Initiativkreis „Freunde der Burg“ sieht den Erhalt des historischen Erbes wie die Besitzer als gemeinsame gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Die Burg am Berg und ihr Umfeld sind keine Spielwiese für ein „urbanes Wachtberg“
Berkum. Mit großem Unverständnis haben die „Freunde der Burg“ – ein Initiativkreis von Menschen, die sich gegen die Verwandlung der Ackerflächen oberhalb von Burg Odenhausen in Berkum in ein ausgedehntes Neubaugebiet wendet – die letzten Pressemitteilungen der Fraktion der Grünen zu diesem Thema zur Kenntnis genommen. Was dort unter den Überschriften „Versachlichung“ und – nachgeschoben – „Hintergrund“ veröffentlicht wurde, liest sich wie eine Hochglanz-Immobilienwerbung und lässt keinen Zweifel daran, dass dort in jedem Fall gebaut werden soll. Es sei denn, das leidige Wasserthema erledige die Zeitenwende hin zu einem urbanerem Wachtberg aus faktischen Gründen. Die Grünen-Presseinformation fabuliert: … für ein neues Quartier geeignet wie kaum eine andere Fläche in Wachtberg“. Und im vollen Schwung vergaloppiert man sich auch noch in den Weiten des Denkmalschutzes. Der soll für die offensichtlich durch das mögliche Abschneiden der Wasserburg von ihren Zuläufen gefährdete Wasserburg offenkundig keine Rolle mehr spielen soll. Weil so liege die Burg „verborgen hinter hohen Bäumen“. Das mache den vom Burgherrn gewünschten zusätzlichen „Distanzraum“ entbehrlich.
Dabei ist dieser Distanzraum keine Idee der Burgbesitzerfamilie, die ihr Anwesen Besuchern an sieben Tage die Woche öffnet und die Sichtbarkeit der Burg durch gärtnerisches Zurückschneiden zahlreicher Bäume und Büsche wesentlich verbessert hat. „Distanzraum“ ist eine Kategorie des Denkmalschutzes, die bei Burgen eine große Rolle spielt. Auch der grüne Verweis auf die Ausführungen des vor 121 Jahren verabschiedeten Flächennutzungsplans, wonach „im Zuge eines hydrologischen Gutachtens … im März 2013 nachgewiesen werden (konnte), dass durch das Wohngebiet S 3.2 keine Beeinflussung des Wasserstandes im Burggraben zu erwarten ist“, geht ins Blaue: Ein solches Gutachten durch einen unabhängigen Sachverständigen gibt es nicht und ist bis heute nicht beauftragt – genau so wenig, wie der vor Monaten vom Ausschuss verabschiedete städtebauliche Entwicklungsvertrag bis zur Februarsitzung des Planungsausschusses unterschrieben war.
So bleibt derzeit gültig die Warnung aus dem Jahr 2012 des für Burg Odenhausen lange zuständigen Denkmalschützer des Landschaftsverbands Rheinland (LVS), Dr. Harald Herzog, der dringend von jeder Bautätigkeit oberhalb er Burg abgeraten hat. Für die „Freunde der Burg“ fühlt sich die grüne PR-Aktion für das Multimillionen-Immoblienprojekt auf fehlender Faktenbasis merkwürdig an, wenn dabei gejubelt wird - Zitat -: „Hier wird ein zukunftsweisendes Quartier entstehen!“ Auf den Boden der Tatsachen hat da den Investor wohl eher der Umstand geholt, dass, dass er zuletzt verpflichtet wurde, mit dem Abschluss des Städtebaulichen Entwicklungsvertrages ein aussagekräftiges hydrologisches Gutachten für das Baugebiet zu erstellen - nach Einschätzung des Initiativkreises insbesondere den Fragen und Bedenkenvieler Bürgern zu verdanken. Die gleiche Verbindlichkeit gilt auch der Feststellung, dass entstehende infrastrukturelle Kosten dem Investor zu übertragen sind, die mit einem derartig großen Baugebiet auf die Gemeinde zukommen, wie zum Beispiel für die Errichtung eines drei- bis viergruppigen Kindergartens. Für die Freunde der Burg ist klar: „Das muss auch im Ständebaulichen Entwicklungsvertrag festgeschrieben sein“, von dem übrigens nicht bekannt ist, ob er mittlerweile von Investor und Gemeinde Wachtberg unterschrieben wurde. Was angesichts der hochpreisigen „Filetlage“ der Grundstücke die Idee vom „bezahlbaren Wohnraum“ ad absurdum führen dürfte.
Beim ersten Treffen des Initiativkreises im neuen Jahr wurden Dr. Uwe Rieken, Herwart Weinrich, Sabine Killmann, Dr. Christof Siefahrt und Ulf Hausmanns zu einer Leitungsgruppe berufen, die in besonderem Maße von ehemaligen Wirtschaftsförderer der Gemeinde Wachtberg, Klaus Huse, unterstützt wird. Gesprochen wurde dabei über weitere Schritte, mit denen das Thema in der Öffentlichkeit möglichst vielfältig beleuchtet werden soll.
Wichtig ist dem Initiativkreis: Im Gegensatz zu den fast schon klassenkämpferischen Unterstellungen, die den Burgbesitzern die Verfolgung egoistische Interessen beim Kampf gegen das Baugebiet vorwerfen, sieht sich die Initiative in ihrem Engagement für die Burg Schulter an Schulter mit der Familie Vieten in der gemeinsamen gesamtgesellschaftlichen Verpflichtung, alles für den Erhalt der Burg wie auch der Landschaft zu tun, in die sie eingebettet ist. „Wir teilen die Auffassung der aktuellen Burgbesitzer, die wie ihre Vorbesitzer über Generationen mit enormen finanziellen Mitteln und ideellem Einsatz ein historisches Bauwerk erhalten haben und erhalten, das für den Ort Berkum wie für die Gemeinde Wachtberg insgesamt einzigartig und identitätsbildend ist. Solche Denkmäler gehören jenseits des Eigentumsbegriffs des Bürgerlichen Gesetzbuches allen Bürgern der Gemeinde mit. Diese Auffassung leben die Vietens mit ihrer weitgehenden täglichen Öffnung der Burg und der sorgsamen Pflege von Burg und Park beispielhaft vor. Von diesem gemeinsamen Engagement profitieren alle in Wachtberg“, so die Freunde der Burg. Deshalb wird die Initiative in diesem Frühjahr verstärkt die alltägliche wie auch die historischen Beziehungen zwischen der Burg und dem Umfeld, aber auch ihre Einbindung in eine hochsensible Landschaft im Umfeld des namensgebenden Wachtbergs an einem der bedeutendsten kulturellen Orte des Drachenfelser Ländchens mit geeigneten, öffentlichen Veranstaltungen verdeutlichen.“
Pressemitteilung
Freunde der Burg Odenhausen
