Wie im Vorjahr beteiligte sich Linz am Tag der Städtebauförderung
Die Informationsveranstaltung stieß auf enormes Interesse bei den Bürgern
Sitzungssaal des Rathauses war schnell gefüllt
Linz. Mit dem Gebiet „Altstadt Linz am Rhein“ ist die Bunte Stadt am Rhein in das Bund-Länder-Förderungsprogramm „Historische Stadtbereiche“ aufgenommen worden. In einem rund einjährigen Prozess war unter Mitwirkung zahlreicher Bürger mithilfe des Bopparder Planungsbüros „Stadt-Land-plus“ ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) erarbeitet worden. „Das war für uns Grund genug, uns wie schon im Vorjahr am ‚Tag der Städtebauförderung‘ zu beteiligen“, begrüßte Stadtbürgermeister Hans Georg Faust zahlreiche interessierte Besucher im Ratsaal zu einer mehrstündigen Informationsveranstaltung, darunter auch sein Dattenberger Kollege, Dieter Runkek, und VG-Chef Hans-Günter Fischer, während der angekündigte Besuch des Unkeler Stadtbürgermeisters Gerhard Hausen möglicherweise der Parkplatzsituation wegen des Antikmarktes in der Bunten Stadt zum Opfer gefallen war.
Schon 2014 hatten sich an die 150 Immobilienbesitzer aus der Altstadt an den beiden Rundgängen durch das Sanierungsgebiet innerhalb der ehemaligen Stadtmauern beteiligt, die enorme Resonanz bei der diesjährigen Veranstaltung belegte, das Linz in Aufbruchstimmung ist.
Förderprogramm ist auf über sechs Millionen Euro angelegt
„Das Förderprogramm, dessen Modernisierungsrichtlinie wir in der Stadtratssitzung am 11. Mai ebenso beschlossen haben wie die Sanierungssatzung, ist auf insgesamt über sechs Millionen Euro angelegt. Nachdem wir als Stadt mit der Linzer Verwaltung und dem Planungsbüro unsere Aufgaben gemacht haben, wollen wir ihnen jetzt Informationen und Sanierungsratsschläge geben“, erklärte der Stadtchef.
Wichtig sei, dass die Bürger mitmachen und die Immobilienbesitzer für eigene Objekte die Verantwortung übernehmen. Angelegt ist das Förderprogramm auf zwölf Jahre. Gefördert wird nur eine umfassende Sanierung von Privatleuten in der Altstadt und das mit bis zu 30.000 Euro, in Ausnahmefällen bei Gebäuden mit besonderer städtebaulicher Bedeutung sogar mit bis zu 40 Prozent der Kosten. „Erst die Addition vieler einzelner Häuser ergibt ein schlüssiges Stadtbild. Aus diesem Grund ist die breite Beteiligung der Bevölkerung an dem Förderprogramm so wichtig“, hob Hans Georg Faust hervor.
Das unterstrich auch Norman Kranz vom Bopparder Planungsbüro. „Wir haben bei den Stadtrundgängen im Vorjahr viele Fotos gemacht, dass wir jetzt zu einem großen Mosaik zusammengesetzt haben, welches ein Gesamtbild von Linz ergibt, so wie das beim ISEK von privaten Hausbesitzern und Ratsmitgliedern, Mitarbeitern des Planungsbüros und der Verwaltung sein muss“, wies er auf die Arbeit im Ratshaus-Foyer hin, quasi als Sinnbild für die Kooperation bei der Umsetzung des ISEK.
Auch „Virtual Reality“ wurde zur Unterstützung eingesetzt
Mit dem war auch die „Virtual Reality“ auf dem Vormarsch. Mit einer App-Google Cardboard-Camera war im Vorfeld ein 360 Grad-Foto von der Mühlengasse aufgenommen worden, in das dann eine digitale Montage der Planung eingefügt worden war.
Mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille, dem Gyroskop eines Smartphones, konnten sich die Besucher dieses veränderte Foto, mit der App in eine stereoskopische Ansicht konvertiert, ansehen und so virtuell eine Vorstellung von der zukünftigen Mühlengasse machen sowie den Quartiersplatz mit dem Castenholtzbrunnen betrachten.
„Das ist natürlich nur ein Gestaltungsvorschlag, wie das Ganze aussehen könnte, aber nicht muss.
Sie als Bürger werden in konkrete Planung natürlich eingebunden. Über ihre Köpfe hinweg wird hier nicht entschieden“, hob der Stadtbürgermeister hervor.
Alte Filme entführten Zuschauer in die Vergangenheit
Nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit entführte die Filmvorführung in der oberen Etage des Rathauses, in das wie beim Filmfestival in Cannes vom Marktplatz aus ein roter Teppich führte. „Unsere Stadtarchivarin Andrea Rönz hat alte Super 8 und Sechs-Millimeter-Filme von Linz gesichtet und digitalisieren lassen, um sie dann zu einer Endlosschleife zu verknüpfen“, berichtete der Stadtchef. Schließlich dürfte beim Blick in die Zukunft die Vergangenheit nicht außer Acht, gelassen werden. So startete die Vorführung mit der Fronleichnamsprozession aus dem Jahr 1939 und dem Hochwasser, das Anfang er 40er Jahre Linz belagerte. Vergessen wurden natürlich auch nicht das Winzerfest, das vom damaligen Bürgermeister Leo Thönnissen mit einem Walzer eröffnet worden war, oder die 1100-Jahr-Feier der Bunten Stadt in 1974.
„Es ist natürlich schön, wie sich einige Linzer gefreut haben, uralte Bekannte ‚wieder getroffen‘ zu haben", so Hans Georg Faust. Deshalb seien ja auch keine Personen, Umzügen und Feste aus den Filmen herausgeschnitten worden. Im Mittelpunkt stehe aber auch bei diesen das Stadtbild. Aber der Film könne durchaus Linzer noch zusätzlich motivieren, gemeinsam die Stadt voranzubringen, für die ein Leitbild erarbeitet werden müssen, an dem sich das ISEK orientieren könne.
Dem fehlt zum endgültigen Start nur noch grünes Licht von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion. Trotzdem sind bei der Verwaltung schon erste Anträge eingereicht worden. „Die Leute stehen in den Startlöchern und warten ganz ungeduldig darauf, dass es endlich losgeht“, so der viel gefragte Norman Kratz, als ISEK-Spezialist für das Prozedere beim Stellen eines Städtebau-Förderantrags.
DL
Dichte Trauben bildeten sich an den Stellwänden mit Plänen des Sanierungsgebietes und Informationen zum Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK).
