Heimatforscher Heiner Strauß schrieb ein Buch zum heimatbezogenen Bergbau
Die Grube Anxbach in St. Katharinen von 1519 - 1961
Recherchebuch der allerersten Güte – mit sehr vielen teils unbekannten Fotos
St. Katharinen. Wie oft bei regionalen Heimatforschern sind es gerade jene Autoren, die sich als Zugezogene intensiv mit ihrer „neuen“ Heimat beschäftigen. Dazu gehört ganz sicher der ehemalige Lehrer der berufsbildenden Schule in Linz (von 1973 - 2006), Heiner Strauß. Geboren 1941 in Dresden und 1953 mit seinen Eltern aus der ehemaligen DDR in den Westen geflohen, gelangte er nach etlichen Stationen, unter anderem nach einem Studium für das Lehramt für Geschichte und Deutsch, 1973 nach St. Katharinen. Es wurde seine neue Heimat, die er auch in den Randbereichen nach und nach facettenreich entdeckte. Sein Forscherdrang und seine tiefgehenden Recherchearbeiten bei seinen Publikationen zur Heimatgeschichte garantieren stets informative Lesestunden.
Neben seinem Hobby als leidenschaftlicher Gärtner und seinen vielen Besuchen bei seinen zwei Kindern und Enkelkindern bleibt die regionale Geschichte aber sein besonderes Steckenpferd. Neben seinen zahlreich publizierten Arbeiten, unter anderem in den jährlich erscheinenden Heimat-Jahrbüchern des Kreises Neuwied, sowie seinen Büchern, wie dem 400-seitigen „Fest- und Heimatbuchs „St. Katharinen 1988“, legte der umtriebige und weiterhin wissbegierige Heiner Strauß nun ein weiteres Buch zur „Grube Anxbach (1591 - 1961), des Bergbau- und Hüttenbetriebes in St. Katharinen“, vor. Seit 1988 beschäftigte er sich mit dem regionalen Bergbau, intensiv zur Erstellung seines neuen Werks „Grube Anxbach“, seit nunmehr drei Jahren. Dazu suchte er unter anderem sieben Archive auf, und sammelte so wertvolle Mosaiksteinchen, die er mit weiteren regionalen historischen Fakten nun in einem beachtenswerten 100-seitigen Buch zusammenfasste. Hervorzuheben ist auch die ausgezeichnete Druckqualität, insbesondere die vielen aufbereiteten hochqualitativen Fotos und Skizzen mit einer enormen Detailgenauigkeit.
Von der Erzgrube Anxbach sind noch einige Abbauhalden sowie Mauerreste der Anxbacher Hütte sowie Reste der Pochwerke vorhanden. Hinweistafeln zum lokalen Bergbau gibt es bereits im Anxbachtal sowie in Hargarten. Der sehr gewissenhaft arbeitende beflissene Heimatforscher würde gern verstärkt auf die bewegte und seinerzeit bedeutsame Bergbaugeschichte von St. Katharinen hinweisen: Zum anderen könnte man auch einzelne Bereich der Grube freilegen, ergänzt der Autor. So waren Anfang des 19. Jahrhunderts noch acht Gruben in Betrieb, dies mit ihren Stollen mit einer Tiefe von gut 400 Metern. Nach dem Jahr 1945 waren noch gut 100 Arbeiter in und an der Grube im Einsatz. Für die einst als arm bekannte Region auf der Höhe um St. Katharinen, bot die Arbeit in der Grube, dies unter schwersten körperlichen Bedingungen, ein gutes finanzielles Zubrot, um die Familien zu ernähren. Auf die große Bedeutung der Grube Anxbach würde Heiner Strauß auch durch vorhandene Exponate hinweisen wollen, seien es Erzproben, Grubenlampen, Werkzeuge oder sogar ein Erzwagen. Hier müsste sich jedoch auch die Gemeinde St. Katharinen mit einbringen, auch um die Bürger für ihre jahrhundertalte Bergbaugeschichte weiter zu sensibilisieren. Ein sehr guter Einstieg dazu ist sicher das Buch zur „Grube Anxbach, das Eisen-Blei-Zink- und Kupfererz-Bergwerk bei Lohrscheid“, einst zum Bergrevier Wied der Rheinprovinz gehörend.
So beschreibt Heiner Strauß in 12 Kapiteln die Geschichte ab 1519 mit dem Beginn des Berg- und Hüttenbetriebes, auch mit vielen Fakten über die wechselvolle Geschichte der Besitzer, unter anderem Wilhelm Steffens, über die Gesellschaft Lafitte & Blouet, bis hin zur Phönix AG Bergbau- und Hüttengesellschaft 1858 - 1924 und der Siegerland AG von 1954 - 1960.
Insgesamt zählte die Grube „Anxbach“ 20 Besitzer und Eigentümer. Ab dem Jahr 1519 war die Grube zuerst im Staatsbesitz der Kurfürsten zu Köln, danach folgten weitere Belehnungen. Die vielen technischen und handwerklichen Abläufe in den Gruben und Pochwerken, wo das Erz aufbereitet wurde, können in sehr verständlicher Form im neuen Buch von Heiner Strauß nachgelesen werden. Wer das ansprechende Buch in den Händen hält, wird schnell erfahren, welche unterschiedlichen Arbeitsabläufe vom Erzabbau bis hin zum Gewinnen von Zink oder Kupfer dazu gehörten. Von der sehr gut recherchierten Arbeit zeugen nicht nur die aus verschiedenen Quellen zusammen getragenen Fotos und Skizzen, sondern auch eine namentlich aufgeführte Liste der 110 Bergarbeiter der Grube Anxbach von 1937 - 1960, hier mit Quellenunterstützung von Peter Plag, Alwis Salz und Hans Weisenfels. So mancher Bürger aus St. Katharinen und der näheren Umgebung wird durchaus den Namen seines Vaters oder Großvaters wiederfinden können, der einst in den Grube Anxbach tätig war. Für diese war es damals ein harter aber lohnenswerter Nebenerwerb. Es entstand ein kombinierter „Arbeiter- und Bauern“-Stand, denn die karge Landwirtschaft auf der Linzer Höhe gab nicht für alle ausreichend zum Leben her.
Zu einem guten Autor gehört auch, dass er im Anhang all‘ jene mit Namen aufführt, die ihn bei seinen intensiven Recherarbeiten mit weiteren wichtigen Bild- und Textmaterial unterstützt haben, das war und ist für den recherchebeflissenen Heimatforscher Heiner Strauß einfach selbstverständlich, denn er will sich, bescheiden wie er ist, nicht mit „fremden Federn schmücken“.
Das in jeder Weise lesenswerte reichlich bebilderte handliche Buch „Grube Anxbach - Bergbau und Hüttenbetriebe in St. Katharinen 1519 - 1961“, Herausgeber ist die Gemeinde St. Katharinen, ist zum Preis von 12,95 Euro im Gemeindebüro St. Katharinen erhältlich.
Bergleute in der Grube Anxbach bei der Pause.
Heiner Strauß hat das Buch über die Grube Anxbach verfasst.
