Allgemeine Berichte | 24.02.2022

Zehnthaus-Kolumne (17)

Die „Burg“ Odendorf

Postkarte von 1903. Fotos: Verein Zehnthaus

Odendorf/Essig. Die „Burg“ Odendorf ist nach der alten katholischen Pfarrkirche S. Petrus und Paulus das zweitälteste Gebäude Odendorfs. Es handelt sich um das Wohnhaus einer Hofanlage. Zum Hof gehörten große Ländereien rund um Odendorf. Bereits 1655 ist das Grundstück mit Aufbauten in das Rentenregister der Trierer Kartause aufgenommen worden. Nach den zu Zahlen ausgeformten Ankersplinten an der Straßenseite zu urteilen wurde die Burg in dem heutigen Umfang 1678 fertiggestellt. Es war ein repräsentatives an den Vorstellungen des ländlichen Adels ausgerichtetes Herrenhaus.

Das Bauwerk ist sehr solide. Der Unterbau besteht aus Bruchstein, aufgemauert wurde mit Backsteinen. An der Straßenseite befinden sich rechts und links des Hauses in der Hofmauer jeweils durchgiebelte Tordurchfahrten. Diese bestehen aus Drachenfelser Trachyt, aus dem auch der Kölner Dom gebaut wurde. Der Stil der Durchfahrten erinnert noch an die Renaissance, obwohl zur Bauzeit bereits der Barock vorherrschte. Der nahezu quadratische Bau des Herrenhauses wird von einem Zeltdach gedeckt. Die Abmessungen des Gebäudes waren von Anfang an durch die beiden flankierenden Mauern bestimmt.

An der Rückseite erreicht man über eine Freitreppe das barocke Portal, das mit einem Oberlicht versehen ist. An der Westecke zur Straße befindet sich ein reichhaltig ausgestatteter Saal. Die dort original erhaltene reich mit Stuck verzierte „Kölner Decke“ ist nicht nur ein historisch wertvoller Bestandteil des Hauses, sondern auch Zeugnis für die repräsentativen Ansprüche der Erbauer.

Der als Bauherr erwiesene Zweig der Familie von Sturm ist seit 1852 indirekt und seit 1922 nicht mehr im Besitz der Burg. Eine Seitenlinie dieses Zweiges ist nach wie vor mit Odendorf verbunden. Eigentümer und Bewohner folgten einer wechselvollen Geschichte. In den Notzeiten nach dem Krieg lebten bis zu 17 Familien in der als Mietwohnhaus genutzten Burg.

1970 wurden mit der Aufstellung des Bebauungsplanes „Odendorf Germanenstraße“ die noch zur Burg gehörenden vier Morgen Land in die Bebauung einbezogen. Um das zwar noch bewohnte, aber teilweise verfallene Burghaus verblieb ein Grundstück in der Straßenbreite des Burghauses in der Tiefe bis zu den neuen Grundstücken am Keltenring.

Der nördliche Torbogen ging zusammen mit dem neuen Fußweg von der Orbachstraße in das Baugebiet Germanenstraße in Gemeindeeigentum über.

Die das Restgrundstück erbenden Kinder des letzten Eigentümers sahen sich nicht in der Lage, das verfallene und letztlich nicht mehr bewohnbare Burghaus ohne durchgreifende Sanierung zu erhalten. Sie lösten sich 1974 durch Verkauf an zwei neue Eigentümer von dem belastenden Besitz. Diese restaurierten und sanierten das Gebäude in den Folgejahren bis 1981 für eigene Wohnzwecke und Mietwohnraum und veräußerten es 2004.

Heute präsentiert sich die „Burg“ Odendorf zum Orbach unverändert, während die rückwärtigen früheren Nebengebäude verloren sind. Der ursprünglich freie Blick über die Rheinbacher Börde bis zur Tomburg ist durch die Neubausiedlungen nur noch vom zweiten Obergeschoss möglich.

Die Burg hat sich bei der extremen Flut im Sommer 2021 als standfest erwiesen. Jedoch wurde neben dem überfluteten Keller auch das Erdgeschoss über dem Unterbau in Mitleidenschaft gezogen und ist zurzeit nicht bewohnbar.

In Deutschland sind ca. 750.000 Baudenkmäler registriert. Eines davon ist die Burg in der Orbachstraße 24. Die Eintragung in die Denkmalliste erfolgt 1985.

Sammlung Zehnthaus/

Dieter Spiegelhauer

www.verein-zehnthaus.de

Die „Burg“ Odendorf ist nach der alten katholischen Pfarrkirche S. Petrus und Paulus das zweitälteste Gebäude Odendorfs.

Die „Burg“ Odendorf ist nach der alten katholischen Pfarrkirche S. Petrus und Paulus das zweitälteste Gebäude Odendorfs.

Der ursprünglich freie Blick über die Rheinbacher Börde bis zur Tomburg ist durch die Neubausiedlungen nur noch vom zweiten Obergeschoss möglich.

Der ursprünglich freie Blick über die Rheinbacher Börde bis zur Tomburg ist durch die Neubausiedlungen nur noch vom zweiten Obergeschoss möglich.

Postkarte von 1903. Fotos: Verein Zehnthaus

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