Allgemeine Berichte | 27.02.2024, 14:28 Uhr

Initiativkreis „Freunde der Burg“ sieht den Erhalt des historischen Erbes wie die Besitzer als gemeinsame gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Die Burg am Berg und ihr Umfeld sind keine Spielwiese für ein „urbanes Wachtberg“

Die Burg Odenhausen. Foto: Freunde der Burg Odenhausen
81

Berkum. Mit großem Unverständnis haben die „Freunde der Burg“ – ein Initiativkreis von Menschen, die sich gegen die Verwandlung der Ackerflächen oberhalb von Burg Odenhausen in Berkum in ein ausgedehntes Neubaugebiet wendet – die letzten Pressemitteilungen der Fraktion der Grünen zu diesem Thema zur Kenntnis genommen. Was dort unter den Überschriften „Versachlichung“ und – nachgeschoben – „Hintergrund“ veröffentlicht wurde, liest sich wie eine Hochglanz-Immobilienwerbung und lässt keinen Zweifel daran, dass dort in jedem Fall gebaut werden soll. Es sei denn, das leidige Wasserthema erledige die Zeitenwende hin zu einem urbanerem Wachtberg aus faktischen Gründen. Die Grünen-Presseinformation fabuliert: … für ein neues Quartier geeignet wie kaum eine andere Fläche in Wachtberg“. Und im vollen Schwung vergaloppiert man sich auch noch in den Weiten des Denkmalschutzes. Der soll für die offensichtlich durch das mögliche Abschneiden der Wasserburg von ihren Zuläufen gefährdete Wasserburg offenkundig keine Rolle mehr spielen soll. Weil so liege die Burg „verborgen hinter hohen Bäumen“. Das mache den vom Burgherrn gewünschten zusätzlichen „Distanzraum“ entbehrlich.

Dabei ist dieser Distanzraum keine Idee der Burgbesitzerfamilie, die ihr Anwesen Besuchern an sieben Tage die Woche öffnet und die Sichtbarkeit der Burg durch gärtnerisches Zurückschneiden zahlreicher Bäume und Büsche wesentlich verbessert hat. „Distanzraum“ ist eine Kategorie des Denkmalschutzes, die bei Burgen eine große Rolle spielt. Auch der grüne Verweis auf die Ausführungen des vor 121 Jahren verabschiedeten Flächennutzungsplans, wonach „im Zuge eines hydrologischen Gutachtens … im März 2013 nachgewiesen werden (konnte), dass durch das Wohngebiet S 3.2 keine Beeinflussung des Wasserstandes im Burggraben zu erwarten ist“, geht ins Blaue: Ein solches Gutachten durch einen unabhängigen Sachverständigen gibt es nicht und ist bis heute nicht beauftragt – genau so wenig, wie der vor Monaten vom Ausschuss verabschiedete städtebauliche Entwicklungsvertrag bis zur Februarsitzung des Planungsausschusses unterschrieben war.

So bleibt derzeit gültig die Warnung aus dem Jahr 2012 des für Burg Odenhausen lange zuständigen Denkmalschützer des Landschaftsverbands Rheinland (LVS), Dr. Harald Herzog, der dringend von jeder Bautätigkeit oberhalb er Burg abgeraten hat. Für die „Freunde der Burg“ fühlt sich die grüne PR-Aktion für das Multimillionen-Immoblienprojekt auf fehlender Faktenbasis merkwürdig an, wenn dabei gejubelt wird - Zitat -: „Hier wird ein zukunftsweisendes Quartier entstehen!“ Auf den Boden der Tatsachen hat da den Investor wohl eher der Umstand geholt, dass, dass er zuletzt verpflichtet wurde, mit dem Abschluss des Städtebaulichen Entwicklungsvertrages ein aussagekräftiges hydrologisches Gutachten für das Baugebiet zu erstellen - nach Einschätzung des Initiativkreises insbesondere den Fragen und Bedenkenvieler Bürgern zu verdanken. Die gleiche Verbindlichkeit gilt auch der Feststellung, dass entstehende infrastrukturelle Kosten dem Investor zu übertragen sind, die mit einem derartig großen Baugebiet auf die Gemeinde zukommen, wie zum Beispiel für die Errichtung eines drei- bis viergruppigen Kindergartens. Für die Freunde der Burg ist klar: „Das muss auch im Ständebaulichen Entwicklungsvertrag festgeschrieben sein“, von dem übrigens nicht bekannt ist, ob er mittlerweile von Investor und Gemeinde Wachtberg unterschrieben wurde. Was angesichts der hochpreisigen „Filetlage“ der Grundstücke die Idee vom „bezahlbaren Wohnraum“ ad absurdum führen dürfte.

Beim ersten Treffen des Initiativkreises im neuen Jahr wurden Dr. Uwe Rieken, Herwart Weinrich, Sabine Killmann, Dr. Christof Siefahrt und Ulf Hausmanns zu einer Leitungsgruppe berufen, die in besonderem Maße von ehemaligen Wirtschaftsförderer der Gemeinde Wachtberg, Klaus Huse, unterstützt wird. Gesprochen wurde dabei über weitere Schritte, mit denen das Thema in der Öffentlichkeit möglichst vielfältig beleuchtet werden soll.

Wichtig ist dem Initiativkreis: Im Gegensatz zu den fast schon klassenkämpferischen Unterstellungen, die den Burgbesitzern die Verfolgung egoistische Interessen beim Kampf gegen das Baugebiet vorwerfen, sieht sich die Initiative in ihrem Engagement für die Burg Schulter an Schulter mit der Familie Vieten in der gemeinsamen gesamtgesellschaftlichen Verpflichtung, alles für den Erhalt der Burg wie auch der Landschaft zu tun, in die sie eingebettet ist. „Wir teilen die Auffassung der aktuellen Burgbesitzer, die wie ihre Vorbesitzer über Generationen mit enormen finanziellen Mitteln und ideellem Einsatz ein historisches Bauwerk erhalten haben und erhalten, das für den Ort Berkum wie für die Gemeinde Wachtberg insgesamt einzigartig und identitätsbildend ist. Solche Denkmäler gehören jenseits des Eigentumsbegriffs des Bürgerlichen Gesetzbuches allen Bürgern der Gemeinde mit. Diese Auffassung leben die Vietens mit ihrer weitgehenden täglichen Öffnung der Burg und der sorgsamen Pflege von Burg und Park beispielhaft vor. Von diesem gemeinsamen Engagement profitieren alle in Wachtberg“, so die Freunde der Burg. Deshalb wird die Initiative in diesem Frühjahr verstärkt die alltägliche wie auch die historischen Beziehungen zwischen der Burg und dem Umfeld, aber auch ihre Einbindung in eine hochsensible Landschaft im Umfeld des namensgebenden Wachtbergs an einem der bedeutendsten kulturellen Orte des Drachenfelser Ländchens mit geeigneten, öffentlichen Veranstaltungen verdeutlichen.“

Pressemitteilung

Freunde der Burg Odenhausen

Die Burg Odenhausen. Foto: Freunde der Burg Odenhausen

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Imageanzeige
Dauerauftrag 2026
Steampunk-Abendmarkt "Zeitreise im Lichterglanz“
Martinsmarkt
Auftrag, Nr. AF2026.000438.0, November 2026
Anzeige Jubiläumsaktionen
Anzeige Käufmannische Sachbearbeitung Versand
Weitere Artikel
In Brogsitters Gasthaus Sanct Peter wurden die besten Ahrweine des Jahres 2026 ausgezeichnet.
1363

Siegerweine zeigen die außergewöhnliche Klasse an der Ahr

Ahrweine des Jahres 2026 ausgezeichnet

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zum 16. Mal zeichnete der Weinpreis „Ahrwein des Jahres“ die besten Weine des Anbaugebiets Ahr aus. Insgesamt 97 Weine wurden in diesem Jahr in sechs Kategorien bewertet. Die Preisverleihung fand in Brogsitters Gasthaus St. Peter in Walporzheim statt, wo Winzerinnen, Winzer und Weinfachleute zusammenkamen, um die Siegerweine zu würdigen.

Von Barbara Knieps aus Bad Neuenahr-Ahrweiler

Weiterlesen

Links: Straßenschild Rheinstraße, Mitte: Nostalgisches Bild der Rheinstraße/Vater Rhein (vom Stadtmuseum Andernach), Rechts: Frau Grafen heute
1135

Andernach. Wenn Christina Grafen von ihrer Zeit in der Andernacher Rheinstraße erzählt, klingt es fast so, als würde man für einen Moment die Musik von damals wieder hören. Tanzflächen voller Menschen, mehrere Theken, an denen die Getränke ausgeschenkt wurden, ausgelassene Stimmung und mittendrin sie – meistens hinter dem Tresen, wo es selten ruhig zuging.

Von Dilara Köksal aus Andernach

Weiterlesen

v.l.n.r.: Daniel Phiesel, Christel Engeland, Stefan Raetz, Marcel Richter, Martin Warkentin
445

Rheinbach. Die Bürgerstiftung „Wir für Rheinbach“ hat auch für 2027 wieder einen Rheinbach-Kalender herausgebracht. Die Vorstände Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel und Marcel Richter: „Der Bildkalender erfreut sich auch in der 13. Auflage großer Beliebtheit und zeigt wieder interessante Rheinbacher Motive.“ Mit Martin Warkentin hat die Bürgerstiftung erneut einen jungen Fotografen aus Rheinbach gefunden, der mit einem eigenen Blick auf die Rheinbacher Motive schaut.

Von Stefan Raetz aus Rheinbach

Weiterlesen