Die Ankunft der Schwergewichte
Beim Arp Museum Bahnhof Rolandseck begann die Aufstellung von Großskulpturen des Künstlers Henry Moore
Rolandseck. Außergewöhnliche Aktivitäten vollzogen sich vor und um den Bahnhof Rolandseck. Tieflader mit großen Holzkisten und Gabelstapler drängten sich auf dem Parkplatz, wo sonst die Gäste des Arp Museums ihre PKWs abstellen. Auch die gegenüber der B9 liegenden Parkflächen waren für Besucher gesperrt. Und ein alles überragender Kran zeigte an, dass dort Schwergewichte zu bewegen waren. Kunst von Henry Moore für die kommenden Ausstellungen zum zehnten Geburtstag des Arp Museums. Zu beobachten war am Nachmittag, wie die ersten beiden von neun sehr großen Skulpturen und einer mittelgroßen an ihren jeweiligen Bestimmungsort gelangten. Neugierige konnten vor dem Bahnhof Rolandseck die Vervollständigung des Werkes „Large Reclining Figure“ verfolgen. Die „Logenplätze“ dabei hatten Freunde und Förderer des Arp Museums auf der Terrasse der ersten Bahnhofs-Etage eingenommen. Ihnen wurde passend zur Herkunft der großen Objekte, Tee und Gurken-Sandwiches gereicht. Gegen Mittag stand bereits der Torso der Figur auf dem Bahnhofsvorplatz. Mehrere Öffnungen warteten auf den Anschluss fehlender Teile. „Vorfahrt“ hatte allerdings die schwere Holzkiste mit der anderen, „Oval with Points“ betitelten Skulptur. Doch ihr Abtransport stockte, weil die Gabeln des Fronladers an einem der Stege unter der Kiste steckenblieb. Vom Kran aufs Transportfahrzeug gehievt, stand dann der Fahrt durch die Unterführung den Hang hoch bis hinter den Neubau des Arp Museums nichts mehr im Wege.
Ausstellung wird am 28 Mai eröffnet
Zur Feier des zehnten Geburtstags des Museums wird in Rolandseck wahrlich nicht gekleckert, sondern geklotzt. Am 28. Mai eröffnet die Ausstellung „Henry Moore – Vision. Creation. Obsession“ mit den Werken des Ausnahmekünstlers auf allen drei Ausstellungsebenen und im Außenbereich des Museums. Henry Moore (1898-1986) gehört zu den international wichtigsten Plastikern der Nachkriegszeit. Am Rhein beginnend wird sich die Präsentation monumentaler Werke unter bestimmten Akzentsetzungen vom Museumsvorplatz durch den Gebäudekomplex bis in den Neubau auf der Rheinhöhe ziehen. „Natürlich haben wir zu unserem Geburtstag einen besonderen Künstler eingeladen“, sagt Museumsdirektor Oliver Kornhoff. „Heute erleben wir ein Highlight“.
Die Anlieferung markiert den ersten Tag der Realisierung eines seit vier Jahre geplanten Projektes. Mit 65 Millionen Euro Versicherungswert ist es auch finanziell ein Schwergewicht. „Wir haben das Glück ein Landesmuseum zu sein, das die Ausstellung mit einer Landeshaftung absichert. Dennoch war es nicht einfach, so Kornhoff, den Zuschlag für die Leihgaben der Henry Moore Stiftung zu bekommen. „Denn eines ist klar, was bei uns steht, fehlt im Ausstellungspark von Perry Green“. Dort, rund 50 Kilometer von London entfernt, liegt Henry Moores früherer weitläufiger Wohnsitz mit Haus, Ateliers und großem Park. Das Ausstellungskonzept des Arp Museums, Moore in attraktiven Zusammenhängen neu zu beleuchten, überzeugte indes die Henry Moore Foundation und Sebastiano Barassi, Leiter der Organisation.
Seine „Schätze“ aber lässt der gelassen wirkende Barassi nicht aus dem Blick. Rund zwei Wochen wird er dabei sein, wenn Moores Kunst ihre Positionen im und um das Museum beziehen wird. Einen elementaren Beitrag dazu liefert sein Mitarbeiter James Copper, Technischer Experte und Restaurator für Skulpturen. Seitens des Arp Museums ist Andreas Grimm, Ausstellungstechniker des Arp Museums beteiligt, die Objekte sicher aufzustellen.
Nachdem die Kiste mit der Skulptur „Oval with Points“ das Feld geräumt hatte, konnte der Torso von „Large Reclining Figure“ vervollständigt werden. Der Kran nahm die Kiste mit einem weiteren Skulpturenteil an den Haken, um sie nahe dem Torso abzusetzen. Zahlreiche Schraubenlösungen später, der spannende Moment, als die Kiste geöffnet wurde. Zu sehen ist ein knochenartig geformtes Element. In Seile eingehängt schwebte es auf den Torso zu. Dort mit aller Vorsicht abgesenkt, stützten Andreas Grimm und Helfer die Skulptur, während James Copper durch eine Öffnung ins Innere kriecht um die Teile im Licht der Taschenlampe zusammenzuschrauben. Knapp eineinhalb Stunden danach hatte die große liegende Figur auch ihren abstrahierten Kopf und Oberkörper und kann schon mal die Neugier schüren auf die kommende Ausstellung.
HG
Oliver Kornhoff, Leiter des Arp Museums (l.) und Sebastiano Barassi, Kopf der englischen Henry Moore Foundation, hier mit Hans Arps Werk „Bewegtes Tanzgeschmeide“ haben die Anlieferung der Moore-Leihgaben voll im Blick.
Der Blick in die Kiste offenbart ein knochenartig geformtes Element. Foto: unknown
