Ärztin des Gesundheitsamtes informierte über Demenz
Die Erkrankung muss verstanden werden
Viele Anlaufstellen innerhalb des Kreises
Wachtberg-Berkum. Die Demenz in den Fokus rückte das Gesundheitsamt des Rhein-Sieg-Kreises im Limbachstift in Berkum. Vor Ort hielt Dr. Anna-Helga Kern, Ärztin für Neurologie und Psychiatrie, einen Vortrag und beantwortete Fragen ihrer Zuhörer. Im Rahmen der Demenzwochen war dies eine der insgesamt über 100 Veranstaltungen innerhalb der 19 Städte und Gemeinden des Kreises. Die Anzahl der Angebote und bei dem einen oder anderen auch Erfahrungen innerhalb der Familie oder im Freundeskreis macht die Dringlichkeit der Aufklärung deutlich. Demenz ist eine der im Laufe der letzten Jahre immer häufiger gestellte Diagnose. Die Ursachen der langsam fortschreitenden, tückischen Erkrankung liegen zum einen im Alter. Die Wahrscheinlichkeit an Demenz zu erkranken liegt mit 60 Jahren knapp unter 6 Prozent. Hingegen ist im Alter von 90 Jahren bereits fast jeder zweite bis dritte Mensch in der Gesellschaft betroffen. Dabei teilen Fachleute den Oberbegriff in zwei Hauptkategorien, die mit rund zwei Dritteln der Fälle häufigste Alzheimer-Demenz und anderweitig verursachte Demenz. Während bei der Alzheimer-Demenz familiäre Häufungen beobachtet werden, sind bei den anderen Ursachen für die Erkrankung eher bereits bestehende, körperliche Gebrechen im Vordergrund. Der genetische Zusammenhang ist trotz intensiver Forschung noch nicht umfassend geklärt. Allen anderen Ursachen voran, gehen neben Alzheimer Durchblutungsstörungen, die zu einer mangelhaften Versorgung der Gehirnzellen führen und so die degenerative Erkrankung auslösen.
Das Gehirn auf trab halten
Zu diesen für viele niederschmetternden Erkenntnissen gesellt sich allerdings ein Forschungsergebnis, das hoffen lässt: Demenz kann man vorbeugen. Selbst bei beginnender Erkrankung können Verlauf und Lebensqualität für alle Beteiligten positiv beeinflusst werden. Allen Maßnahmen voran nannte Dr. Kern die Förderung der geistigen Beweglichkeit. „Halten Sie Ihr Gehirn auf Trab!“, appellierte sie eindringlich an die Zuhörer. Man habe festgestellt, dass die Krankheit wesentlich schneller voranschreite, wenn die Betroffenen geistig nicht mehr gefordert würden. Dabei müsse sich der Anspruch an den noch vorhandenen Fähigkeiten orientieren. Wer gerne Kreuzworträtsel löse, der solle das tun. Aber man müsse darauf achten, dass die Rätsel in ihrem Schwierigkeitsgrad ansteigen. Wer in der Lage ist, eine neue Sprache zu lernen, der kann auch damit einer drohenden oder wegen familiärer Häufung befürchteten Demenz vorbeugen.
Wenn diese Maßnahme auch eine der wichtigsten ist, so ist sie doch nicht die Einzige, mit der man sich der Krankheit entgegenstellen kann. Ein ebenfalls sehr wichtiger Punkt ist das soziale Miteinander. Wer sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzieht, ist deutlich gefährdeter als jemand, der aktiv am sozialen Leben teilnimmt und kommuniziert. Fatal ist beispielsweise die oft zu beobachtende soziale Isolation, in die Betroffene geraten. Das Risiko nach einer körperlichen Grunderkrankung, wie zum Beispiel einem Schlaganfall, eine schnell voranschreitende Demenz zu entwickeln, ist ungleich größer, wenn der Betroffene sozial isoliert wird oder sich selbst isoliert. Weitere Pfeiler der Vorbeugung sind körperliche Bewegung und gesunde Ernährung. Beides beeinflusst alle Körperfunktionen, vor allem die Durchblutung, günstig und führt zu einer positiven Beeinflussung der Demenz.
Verstehen und sinnvoll mit der Krankheit umgehen
Wenn es aber nun mal soweit ist und man die Krankheit nicht mehr maßgeblich aufhalten kann, dann muss man sie wenigstens verstehen, um sinnvoll mit ihr umgehen zu können. Demenz hat im Gegensatz zu der gesellschaftlich immer noch allzu oft herrschenden Meinung nichts mit Dummheit zu tun. Im Verlauf kommt es zum Verlust von geistigen und körperlichen, manchmal auch seelischen Fähigkeiten, die der Betroffene vorher hatte. Der Verlust macht auch vor der Fähigkeit, sich zeitlich oder räumlich zu orientieren nicht halt. In vielen Fällen beginnt die Demenz mit dem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. Dabei kann sich der Betroffene an emotionale Ereignisse oft deutlich besser erinnern, als an solche ohne Gefühlsbindung. Im fortgeschrittenen Stadium kann das im Extrem beispielsweise dazu führen, dass der Kranke nicht mehr weiß, ob er kurz zuvor etwas gegessen hat, das Hochzeits- oder Kommunionsmenü jedoch bis ins Detail wiedergeben kann.
Umgang und Pflege sind für die Verwandten oder Pflegepersonen oft sehr anstrengend. Bei allen Schwierigkeiten dürfe man nicht vergessen, dass viele Fähigkeiten verloren gingen, der Mensch mit seinen Empfindungen jedoch noch vollständig da sei. Deshalb ist Rücksicht, respektvoller Umgang und das ernst nehmen des Patienten immens wichtig für einen sinnvollen Umgang. Es sei sinnlos, den kranken Menschen bei Fehlern ohne Not zu korrigieren oder ihm etwas beibringen zu wollen, so Dr. Kern. Die Voraussetzungen in seinem Gehirn, etwas Neues zu lernen, schwinden mit dem Fortschreiten der Erkrankung zusehends. Der Vergleich mit einer chronologischen Karteiablage oder einer nach Themen sortierten Bibliothek ist naheliegend. Während zu Beginn der Demenz viele Informationen noch an ihrem Platz sind, geht die Ordnung im System mehr und mehr verloren und kann irgendwann auch nicht mehr hergestellt werden.
Dr. Kern weist darauf hin, dass „Demenz […] eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung und kein einzelnes medizinisches Problem“ ist. Aus diesem Grunde befasst sich das Gesundheitsamt mit dem Thema und bietet zusammen mit caritativen Trägern viele Anlaufstellen, bei denen sich Betroffene und Pflegepersonen Rat und Hilfe holen können. Eine in Wachtberg und Meckenheim bereits bekannte Einrichtung liegt gleich neben der Kirche in der Adolf-Kolping-Straße 2 in Meckenheim und nennt sich Adele. Das Kürzel steht für die Leitlinie und das Ziel der Beratung: „Mit Alzheimer und Depressionen leben lernen“. Informationen gibt es weiterhin beim Gesundheitsamt des Rhein-Sieg-Kreises, beim Bundesministerium für Gesundheit und Broschüren und Informationsschriften, die in den Beratungsstellen ausliegen.
In den Beratungsstellen finden Betroffene und Angehörige Informationen.
Demenzkranke scheitern zunehmend daran neue Informationen richtig einzuordnen und sich zu erinnern.
