30 Jahre Gleichstellung im Kreis Neuwied
Die Gleichstellungsarbeit hat viel erreicht und noch einiges zu tun
Kreis Neuwied. Entsprechend der Forderung von Stiftungsgeberin Johanna Loewenherz „Wir wollen Sitte und Moral, ja, aber wir wollen sie für Weib und Mann. Wir wollen Menschlichkeit für beide“, beschloss der Kreistag 1989 die Einrichtung einer Gleichstellungsstelle. Das 30-jährige Jubiläum feierte der Kreis im Roentgen Museum, auch, weil die Gleichstellungsstelle das Thema insgesamt nach vorne gebracht hat. „Heute ist die Gleichstellungsarbeit viel breiter aufgestellt“, sagte Doris Eyl-Müller und verwies zufrieden auf die Tätigkeiten und Angebote einer Vielzahl von Institutionen. Dabei hat die Gleichstellungsbeauftragte des Kreis selbst großen Verdienst an der positiven Entwicklung. „Seit 25 Jahren setzt sich Doris Eyl-Müller beharrlich und unverzagt für die Sache ein“, lobte Landrat Achim Hallerbach. Er bezeichnete sie als die treibende Kraft, die sich auch durch zermürbende Prozesse ackert. Besonders sensibel und wachsam sei Doris Eyl-Müller überall dort, wo die echte Gleichstellung noch nicht erreicht ist. Etwa bei der kommunalpolitischen Teilhabe, wo Frauen immer noch unterrepräsentiert seien. Ansonsten sei im Kreis sehr viel erreicht worden. Achim Hallerbach stellte die zahlreichen Projekte, darunter den offenen Frauentreff, den Brustkrebsmonat, den Bauernmarkt und vieles mehr, heraus. Die Frauen seien mit ihren Initiativen oft der Zeit voraus. Der Landrat nannte den „Girls Day“ als Beispiel. „Von Ihnen kann die Politik noch lernen“, schmunzelte Achim Hallerbach. Respektvoll sprach er davon, dass die Gleichstellungsbeauftragen bei Kreis, Stadt und in den Verbandsgemeinden richtig gute Netzwerkerinnen seien. Und nicht nur das, Moderatorin Birgit Bayer, die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Neuwied, stellte das Improvisationsgeschick ihrer Kolleginnen heraus. Von daher war das Programm des Festakts bewusst gewählt. Zwischen den Redebeiträgen sorgte das Improvisationstheater „Subito!“ für Musik und interaktive Unterhaltung. Eingangs seiner Begrüßung verwies Achim Hallerbach auf Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Diesem verfassungsmäßigen Auftrag unterliegen die Kommunen. Das Thema sei von gesamtgesellschaftlicher Relevanz. Das konnte Doris Eyl-Müller nur unterstreichen. Männer würden auch von der Gleichstellung profitieren. Bislang sei es überwiegend so, dass die Frauen wegen des geringeren Verdienstes die Kinderbetreuung übernehmen. Die Männer tragen die Verantwortung für die Familie und haben ein vielfach höheres Herzinfarktrisiko. Doris Eyl-Müller hat beobachtet, dass sich immer mehr Männer auf die Seite der Frauen schlagen, weil sie für sich und gesamtgesellschaftlich einen Nutzen sehen. Aber gesellschaftliche Veränderungen brauchen Zeit. Landrat Achim Hallerbach nannte Zahlen: „Frauen erhalten statistisch gesehen für die gleiche Arbeit 21 Prozent weniger Gehalt, die halbe Rente und haben ein viel höheres Armutsrisiko. In 30 Jahren Gleichstellung hat sich vieles im Landkreis Neuwied getan. Nach Änderung der Gemeindeordnung im Jahr 1994 führten zahlreiche Verbandsgemeinden ebenfalls Gleichstellungsbeauftragte ein.“
Von den Meilensteinen berichtet eine Ausstellung, die Anfang nächsten Jahres im Kreishaus zu sehen ist. Uneingeschränkt zufrieden ist Doris Eyl-Müller aber nicht. Von den Verbandsgemeinden fordert sie mehr Freistellungen und höhere Aufwandsentschädigungen für die Beauftragten. Zu dem Festakt gehörte natürlich auch der Rückblick. Cornelia Kunze war die erste Gleichstellungsbeauftragte im Kreis. Doris Eyl-Müller bescheinigte ihrer Vorgängerin eine tolle Arbeit, die ihr den Einstieg erleichtert hätte. Kunzes Motto „Für Frauen aber nicht gegen Männer“ habe dafür gesorgt, dass die Stelle im Kreishaus bereits anerkannt gewesen sei. Im Gegensatz zu anderen Kommunen, in denen Frauen für ihr Anliegen belächelt wurden, sei es in Neuwied gut gelaufen. „Weder bei Landrat Achim Hallerbach noch bei Vorgänger Rainer Kaul, gab es viel Psychoanteile“, konstatierte Doris Eyl-Müller und sprach stattdessen von einer produktiven Zusammenarbeit. Neuwied habe auch als einziger Kreis in Rheinland-Pfalz eine kommunale Frauenstiftung. Abschließend sprach die Gleichstellungsbeauftragte eine Warnung aus. Auch wenn die Parität noch weit entfernt ist, dürfe man herausragende Stellungen von Frauen nicht als selbstverständlich ansehen. Die Gefahr bestünde, dass die Uhr wieder zurückgedreht werde. FF
30 Jahre Gleichstellung im Kreis Neuwied wurde im Festsaal des Roentgen-Museums gefeiert.
Das Improvisationstheater Subito! sorgte für Musik und Unterhaltung in der Feierstunde
Seit 25 Jahren ist Doris Eyl-Müller die treibende Kraft hinter der Gleichstellung im Kreis Neuwied
Viel Spaß bereitet den Festgästen, hier dem Landtagsabgeordnete Sven Lefkowitz, das Programm.
