Ein wenig Heimatforschung und ein wenig Semantik
Die „Bunte Kuh“ an der Ahr und ihr Umfeld in römischer Zeit
Walporzheim. Jedem Ahrtouristen wird die sogenannte „Bunte Kuh“ ein Begriff sein. Er passiert die interessante Felsformation, wenn er auf dem linken Ufer der Ahr Walporzheim hinter sich gelassen hat. Die Erklärung des ausgefallenen Flurnamenbegriffs hat inzwischen wilde Blüten getrieben, unter anderem die Gestalt des Felsens, die bei der Sprengung zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden war, musste dafür herhalten, wenn auch ohne jeden plausiblen Sinn. Dass es sich am Ort jedoch um eine sehr bedeutsame Stelle der Ahrüberquerung und deren Überwachung in römischer Zeit gehandelt haben wird, soll nachfolgend beleuchtet werden. Die Angaben, die kein Minderer, als der Heimatforscher und Historiker sowie Ehrenbürger der Stadt Ahrweiler, gemeint ist Peter Joerres im Bonner Jahrbuch 82 (1886) gemacht hatte, sollen in die Erkenntnisse der eigenen Heimatforschung bestätigend einfließen. Letztere lassen davon ausgehen, dass in spätrömischer Zeit von einem „Ahrlimes“ ausgegangen werden muss, der in Gemeinschaft mit ähnlichen Verhältnissen an der Mosel das dazwischen liegende Eifelgebiet gegen fränkische beziehungsweise alemannische Übergriffe abschirmen sollte. Die Schilderungen des römischen Autors Ammianus Marcellinus über die Kastelle Confluentes (Koblenz) und Rigomagus (Remagen) im Jahr 356 unserer Zeit sind im gleichen Sinn zu werten. Sämtliche Wegführungen durch das südliche Ahrgebirge wurden im Rahmen vieler aufmerksamer Flurbegehungen überprüft, was zu der Schlussfolgerung führte, dass alle letztendlich durch Ramersbach (übersetzt: „Römerhügel“) und anschließend durch den „Mauchert“ bis nach Mayen ihren Verlauf nahmen, was man heute noch genau rekonstruieren kann. Ungeachtet dessen, dass in jüngerer Zeit Schatzsucher im Auftrag der GDKE/Außenstelle Koblenz unterhalb des Gipfels der Bunten Kuh zahlreiche römische Münzen gefunden hatten, (Funde waren dort übrigens schon vor 1886 bekannt) konnte eruiert werden, dass eine Übergangsstelle ausgehend vom „alten Weg“ via Teufenbachtal über eine heute nicht mehr vorhandene Brücke ins Heckental von gleich vier Stellen aus observiert worden war, was die Wichtigkeit dieses Ahrübergangs unterstreicht! (Bunte Kuh, Katzenlay, Spenhardt, Fischlay). Nun etwas zum Namen „Bunte Kuh“: Peter Joerres erwägt zunächst zum Begriff „Bunte“ als Ursprung: lat. „Pons“ das heißt Brücke, Ponticulus - kleine Brücke, was ja nur zutreffend wäre, denn er erwähnt auch eine uralte Brücke, die sich einst am Ort befunden hatte. Im Zusammenhang mit „Kuh“ assoziiert er „Kau oder Ku“ mit höher gelegenen Gegenständen, so wie diese Begriffe seiner Aussage nach im Rheinischen häufiger gebraucht wurden und schließt auf eine möglicherweise römische Aussichtsstelle, eine „Specula“, mit anderen Worten einen Turm auf der Anhöhe. Meine ähnlich lautende Interpretation: Nach mittelhochdeutschem Sprachgebrauch bedeutete „kuren“ „spähend Ausschau halten“, (neuhochdeutsch: kauern, mit gleicher Bedeutung) danach wurde der Wächter „Kur“ genannt und schließlich galt der Begriff gar für den Wachtturm. (siehe Dittmaier, Rheinische Flurnamen 1963). Über die oben erwähnte Eifelregion zwischen Mosel und Ahr und deren militärische Absicherung in spätrömischer Zeit habe ich ebenfalls die Absicht, ausführlicher zu berichten. Bericht von Gerd Otto
