Holocaust-Überlebende besuchten Koblenz
Die Erinnerung weitertragen
Koblenz. Zum 31. Mal lud die Christlich-Jüdische Gesellschaft Koblenz Überlebende des Holocaust, die in Koblenz geboren sind, und/oder deren Nachfahren zu einem einwöchigen „Heimatbesuch“ ein. In diesem Jahr kamen fünf Überlebende, die von Ehepartnern oder Nachkommen begleitet wurden. Dazu auch „Kinder“ von Überlebenden aus den USA und Israel, die in Koblenz nach den Spuren ihrer Eltern suchten. Insgesamt waren es 16 Gäste aus Israel, USA, München, Frankfurt und Berlin.
Am Montag versammelten sich die Heimatbesuch-Gäste, Mitglieder der Christlich-Jüdischen Gesellschaft und der Jüdischen Kultusgemeinde zu einer gemeinsamen Gedenkfeier am Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof. Kantor Joseph Pasternak begrüßte die Überlebenden der Shoa, hieß auch die sie begleitenden Familienmitglieder der nächsten Generation willkommen. „Wir, die Generationen nach der Shoa, sollen die Erinnerung weitertragen, da es nicht mehr viele Zeitzeugen gibt“.
Und er rief allen Anwesenden den Text auf der Gedenkstelle eindringlich ins Gedächtnis: „Den Toten zur Erinnerung, den Lebenden zur Mahnung“.
Für die CJG erinnerte Pater Alban Rüttenauer an den 13. Todestag von Pater Eisenkopf an diesem Tag und sagte weiter: „Gegen (diesen) Rassenwahn wollen wir hier ein bewusstes Gegenzeichen setzen, ein Zeichen der Solidarität. Wir bestärken uns damit gegenseitig in dem Vorsatz, so zusammenzuhalten und zusammenzustehen, dass es keiner noch so großen politischen Macht, keiner noch so fanatisierten Bewegung mehr gelingen soll, Menschen, die bisher friedlich zusammengelebt haben, so gegeneinander aufzuhetzen, dass sie sich über Nacht wie Mörder und ihre Opfer gegenüberstehen. Wir bemühen uns, den Faden der Geschichte dort wieder anzuknüpfen, wo ihn in der Vergangenheit eine wahnwitzige Politik gewaltsam abgerissen hatte.“ Mit dem gesungenen „El male rachamim“, dem Gebet für die Opfer der Shoa, von Kantor Joseph Pasternak endete die Gedenkfeier.
Lea Sassoon aus Tel Aviv begeisterte mit einem Vortrag über das Leben in und mit der Wüste in Israel, ein gemeinsamer Ausflug führte auf den Spuren jüdischen Lebens an die Mosel. Der Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, lud alle Gäste zu einem gemeinsamen Mittagessen ein und berichtete von den Fortschritten in der Planung der neuen Synagoge, von weiteren Neuigkeiten aus der Stadt Koblenz und von den Bemühungen der Stadt, sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu positionieren. Der Freitag stand im Zeichen der Begegnung mit dem Freundschaftskreis Koblenz-Petah-Tikva und den ausführlichen Informationen des Fördervereins Neue Synagoge Koblenz zum Synagogen-Neubau.
