4 x 11 Jahre Jugendkarneval in Höhr-Grenzhausen
Die Narren-Jugend lud zur Megashow
Die Ranzengarde Grün-Gelb, die Nachwuchsschmiede der Höhr-Grenzhäuser Narren, feierte närrisches Jubiläum
Höhr-Grenzhausen. Eigentlich sind es ja „nur“ die Nachwuchskarnevalisten, die das Progamm der Sitzungen der Ranzengarde Grün-Gelb bestreiten. Aber so mancher Veranstalter würde sich „von“ schreiben, wenn er solche Tänze, Sketche und Büttenreden aufbieten könnte. Vielleicht gaben sich die 170 kind- und jugendlichen Akteure der Sitzung am Freitagabend auch deshalb besonders viel Mühe, weil der Verein seit 4 x 11 karnevalistischen Jubiläumsjahren besteht. Jeweils bis zu 350 Zuschauer verfolgen die insgesamt drei Sitzungen der Ranzengarde (die nächsten beiden am 17. und am 25. Februar). Um an eine der begehrten Eintrittskarten zu komme, muss man sich auf eine Interessentenliste schreiben lassen und dann auf das Losglück hoffen. Für die kleinsten Vereinsmitglieder gibt es einen Kinderspiel-Nachmittag und einen Kindermaskenball am 19. Februar, der in diesem Jahr zum ersten Mal zusammen mit den Hillscheider Möhnen gefeiert wird.
Die Ranzengarde ermöglicht karnevalistisch veranlagten Kindern bereits ab dem vierten Lebensjahr eine Ausbildung in Tanz und Bühnenpräsenz. Viele bleiben bis über die Volljährigkeit hinaus in dem Verein, der 246 Mitglieder hat. Dann wechseln die „Grün-Weißen“ in andere Karnevalsvereine in Höhr-Grenzhausen. Mit neun Tanzgruppen und zwölf Reden beziehungsweise Sketchen kann die Ranzengarde ihr Programm bestücken. Um diese Fülle in einem jugendgerechten zeitlichen Rahmen abwickeln zu können, müssen die Sitzungen der Ranzengarde bereits um 18 Uhr beginnen. Schluss ist dann erst nach fünf Stunden, zwischen 23 und 24 Uhr.
Wie in ein fremdes Sonnensystem versetzt fühlten sich die Gäste in der Grau-Blau-Halle beim Auftritt der Zwischenshow-Tanzgruppe. Zu den Klängen von Science-Fiction-Filmmusiken stürmten grün-glänzende Aliens die Bühne und führten einen fantastisch-außerirdisch anmutenden Tanz auf. Einfach intergalaktisch atemberaubend. Entsprechend bejubelt wurde der Auftritt dieser Gruppe, die von Stephan und Ulrike Haas trainiert wird. Stephan Haas sagt im Gespräch mit „Blick aktuell“: „Seit 18 Jahren trainiere ich bei der Ranzengarde Grün-Gelb. Die Zwischenshow wird von 19 Mädchen im Alter zwischen 15 und 20 Jahre getanzt. Die Zwischenshow heißt so, weil sie die erste Halbzeit des Programms beendet. Ich trainiere diese Gruppe, die Schlussshow und die Große Garde als Trainerteam mit meiner Mutter schon seit vielen Jahren. Meine Mutter hat mich auch zum Karneval gebracht. Ich habe selbst 22 Jahre aktiv in diesem Verein getanzt, habe auch bei Rot-Weiß und Grau-Blau getanzt und bin aktuell auch wieder zu Grau-Blau zurückgekehrt und trainiere dort die Zwischenshow und die Schlussshow.“
Es soll immer interessant bleiben
Zum Alien-Tanz seiner Zwischenshow-Mädchen bei Grün-Weiß sagt Stephan Haas: „Wir haben versucht, in unserem Jubiläumsjahr mal etwas anderes zu zeigen. Wir wollen uns immer stetig weiterentwickeln und zu verändern, damit wir immer interessant bleiben. Deshalb ändern wir auch gerne unsere Tanzstile, um mal etwas komplett anderes zu zeigen, was hier in der Umgebung wahrscheinlich so noch nicht getanzt worden ist. Das ist ein moderner Showtanz mit vielen Effekten und schnellen Tanzkombinationen, die auch dementsprechend sehr schwer zu tanzen sind. Die Musik sind verschiedene Titel aus Alien-Filmen wie zum Beispiel Akte X, Alien 2 und Predator. Mit dem Training fangen wir in der Regel nach den Osterferien an und trainieren dann durchgehend einmal in der Woche bis Karneval.“
Mit dem Alien-Tanz war es für einige der Mädchen an diesem Abend noch nicht vorbei, sie machten noch mal mit bei der Großen Garde und anschließend beim Abschlusstanz der Schlussshow mit dem märchenhaften Thema „1001 Nacht“. Alle zusammengezählt, weibliche und männliche Tänzerinnen und Tänzer, mit Elferrat, Männerballet, und Boygroup, kann sich die Ranzengarde über 48 Mitglieder in den großen Gruppen freuen. Im Alter unter 14 Jahren gibt es neun weitere Tanzgruppen.
Das „ABC der Schadenfreude“
Zu den Aktiven im Programm - neben den Tanzgruppen - gehörten Amanda Bühler und Lea Kirst mit dem Sketch „ABC der Schadenfreude“, Moritz Kuch und Celine Wenig mit „Notruf“, Stephanie und Fabienne Günther mit „Fahrschule“, Felix Birnbach mit seiner frei vorgetragenen Rede als „Prinzensohn“ (von Prinz Roman und Prinzessin Andi), Linus Lötschert und Yannik Schulteis („Spieleexperte“), Florian Meyer und Luis Specht („Quizshow“), Liam Lötschert und Filip Birnbach („Teilchenbeschleuniger“), Henrik Klas und Daniel Hoffmann („Kajakprofis“) sowie Lana Hübner und Dustin Grieß mit „Lana Geldautomat“. Luisa Topler sang das Schlusslied „Unsere Farben, die wollen leben“ zur Melodie von „Viva la vida“ der Gruppe Coldplay.
Begeisterung bei den Zuschauern
Zuschauer am Rande der Sitzung waren begeistert von dem Dargebotenen, selbst wenn sie nicht eigenen Nachwuchs unter den Akteuren auf der Bühne hatten. So zum Beispiel Martin Schultheis aus Höhr-Grenzhausen und Christina Bergen aus Straßenhaus. Martin sagt: „Ich bin hierhin gekommen, um mal zu sehen, was der Karnevalsnachwuchs von Höhr-Grenzhausen so auf die Beine stellt. Ich fand’s super! Besonders die Tänze finde ich klasse, die sind toll einstudiert.
Auch die Sketche sind gut.“ Christina Bergen ist der Meinung: „Die Kinder haben sehr gut getanzt, wirklich alle!“ „Supergeil!“ ist die Meinung von Höhr-Grenzhausens aktueller Prinzessin Andi. Sie macht schon seit 28 Jahren Karneval mit der Ranzengarde und sagt: „Ich finde die Kinder alle supertoll, man sieht ganz tolle Tänze und ich finde die Reden und Sketche auch richtig gut. Die Kinder machen sich so viel Arbeit, das ist wirklich Wahnsinn! In Höhr-Grenzhausen müssen wir uns um den Karnevalsnachwuchs echt keine Sorgen machen!“ In dieses Lob stimmt auch Verbandsgemeinde-Bürgermeister Thilo Becker ein, der zwischen zwei Programmpunkten zu „Blick aktuell“ sagte: „Ich bin froh, dass wir die Ranzengarde Grün-Gelb haben. Sie sichert uns in unserer Karnevalshochburg Höhr-Grenzhausen und für die Vereine Rot-Weiß und Grau-Blau den Nachwuchs, und das ist gut so. Ich bin froh, dass ich selbst ein Kind von Grün-Gelb bin, hier habe ich meinen Ursprung im Karneval. Wir müssen uns keine Sorgen machen, dass wir irgendwann keinen Nachwuchs mehr haben. Es ist auch toll zu sehen, mit welchem Engagement die jungen Leute hier dabei sind. Das macht richtig Spaß!“ Die Gründung der Ranzengarde Grün-Gelb geht zurück auf eine Initiative des damals 14-jährigen Schülers Thomas Gelforth, der 1973 mit einem Brief an seine Mitschüler zur Gründung eines Jugend-Elferrats aufrief. Am 22.11.1973 wurde dann der Verein gegründet. Die erste Jugendsitzung fand bereits drei Monate Später, am 20. Februar 1974, im Vereinshaus Eintracht statt.
