Kulturkreis Dierdorf lud zur Autorenlesung mit Ulrike Puderbach - Autorin schreibt erfolgreich Kriminalromane
Die Faszination des Abstoßenden
Dierdorf. Ein Mann und eine Frau, eng umschlungen in inniger Liebe, sie begehren sich leidenschaftlich in ihrer heimlichen Beziehung. Lange bleibt ihr verbotenes Treiben unentdeckt, bis zu jener einen Nacht, in der ein Blitzlicht das Liebesnest, in dem die beiden liegen, ausleuchtet. Bis hierhin könnte es sich um einen einfachen, vielleicht sogar kitschigen Liebesroman handeln. Nicht so bei Ulrike Puderbach. Die Autorin aus Raubach, die in der Alten Schule am Damm in Dierdorf aus ihren Werken liest, versteht es, Spannung aufzubauen. Von jener Szene mit den beiden Liebenden im Bootshaus an kriecht Unheil in die Geschichte hinein. Obwohl es nur Fiktion ist, beschleicht die Zuhörer ein mulmiges Gefühl, fast schon Angst, dass bald etwas Schlimmes geschieht. Und das tut es auch.
Der Dierdorfer Kulturkreis hatte wieder eine Autorenlesung organisiert, nach Michaela Abresch, die an dem Abend ebenfalls unter den Zuhörern zusehen war, schlug nun die Krimiautorin Ulrike Puderbach ihre Bücher auf und stellte sie dem Publikum vor.
Aus der anfänglichen Romanze wurde bald eine schreckliche Bluttat. Dem einen Verbrechen folgen weitere. Lange bleibt in Ulrike Puderbachs Geschichten die Frage offen, wer zu solch gewalttätigen Exzessen fähig ist.
Ihre Leser lieben die Spannung, und genießen den Schauer, der ihnen bei der Beschreibung der blutigen Taten durch die Glieder fährt. Hinzu kommt, dass Teile der Handlungen sich so oder so ähnlich auch schon im lokalen Umfeld abgespielt haben sollen. Was Ulrike Puderbach in einem katholischen Internat in Hannover beschreibt, erinnert einige Anwesende an Gerüchte, die es vor Zeiten über ein evangelisches Internat in Dierdorf gegeben haben soll. Hier in Dierdorf ging Ulrike Puderbach übrigens auch selbst zur Schule, auf dem Martin-Butzer-Gymnasium machte sie ihr Abitur. Noch in der Mittelstufe bescheinigte ihr Deutschlehrer der jungen Schüler nur mittelmäßiges schriftstellerisches Talent. Ihr Erfolg heute beweist das Gegenteil.
Im Gespräch mit „BLICK aktuell“ erklärt Uli Puderbach die Anfänge ihrer Autorinnen-Karriere: „Mit dem Schreiben habe ich 2010 angefangen mit einem Lehrwerk für technisches Englisch im Maschinenbau. Das war für mich ein Grund dafür damit anzufangen, regelmäßig zur Frankfurter Buchmesse zu gehen. Dann habe ich, einfach weil ich es mal ausprobieren wollte, meinen ersten Roman geschrieben, der dann ziemlich lange halb fertig zu Hause rum lag. Das war ,Eiskalte Erinnerungen‘. 2015 wurde ich auf der Buchmesse gefragt, ob ich auch schon mal was geschrieben hätte. So kamen wir ins Gespräch und der Roman ist Ende 2015 erschienen. In diesem Verlag sind insgesamt vier Bände erschienen. Der Vierte ist ,Bittere Vergeltung‘, aus dem ich heute lese. Der fünfte Band erscheint am 2. August im Leinpfad-Verlag. Jedes Buch ist eine eigenständige Geschichte mit einem jeweils abgeschlossenen Fall, aber immer denselben Hauptpersonen.“
So spektakulär es in den Romanen der Ulrike Puderbach zugeht, so sachlich lebt die Autorin ihr eigenes, privates Leben mit einer Beschäftigung als technische Redakteurin im Maschinenbau-Wesen. Schon aufregender geht es da an den Wochenenden zu, wenn Uli Puderbach als Mitglied einer Rettungswagen-Besatzung zu Notfällen rast. Nicht zu vergessen ihre journalistische Tätigkeit als freie Mitarbeiterin für „BLICK aktuell“ des Krupp-Verlags.
Unter den Zuhörern des Leseabends traf man auf Lena Schmidt (29) aus Sessenhausen und Saskia Schreiber (22) aus Kleinmaischeid. Die Bücher kennen sie und haben sie schon gelesen und auch die eine oder andere Lesung schon erlebt. Kriminalromane lesen die beiden jungen Frauen am liebsten. An zweiter Stelle kommen Gruselgeschichten. Lena ist Grundschullehrerin und Saskia Psychologiestudentin. Auch das neue Buch von Ulrike Puderbach finden die beiden sehr spannende und fiebern, wie auch die anderen Gäste in der Alten Schule, mit, wer der fiese Mörder ist und was seine Beweggründe für die schrecklichen Taten sind.
Ja und so kann man sich den Beginn des neuesten Ulrike Puderbach-Romans vorstellen: Eine Frau, die fremdgeht, wird entführt und festgehalten. Ein Racheakt? Es bleibt offen, wer sich warum an ihr rächen will. Angeblich habe sie unzählige Leben zerstört und ihre Macht über Kinder schamlos ausgenutzt. Auch die Frau hat keine Ahnung, wer sie entführt hat und ihr mit dem Tode droht. Sie fühlt sich unschuldig. Auch der Leser weiß noch nicht, welchen Vergehen sie sich schuldig gemacht haben soll. Zwischendurch wechselt die Erzählerin in die Perspektive des Entführers, was aber auch nicht zur tieferen Aufklärung beiträgt.
Uli Puderbach hebt den Blick und sagt: „Das ist erst der Anfang vieler ominöser Ereignisse. Woher ich meine Ideen habe? Die besten Geschichten schreibt das Leben. Seit ich mit dem Schreiben angefangen habe, nehme ich Dinge viel bewusster wahr. Vieles, außer den Morden, habe ich selbst in meinem Umfeld erlebt.“
Der Ehemann der entführten Lehrerin Monika Antweiler sucht seine Frau in der Schule, dort weiß niemand etwas. Viele Dialoge machen das Lesen beziehungsweise zuhören lebendig, das Buch spricht eine einfache, klare Sprache. Aber es beschreibt grauenvolle Folterszenen, die im qualvollen Tod der Frau enden. Selbst da weiß der Leser noch nicht, wer dieser sadistische Täter ist. Vieles bleibt offen, das hält die Spannung. Beim Zuhören grübelt man, wie alles zusammenhängt.
Neuerscheinungen: Im August kommt Ulrike Puderbachs Kriminalroman „Mord im Eifelpark“ heraus, im Oktober das Gemeinschaftswerk „Der Vollstrecker“, gemeinsam geschrieben mit dem pensionierten Kriminalkommissar Gerhard Starke.
Auf der Frankfurter Buchmesse vor drei Jahren begann die steile Karriere der heimischen Autorin Ulrike Puderbach. Auch mit ihrem Kriminalroman „Bittere Vergeltung“ verstand sie es meisterhaft, ihr Publikum schriftstellerisch zu fesseln.
Sie lesen am liebsten Kriminalromane und Gruselgeschichten: Lena Schmidt (29) aus Sessenhausen und Saskia Schreiber (22) aus Kleinmaischeid nahmen die Gelegenheit wahr, ihrer Lieblingsautorin mal ganz nah zu kommen.
