Allgemeine Berichte | 20.08.2019

Ein Blick in die Heimatgeschichte

Die Eifelregion zwischen Mosel und Ahr zur spätrömischen Zeit

Wurde die Region bevorzugt militärisch geschützt?

„Bunte Kuh“, ehemalige römische Posten- und Beobachtungsstelle. Fotos: privat

Bad Neuenahr. Handelt es sich bei der Eifellandschaft zwischen Mosel und Ahr um ein besonders wichtiges und daher schützenswertes Gebiet in spätrömischer Zeit? Es gibt viele interessante Begründungen, die das bestätigen. Als Julian (Apostata) im Jahr 356 unserer Zeit von seinem kaiserlicher Vetter Constantius II mit Truppen zwecks Konsolidierung der seit langer Zeit desolaten Verhältnisse, in militärischer wie auch infrastruktureller Hinsicht, an den Rhein – bis nach Köln – geschickt wurde, fand er beinahe sämtliche militärischen Anlagen zwischen Argentorate (Straßburg) und der CCAA (Köln) unbesetzt und im Verfall begriffen vor. Die Ursache ist unschwer unter anderem in den circa hundert Jahre zuvor von Truppen entblößten militärischen Großanlagen am Limes sowie längs des Rheinlimes zu suchen, was zur Folge hatte, dass nach langer Zeit relativen Friedens mit den angrenzenden Germanen nun deren vernichtende Übergriffe außer dem Dekumatenland, gemeint ist das Gebiet, welches der 550 Kilometer lange Limes einst umschloss, auch das linksrheinische Reichsgebiet verheerten. Es handelte sich dabei um marodierende Franken- und Alemannenhorden, die fortan ungestraft sengend und mordend im Reichsgebiet ihr Unwesen trieben - ihre Beutezüge sind bis nach Oberitalien beziehungsweise bis zu den Pyrenäen nachgewiesen.

Der „Barbarenschatz“ von Neuplatz kündet von solch einem Beutezug

Wie aber war es ursächlich dazu gekommen? Mit dem Jahr 224 unserer Zeit erwuchs Rom im Nahen Osten, in Mesopotamien, wo seit jeher die Grenze zwischen römischem und parthischem Staatsgebiet verlief, nun ein ebenbürtiger Gegner: Das neu gegründete persische 2. Sassanidenreich. In der Absicht der Perser, ihre damalige territoriale Ausdehnung (unter anderem bis zum Kaspischen Meer) wieder herzustellen, kam es unter dem noch jugendlichen Kaiser Severus Alexander, und unter dem Einfluss seiner Mutter Mamaea, zu andauernden Grenzstreitigkeiten und zunehmend erbitterten Kämpfen, wobei - verkürzt gesagt - von nun an die meisten Truppen vom Rhein und Limes dorthin verlegt und systematisch „verheizt“ wurden. Es fällt nicht schwer, für diese bis zum Ende der (west-) römischen Staatsmacht andauernde Phase der Auflösung die Metapher: „römisches Stalingrad“ zu finden - nämlich der Anfang vom Ende! Bevor Julian selbst in vorderster Front als Befehlshaber (nach Constantius`II Ableben nun selbst in seiner Eigenschaft als Kaiser) tödlich verwundet worden war, unklar war damals schon, ob durch einen persischen oder gar einen römischen Pfeilschuss! Fand er - es war oben ja von beinahe allen Anlagen die Rede - als Ausnahmen die Kohortenkastelle Confluentes (Koblenz) und Rigomagus (Remagen) vor, außerdem war da noch ein Turm in CCAA (Köln). Erstaunlicherweise waren es einzig diese Anlagen, in denen der alltägliche Militärbetrieb als normal und ungestört beschrieben wurde. Anstifter zur Mordtat war wahrscheinlich der verwandte Prokopius, Notar in Rom. Dies gibt zu Überlegungen Anlass, die eigentlich nur wenig ursächlichen Spielraum zulassen, wenn man bereits auf der Landkarte erkennt, welcher landschaftliche Abschnitt mit diesen Kastellen quasi als Eckpunkte, eingerahmt wurde: Die Eifel zwischen Mosel und Ahr! Da man sich vorzustellen hat, dass das nördlich des Ahrflusses gelegene riesige, in friedlicher Zeit agrarisch genutzte Gebiet von Grafschaft und Börde seit der Mitte des 3. Jahrhunderts wegen der ständigen Todesgefahr für die Ackerbau treibende Bevölkerung praktisch kaum noch dauerhaften Wert besaß, da, wie oben beschrieben, dort nirgendwo mehr eine beschützende Macht existierte, drängt sich der Eindruck auf, hier auf der Ahrlinie könnte man sich zu einer wirkungsvollen Abriegelung nach Süden entschlossen haben, denn die Voraussetzungen für einen „Ahrlimes“ waren durch die landschaftlichen Kriterien vortrefflich gegeben. Außerdem lassen viele im Ahrgebiet gemachte Beobachtungen und Entdeckungen entsprechendenden Schlussfolgerungen als Arbeitshypothese durchaus nachvollziehbar erscheinen. In diesem Sinne wurden die meisten „Hauptwege“, die nach Süden das Ahrgebirge durchqueren, auf römische bzw. römisch - verdächtige“ Spuren hin untersucht. Als besonders wichtig, außer der sogenannten „Kohlstraße“, die vom Rhein heraufzog, war die Wegführung, die man auch heute noch bei Neuenahr/Bachem beginnend und über

Mayen hinaus mit nur geringen Unterbrechungen verfolgen kann. Kaumweniger wichtig war eine Wegführung, die ins Heckental einmündete nachdem die Ahr - zwangsläufig auf einer Brücke - überquert worden war. Dass diese Wegführung von besonders großer Bedeutung gewesen sein muss, erkennt man daran, dass der Ahrübergang anscheinend aus mehreren Positionen im Umfeld der „Bunten Kuh“ bei Walporzheim observiert wurde. Landschaftliche Kriterien, Wüststellen und bezeichnende Flurnamen geben Aufschluss Über die römischen Funde, in erster Linie waren es zahlreiche Münzen, ist an anderer Stelle berichtet worden. Als auffallend erwies sich, dass sämtliche Wegführungen letzten Endes ihren Verlauf durch die Mauchertregion nehmen mussten, einem hoch gelegenen, relativ scharf umgrenzten Waldgebiet nahe Ramersbach, wo man in früherer Zeit bezeichnenderweise vom „Welschenweg“ sprach. Über die dort zahlreich entdeckten Kriterien für eine wahrscheinlich nachdrücklich in constantinischer Zeit eingerichtete verstärkte Straßenkontrolle, zumindest konnte der Betrieb bis Constantius II 337 - 361 unserer Zeit nachgewiesen werden, wurde bereits in BLICK aktuell berichtet. Es drängt sich der Eindruck auf, dass in spätrömischer Zeit möglicherweise die Absicht bestand, an einem „Ahrlimes“ der andauernden fränkischen Bedrohung Einhalt zu gebieten. Was aber in ähnlicher Weise, offenbar zur Abwehr der von Süden her drohenden alemannischen Übergriffe unternommen worden war, hat uns der preußische Ingenieur - Hauptmann August v. Cohausen überliefert, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Coblenz stationiert war. Bei seinen ausgedehnten Flurbegehungen im rheinnahen Hunsrück entdeckte er gleich zwei gestaffelte römische komplexe Abwehrsysteme, bestehend aus Wall- und Grabenanlagen, Schanzen, Kleinkastellen und sogar integrierten Geschützplattformen, über die er in den Bonner Jahrbüchern XVIII und XXVI berichtet hatte. So konnte er die in der Mitte des 19. Jahrhunderts bestimmt noch umfangreichen römischen Relikte in zwei Berichten beschreiben: a. „Die römischen Verschanzungen auf dem Hunsrücken in ihrer Beziehung zur Feste Rheinfels bei St. Goar und b. - in ihrer Beziehung zu Coblenz“. Dass mit Hilfe dieser „Verschanzungen“ den ständigen Invasionen alemannischer Banden von Süden her Einhalt geboten werden sollte, stand außer Zweifel. Ebenso lässt sich die Tatsache erklären, dass den römischen Villen im Koblenzer Stadtwald das Schicksal hunderter römischer Niederlassungen in ganz Gallien erspart blieb, erbarmungslos überfallen und niedergebrannt zu werden.

Ammianus Marcellinus berichtete über schreckliche Verhältnisse

Was aber war so viel wert, um auf diese aufwendige Weise geschützt zu werden, wo doch ansonsten Rom kaum noch Herr im eigenen Reichsgebiet war? Wenn man von der Infrastruktur ausgeht, die sich mit Sicherheit zwischen den Garnisonen am Rhein und unter anderem den landwirtschaftlichen Betrieben im Hinterland jeweils über bestimmte größere Abschnitte entwickelt hatte, so darf man seinerzeit, ähnlich wie heute, in erster Linie das Maifeld sowie die Pellenz als die „Kornkammer“, zuständig für den Abschnitt zwischen Mosel und Ahr betrachten und jeder weiß, welch hohen Stellenwert das Getreide in der alltäglichen Ernährung des römischen Militärs besaß, hier von einer regelrechten Symbiose zu sprechen, wäre gar nicht falsch. Gewiss blieb auch das Benutzen der äußerst wichtigen Fernstraßen als Transport-, Reise- und Militärwege gesichert,

gemeint sind die Verkehrswege aus dem Neuwieder Becken einerseits nach Trier, andererseits zur Maas. Keinesfalls vernachlässigen sollte man auch die Terra Sigillata-Produktion, die unter anderem in der Hochburg der TS- Fertigung, gemeint ist Rheinzabern, bereits in der Mitte des 3. Jahrhunderts, also nach dem Ende des Limes, zum Erliegen gekommen war. Dieses Keramikprodukt war, wie wir wissen, als römisches Tafelgeschirr im alltäglichen Gebrauch unentbehrlich. Bekannt ist, dass bis in die 30er Jahre des 5. Jahrhunderts wegen des Mangels an echter Terra Sigillata zwangsläufig sog. Engobeware Verwendung fand, wo immer diese noch produziert werden konnte. (Es handelt sich um ein Plagiat in den gängigen Gefäßtypen, welches aus rotem Ton mit einem glänzenden Firnisüberzug gefertigt wurde, auch „Pseudo - Sigillata“ genannt). Diese Einschränkungen musste man im Land zwischen Mosel und Ahr allerdings nicht in Kauf nehmen! Denn westlich außerhalb des Kohortenkastells Rigomagus befand sich nämlich eine Sigillata - Töpferei und zwar seit der Erweiterung des Kastells um 260/270 nunmehr innerhalb der schützenden Mauern. Vergleichbare Verhältnisse im Hauptlager Haltern/Lippe gab es bereits zur Zeit des Augustus.

Bis zur endgültigen Aufgabe des Kastells wird die TS- Produktion ohne größere Störungen verlaufen sein. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung dürfte eine römische Staatsdomäne sein, die möglicherweise am „Lacus“, dem Laacher See existierte. Was ansonsten unter anderem noch an handwerklichen Betrieben im Schutz des überwachten Gebietes arbeiten konnte, wird sich schwerlich im Detail eruieren lassen. Sicher waren es hunderte, bis heute noch unentdeckte Siedlungen und von Ammianus Marcellinus erwähnte Schanzen, Kleinkastelle und Turmanlagen des Valentinian I und wer sich ein wenig im Studium fachbezogener Literatur auskennt, zu nennen sind beispielhaft die seit 1842 alljährlich erscheinenden Bonner Jahrbücher, der ist alleine über das Ausmaß der römischen Ansiedlungen längs der Römerstraßen informiert, man denke nur an den ausgedehnten Vicus bei Nachtsheim, der nach den damaligen Fundbeschreibungen möglicherweise auch einen militärischen Hintergrund besaß und die ungezählten, überall anzutreffenden Landvillen, kleineren Wohn - und gewerblichen Ansiedlungen, die nur zum relativ geringen Teil u. a. in den Bonner Jahrbüchern bekannt geworden sind - die Dunkelziffer lässt sich hingegen kaum erahnen und es wird zukünftig nur zufälligen Entdeckungen und dem nicht zu unterschätzenden Engagement ehrenamtlicher Heimatforscher vorbehalten bleiben, mehr Licht ins Dunkel der in unserer Heimaterde noch verborgenen römischen Hinterlassenschaften zu

bringen. Gerd Otto

Terra Sigillata - Scherben F. O. Remagen, „Engobe - Ware“.

Terra Sigillata - Scherben F. O. Remagen, „Engobe - Ware“.

„Bunte Kuh“, ehemalige römische Posten- und Beobachtungsstelle. Fotos: privat

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