Allgemeine Berichte | 31.01.2020

Naturschutzgemeinschaft Vinxtbachtal e.V.

Die Mistel

Eine faszinierende Pflanze und zugleich eine Gefahr für unsere Obstwiesen

Schön, aber für den Baum eine Last: Die halbparasitische Mistel. Fotos: Christoph Vanberg

Waldorf. Die Laubholz-Mistel (Viscum album L.) hat sich eine wahrlich ungewöhnliche Nische ausgesucht: Hoch oben in den Bäumen thront sie ganzjährig sichtbar und meist kugelförmig mit bis zu einem Meter Durchmesser. Meist fällt sie in der Winterzeit auf, wenn unsere heimischen Laubbäume ihr Blätterkleid abgestreift haben. Als immergrüne Pflanze ist sie durchaus in der Lage mit Hilfe des Sonnenlichts Nährstoffe aufzubauen, ihre Mineralien und das Wasser aber holt sie mangels Bodenkontakt aus dem Geäst des Baumes. Sie ist ein so genannter Halbschmarotzer. Die Laubholz-Mistel ist zwar nicht auf eine Baumart spezialisiert, aber sie ist doch wählerisch. Sie bevorzugt verschiedene Laubholzarten, beispielsweise Pappeln, Linden, Robinien und Apfelbäume. Andere Baumarten werden entsprechend seltener besiedelt, verschiedene Baumarten wie die Buche gelten hingeben als „mistelfest“, d.h. sie werden nicht befallen. Die cremeweißen Beeren dienen verschiedenen Vögeln - nicht nur der Misteldrossel - als wichtige Nahrungsquelle. Die weiblichen Blüten und damit auch die Beeren befinden sich stets auf rein weiblichen, die männlichen Blütenorgane hingegen auf rein männlichen Mistelpflanzen, es herrscht also strikte Geschlechtertrennung. Zur Vermehrung bedarf es der Keimung der Beeren auf einer Wirtspflanze. Die etwa ab der Adventszeit reifen Beeren werden vielfach über Vögel verbreitet (auch über die Darmpassage), oft aber reicht einfach die Schwerkraft aus, um eine der später klebrig-schleimigen Beeren auf einem tiefer stehenden Ast keimen zu lassen. Anders als die auf Bäumen lediglich aufsitzenden Flechten und Moose sind die Misteln für ihre Wirtsbäume nicht harmlos. Sie sind Untermieter, ohne Miete zu zahlen, sie bedienen sich von den Vorräten des Baumes. Viele Misteln, die übrigens bis zu 70 Jahre alt werden können, entnehmen entsprechend viele Nährstoffe und irgendwann kann es dann zu viel sein für den Baum. Er ist ausgelaugt, leidet an Nährstoffmangel und kann hierdurch absterben. Im Feld-Obstbau früherer Zeiten wurden Misteln stets entfernt, man wollte schließlich gesunde Bäume und eine reiche Ernte. Da heute viele hochstämmige Obstbäume teils seit Jahrzehnten keine pflegende Hand mehr sehen, konnten sich die Misteln teils explosionsartig vermehren, sie befallen auch Jungbäume. Neben mangelnder oder fachlich falscher Pflege ist die Überzahl an Misteln ein Symptom für den Niedergang der ökologisch wertvollen Streuobstwiesen. Selbstverständlich bedarf es nun keines Feldzuges gegen die Mistel, ihre Eindämmung hingegen ist angeraten.

Mistel steht nicht unter Naturschutz

Entgegen häufiger Vermutungen steht die Mistel nicht unter Naturschutz. Sie darf - auf eigenen Flächen oder im Auftrag - ganzjährig beseitigt werden. Wer Misteln hingegen handeln möchte, und sei es nur auf dem Weihnachtsmarkt, der benötigt eine Genehmigung der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde.

Bereits in der Mythologie des Altertums war die Mistel eine wichtige Pflanze. Auch heute noch werden ihr verschiedene Heilwirkungen zugesprochen, die Wirksamkeit gilt aber als zumindest umstritten.

Autor: Christoph Vanberg,

Naturschutzgemeinschaft

Vinxtbachtal e.V.

Im Winter reifen die attraktiven Mistel-Beeren.

Im Winter reifen die attraktiven Mistel-Beeren.

Schön, aber für den Baum eine Last: Die halbparasitische Mistel. Fotos: Christoph Vanberg

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