da diese Veranstaltung für den Ruf Bad Neuenahrs als Diabetes-Heilbad von unschätzbarem Wert sei. Stellvertretend für die Mitausrichter Dr. Paul-Werner Frisch und Dr. Gerhard Kreuter begrüßte Dr. Heinz Krönke die Teilnehmer . Bei den 25 Veranstaltungen hielten fast alle führenden deutschen Diabetologen Vorträge, daneben Olympiasieger und andere Prominente ,die selbst an Diabetes leiden. Auch führende Politiker waren eingeladen. Ziel der Symposien war es immer, die rasanten Fortschritte in der Diabetologie den Teilnehmern zu vermitteln und ihnen wertvolle Hilfe für die tägliche Praxis zu geben.

Moderne, individualisierte Diabetes–Therapie

Chefarzt Dr. med. Heinz J. Krönke, Kursanatorium Steigenberger Bad Neuenahr hielt einen Vortrag zum Thema "Moderne , individualisierte Diabetes – Therapie. Aktueller Stand der oralen antidiabetischen Therapie". Auf den deutschen Markt sind eine Reihe neuer Medikamente gekommen , mit deren Hilfe die diabetische Stoffwechsellage noch besser eingestellt werden kann. Zunächst waren es die DPP4-Hemmer, die die körpereigenen Darmhormone erhöhen und damit zu einer verbesserten Insulinsekretion führen. Darüber hinaus ist heute die Hemmung des Glukosetransporters SGLT2 ein neuer Therapieansatz zur Blutzuckersenkung bei Diabetes Typ 2. Die Glukoseaufnahme aus dem Primärharn in der Niere wird gehemmt, dadurch wird die Zuckerausscheidung über den Urin erhöht. Auf diese Weise wird der Blutzucker sowohl nüchtern als auch nach einer Mahlzeit gesenkt. Die neuen Medikamente reduzieren darüber hinaus Herzinfarkte, Schlaganfälle und Gesamtsterblichkeit. Diese neuen Therapieschemata und –kombinationen wurden im Vortrag eingehend behandelt. Zusammenfassend stehen heute verschiedene individuell kombinierbare Medikamente zur Therapieanpassung zur Verfügung.

Diabetes in Deutschland 2016

Dr. med. Paul-Werner Frisch , Diabetologe DDG, Oberarzt und Leiter der Diabetologie im Marienhaus Klinikum im Kreis Ahrweiler referierte danach zum Thema " Diabetes in Deutschland 2016. Sichere Therapien ….sind uns wertvoll und „ teuer“ Diabetes mellitus betrifft ca. 7 Millionen Menschen in Deutschland und stellt damit auch das Gesundheitssystem hinsichtlich der Therapiekosten vor immer neue Herausforderungen. Dr. Paul-Werner Frisch stellte in seinem Vortrag die neuesten Zahlen des Gesundheitsberichtes vor, der aufzeigt, welche medikamentösen Therapien des Diabetes aktuell möglich sind und welche Kosten hierbei entstehen. Immer deutlicher wird, dass individuelle Therapieziele für jeden Patienten festgelegt werden müssen, die einerseits eine möglichst gute Einstellung zu erreichen, andererseits aber die gefährlichen Unterzuckerungen zu vermeiden. Dr. Frisch zeigte auf , dass auch insulingestützte Therapien heute für alle Betroffenen möglich sind ohne die Gefahr einer Unterzuckerung und er bedauerte , dass einige neue innovative Medikamente aus überwiegend wirtschaftlichen Gründen in Deutschland nicht mehr verordnet werden dürfen.

Schnittstelle Kardiologie - Diabetes

PD Dr. med. Luciano Pizzulli, Chefarzt Innere Medizin – Kardiologie, Krankenhaus Maria Hilf Bad Neuenahr–Ahrweiler und St. Petrus-Krankenhaus Bonn befasste sich in seinem Vortrag mit dem Thema Schnittstelle Kardiologie – Diabetes – Von A (Antikoagulation) bis Z (Zucker). Dr. Pizzulli wies einleitend eindringlich daraufhin, dass Diabetiker Typ2 im Vergleich zu Nichtdiabetikern ein doppelt so hohes Risiko für Herzkreislauf – Erkrankungen aufweisen. Dies betreffe sowohl den Herzinfarkt als auch den Schlaganfall. Bluthochdruck, Vorhofflimmern und Nierenerkrankungen verschlechterten häufig die Prognose und schränkten die Lebenserwartung zusätzlich ein. Deshalb seien Vorsorge, Diagnostik und Therapie von Herzkreislauf–Erkrankungen beim Diabetiker besonders wichtig, denn neben der guten Blutzuckereinstellung sei die effektive Verhinderung von Gefäß-Folgeerkrankungen durch eine optimale Zusammenarbeit von Patient, Hausarzt und Kardiologen vorrangig. Normalisierung von Blutdruck und Blutfetten sowie, wenn indiziert , eine gezielte Blutverdünnung seien hier besonders bedeutsam. Nur so entwickelten sich Lebensqualität und Lebenserwartung auch beim Diabetiker so, wie seit Jahren bei uns Allen, nämlich nach oben!

Esskultur und Genuss bei Diabetes mellitus

Der Vortrag von Hans Stefan Steinheuer ,Gourmet/Sternekoch, Restaurant „Zur Alten Post", Heppingen, hatte thematisch folgende Schwerpunkte, die nicht nur für uns alle, sondern auch für den Diabetiker gelten. Esskulturelle Erziehung bereits in der Kindheit: Beginn bereits in Kindergarten und Schule. Die Kost soll hier frisch zubereitet, schmackhaft und gesund sein – auch wenn es etwas mehr kostet – und keine lieblos zubereitete Massenkost. Modelle hierfür gibt es schon. Die Kinder sollen angehalten werden, nicht ständig die überall verfügbaren Snacks, Schokoriegel, Chips und ähnliches zu konsumieren. Hierdurch entsteht Übergewicht, es wird oft die Basis für einen späteren Diabetes gelegt! Rückkehr zum eigenen Kochen mit regionalen Produkten: Kochen zu Hause und gemeinsame Mahlzeiten, zubereitet aus regionalen, saisonal – frischen Produkten. Gemeinsames Essen fördert die Kommunikation in der Familie. Bei den heutigen Massen– und Fertigprodukten ist immer wichtiger zu fragen: Was kommt woher? Wie ist die Frische? Wie die Qualität? Stefan Steinheuer mahnte eine qualitativ bessere Essensversorgung in vielen Senioreneinrichtungen an. Er sprach in seinem hochinteressanten Vortrag noch zahlreiche Themen an, so die Vielfalt von gesundem Gemüse, seine spezielle Bereitung von „Saucen", desweiteren Zucker und Brot, Weizen, er plädierte für eine neue, kreative Landwirtschaft – und dass „Großmutters Küche“ nicht vergessen werde.

55 Jahre mit Diabetes mellitus Typ 1

Referentin Merula Schaffran , Diabetesberaterin DDG, Dipl. oec. aus Wesseling referierte zum Thema "55 Jahre mit Diabetes mellitus Typ 1". „Die grundlegend positive Einstellung zum Leben, so wie es heute den Diabetikern vermittelt wird, wurde mir bereits 1961 von meinen sehr fortschrittlich und liberal denkenden Eltern vermittelt. Sie sagten mir: „ Du hast zwar Diabetes, bist aber nicht krank.“ So galt der Grundsatz, dass man auch mit Handicap Vieles schaffen kann. Damals war das natürlich viel schwieriger als heute mit den vielen technischen Hilfsmitteln. Dennoch habe ich Vieles geschafft und mein ganzes Leben mit einer positiven Einstellung gemeistert. Nur so bin ich dem Tod manchmal entkommen. Mein Motto : Positiv denken und nach vorne schauen“. Frau Schaffran, die bereits im Alter von 3 Jahren an Diabetes Typ 1 erkrankte, schilderte in einem bebilderten Vortrag höchst eindrucksvoll, wie sie trotz dieses „Handicaps" ihr Leben meisterte mit Abitur, Studium, Heirat, Geburt dreier Kinder und erfolgreicher beruflicher Laufbahn.

Diabetes und Wein

Mit dem Thema "Diabetes und Wein – Neueste Studien und alte Weisheiten" befasste sich Referent Dr. med. Gerhard Kreuter, Chefarzt a.D. Krankenhaus Maria Hilf Bad Neuenahr–Ahrweiler. Neueste Wissenschaftliche Studien bestätigen laut Dr. Kreuter eindrucksvoll frühere Ergebnisse: Moderater Weingenuss schützt vor Diabetes Typ 2 , er verbessert die Stoffwechselwerte und senkt das Risiko für Gefäßerkrankungen, insbesondere Herzinfarkt und Schlaganfall. Im 1. Lehrbuch über Diabetes „ Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung „empfiehlt der Autor und Diabetesforscher Carl von Noorden 1901 Diabetikern den Weingenuss, er erwähnt ausdrücklich auch den Ahrburgunder. Der Neuenahrer Arzt Dr. Kriege nennt 1911 die Ahrrotweine „Medizinalweine", die besonders positiv bei Diabetes wirkten.

Schlusswort

Zum Abschluss des Symposiums dankte Dr. Kreuter allen Referenten für ihre hervorragenden Vorträge. Er dankte der Stadt und der Heilbad Gesellschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler für ihre vielfältige und großzügige Unterstützung, ebenso den ausstellenden Pharma–Firmen und der Deutschen Weinakademie. Besonders galt sein Dank Herrn Dr. Heinz Krönke, der dieses Symposium 1989 gegründet hat . Dank seines unermüdlichen Engagements konnte jetzt das 25 jährige Jubiläum gefeiert werden – unterstützt von seinem Praxisteam und den Mitausrichtern Dr. Paul–Werner Frisch und Dr. Gerhard Kreuter. Dieses jährliche Symposium soll ein Zeichen setzen, dass die Tradition Bad Neuenahrs als bekanntes und anerkanntes Diabetes- und Stoffwechselbad immer wieder in Erinnerung gebracht und neu belebt wird.

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