Vertragsunterzeichnung in der Geschwister-Scholl-Hauptschule Meckenheim
Die MeGA-Erfolgsgeschichte soll fortgeschrieben werden
36 Hauptschüler unterzeichneten einen Vertrag, der ihnen beim Erfüllen der Kriterien einen Ausbildungsplatz garantiert
Meckenheim. Die „Meckenheimer Garantie für Ausbildung“ (MeGA) ist eine Erfolgsgeschichte. Seit der Premiere 2011 haben bereits 220 Schüler der Geschwister-Scholl-Hauptschule den dazugehörigen Vertrag unterzeichnet, 130 von ihnen bekamen nach dem Ende ihrer Schulzeit auch einen Ausbildungsplatz in einem Meckenheimer Unternehmen.
Auf die Vermittlungsquote von fast 60 Prozent ist nicht nur Schulleiter Peter Hauck stolz, denn sie ist etwa dreimal so hoch wie im Landesdurchschnitt. Auch Bürgermeister Bert Spilles spornte die 36 Neuntklässler, die diesmal den Vertrag unterzeichneten, noch einmal an: „Wenn Du es willst, kannst Du es schaffen. Es ist aber auch wichtig, dass Ihr Euch darauf einlasst und Euer Bestes gebt.“
Ganz ohne Anstrengung für die Schüler geht es nicht
Denn ganz ohne Anstrengung geht es für die Schüler natürlich nicht. Zwar erhält jeder Schüler der neunten Klasse die Möglichkeit, mit der Stadt, der Schule und den 40 Kooperationsunternehmen einen Vertrag zu schließen, in dem die Vermittlung eines Ausbildungsplatzes garantiert wird.
Im Gegenzug verpflichtet sich der Schüler aber auch, bestimmte Leistungen zu erbringen. So muss er einen Hauptschulabschluss nach Klasse zehn vorweisen, die Durchschnittsnote muss mindestens befriedigend sein, vor allem in den Fächern Deutsch, Mathematik und Arbeitslehre. Mangelhafte Leistungen werden ebenso wenig toleriert wie unentschuldigte Tage – auf der Habenseite können die Schüler hingegen ein positives Sozialverhalten und ein soziales Engagement verbuchen.
Auch die aktive Teilnahme am Berufsförderunterricht wird gerne gesehen, zumal die Schüler von der Schule gezielt gefördert und auf den Start ins Berufsleben vorbereitet werden. Dies geschieht allerdings schon ab der siebten Klasse, losgelöst von der Ausbildungsgarantie.
Aus einem Hauptschulabschluss etwas Gutes gemacht
„Es gibt unheimlich viele Leute in Meckenheim, die es geschafft haben, aus ihrem Hauptschulabschluss etwas wirklich Gutes zu machen“, wusste auch Kreishandwerksmeister und MeGA-Initiator Thomas Radermacher. Angesichts des demografischen Wandels werde die Chance immer größer, auch mit einem Hauptschulabschluss ein eigenes Unternehmen aufbauen und erfolgreich führen zu können.
Der Fachkräftemangel werde seiner Meinung nach immer stärker zum Vorschein kommen, und der Lehrstellenmarkt drehe sich um: Die jungen Menschen würden immer stärker umworben auch bald besser bezahlt werden als bisher. Abgesehen davon stünden jemandem nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung alle Wege offen, bis hin zum Studium.
Ermin Karahasanovic als lebendes Beispiel
Als lebendes Beispiel stellte sich Ermin Karahasanovic vor, der Anfang der 1990er Jahre als zehnjähriges Flüchtlingskind aus dem Kosovo nach Meckenheim gekommen war, an der Geschwister-Scholl-Hauptschule seinen Hauptschulabschluss abgelegt hat, nach einigen geografischen und beruflichen Umwegen in Köln auf Lehramt studiert hat und seit März als Lehrer an der Geschwister-Scholl-Hauptschule unterrichtet. „Ihr habt eine Chance, die andere junge Leute in ganz Deutschland nicht haben, also nutzt sie! Ich glaube an Euch!“
Das bestätigte auch Hauck: „Hauptschulabschluss heißt nicht Sackgasse. Wenn man sich selber hin und wieder in den Hintern tritt und etwas Sinnvolles tut, kann man schaffen, was man will. Es liegt an Euch selbst, was später mal aus Euch wird.“
Genau wie Radermacher riet auch er dazu, die angebotenen Möglichkeiten auszunutzen und in Praktika verschiedene Berufe auszuprobieren, die einem interessant erscheinen. Schließlich sei auch klar, dass zum jetzigen Zeitpunkt viele der Neuntklässler noch gar nicht wüssten, was sie später einmal machen wollten.
Bei dieser Frage seien die Schule und die teilnehmenden Betriebe aber gerne behilflich. Zumal auch sie durchaus von „MeGA“ profitieren, denn so wird auch gewährleistet, dass sie geeignete Auszubildende bekommen und somit dem Fachkräftemangel schon frühzeitig entgegenwirken.
JOST
Die Unterschrift allein ist zwar schon sehr viel wert, doch jetzt muss auch die eigene Leistung kommen. Foto: Volker Jost
