Landesamt für Denkmalpflege erstellt Gutachten

Die Rheinbacher Pallottikirche wird unter Denkmalschutz gestellt

Gutachten des LVR-Experten Dr. Martin Bredenbeck sieht das Gotteshaus als wichtigen Beitrag in der reichen rheinischen Nachkriegskirchenlandschaft - Kirchenbau selbst und der Turm stehen unter Denkmalschutz

02.02.2021 - 09:36

Rheinbach. Die Rheinbacher Pallottikirche ist aus Sicht der Experten des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) ein Denkmal. Dies bestätigte das LVR-Amt für Denkmalpflege jetzt dem „BLICK aktuell“. Auch die Pallottiner als Eigentümer und die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Rheinbach seien über das Prüfergebnis informiert worden, so LVR-Pressesprecherin Birgit Parakenings. LVR-Experte Dr. Martin Bredenbeck hat ein umfassendes Gutachten dazu verfasst, das uns vorab zur Verfügung gestellt wurde.


Darin heißt es, in der reichen rheinischen Nachkriegskirchenlandschaft werde die Rheinbacher Pallottikirche als ein wichtiger Beitrag bewertet. Sie werde insgesamt als Denkmal erkannt. Zum Denkmalumfang gehören der eigentliche Kirchenbau in seiner bauzeitlich überlieferten Materialität innen und außen, der Gesamtraum mit seinem Raumeindruck, besonders auch das Betonglasband. Denkmalgeschützt sei außerdem der Turm in seiner bestehenden Form. Ob auch Teile der Innenausstattung, etwa die Kirchenbänke, unter Schutz gestellt werden, werde aktuell noch untersucht. Mögliche Optionen für verändernde Eingriffe bei einer künftigen Nutzung sollen in einem zweiten Schritt nach der Unterschutzstellung behandelt werden.


Wirft Licht auf die damalige Bildungspolitik


Mit der Planung der Pallottikirche habe Architekt Alois Möhring (Düsseldorf) 1962 oder 1963 begonnen. Die Kirchenplanung sei Teil einer Phase gewesen, in der die seit 1935 in Rheinbach ansässigen Pallottiner mit dem Neubau von Schul- und Internatsgebäuden expandierten und ihre Stellung in Rheinbach und für das Umland festigten. 1965 erhielten sie vom Land NRW die Genehmigung zum Betrieb einer „privaten Ersatzschule“ für Jungen, die gemeinsam mit dem Internat nunmehr „Vinzenz-Pallotti-Kolleg“ hieß. „Damit wirft das ausgedehnte Neubauvorhaben auch ein Licht auf die damalige Bildungspolitik in NRW, auf das Bemühen um eine Breitenbildung auch in kleineren Städten und im ländlichen Raum“, so Bredenbeck. Bei konfessionellen Trägern wie den Pallottinern erhielten die zu den Schulen gehörenden Sakralbauten eine besondere Bedeutung. Deshalb sei ihr nicht nur eine Kapelle, sondern eine veritable, gestalterisch anspruchsvolle Kirche errichtet worden. „Die Kirche ist Ausdruck der Bedeutung von Religion und Erziehung in dieser Zeit, getragen von einem kirchlichen Orden, und sie ist ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte Rheinbachs als Zeugnis des Wirkens der Pallottiner.“


Turm war ursprünglich deutlich höher geplant


Städtebaulich habe die Kirche mit ihrem Turm der Silhouette Rheinbachs damals ein weiteres Merkzeichen hinzugefügt. Der Turm sei ursprünglich deutlich höher geplant gewesen und hätte somit im Reigen der anderen Türme noch deutlicher mitgesprochen. Doch von Stadt und Landesdenkmalpflege seien in der Planungszeit Bedenken an der Turmhöhe und an seiner Gestaltung geäußert worden, und zwar gerade mit Blick auf die historischen Türme in der Stadt. Der eigentliche Kirchenbau wirke städtebaulich in die Pallottistraße hinein, halte sich aber zurück. „Seine zentralisierende Form wird von außen nicht unmittelbar deutlich, stattdessen bietet sich eine abwechslungsreiche Außengestalt der verschiedenen Mauerscheiben.“ In ihrer Bedeutung erschließe sie sich erst dem Eintretenden, worin eine bewusste Inszenierung zu sehen sei. Ohnehin liege eine wichtige städtebauliche Bedeutung darin, dass die Kirche den geistigen wie architektonischen Mittelpunkt des Pallotti-Areals markiere. In einer künftigen Neubebauung könnte ihr dieser Stellenwert wiedergegeben werden, glaubt Bredenbeck.


Qualitätvoller Vertreter des Typus Zeltkirche


Architektonische Bedeutung habe die Kirche als qualitätvoller Vertreter des Typus Zeltkirche auf zentralisierendem Grundriss. Die Zeltform sei theologisch abgeleitet, und zwar gleich mehrfach: vom alttestamentarischen Bundeszelt als „Wohnstätte Gottes im wandernden Bundesvolk“, von der „Wohnung Gottes unter den Menschen“ und aus der Volk-Gottes-Theologie des Zweiten Vatikanums. Bei der Pallottikirche ergebe sich das Zelt hauptsächlich als Innenraumerlebnis: über das freigestellte Skelett der zusammenlaufenden Betonstützen erscheine die holzverkleidete Decke gespannt. „Die sehr zeittypische Skelettbauweise ist hier anspruchsvoll zu einem raumprägenden Baldachin gesteigert, der als Mitte der zusammenlaufenden Stützen mit dem vieleckigen Betonreif sogar noch eine Andeutung eines Gewölbeschlusssteins zeigt“, so Bredenbeck. Als Fenstergestaltung wurde ein umlaufendes Betonglasband gewählt, eine Art hybride Struktur von Wand und Fenster und anspruchsvoll in der Herstellung. Diese Fenstergestaltung trage dazu bei, den Alltag außen zu halten und den Innenraum als besonderen, sozusagen störungsfreien Ort zu qualifizieren. Es trage als wesentliche Lichtquelle und Mittler zwischen Wand und Decke auch zum schwebenden Zelteindruck bei. Mit ihrer Materialität stelle die Kirche den Anschluss an die Alltagserfahrungen der damaligen Zeitgenossen her: Gerade Beton und verschiedene Formen von Backstein seien eine prägende Materialität bei zahlreichen Bauten, vom Wohnhaus über das Schwimmbad bis zur Werkshalle gewesen. „Die besondere Bedeutung der Kirche ergibt sich aus der künstlerischen Überhöhung dieser Materialien.“


Verein Viel Platz für Kultur sieht sich bestätigt


„Wir sehen uns in unserer Einschätzung bestätigt, dass die Pallottikirche auf jeden Fall ein Denkmal ist“, freut sich Ralf Eschweiler, Vorsitzender des Vereins „Viel Platz für Kultur“ (VPK). Mit dem Prüfergebnis durch das LVR-Amt für Denkmalpflege sei die erste Hürde zum Erhalt der Pallottikirche genommen. Jetzt sei die Stadt Rheinbach am Zug, damit die Pallottikirche auch offiziell ein Denkmal werde. Der VPK hatte im August 2020 bei der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Rheinbach und beim LVR-Amt für Denkmalpflege angeregt, zu prüfen, ob die Pallottikirche ein Denkmal ist. Als baulicher und geistiger Mittelpunkt des ehemaligen Vinzenz-Pallotti-Kollegs sei die Pallottikirche Erinnerungsort für die mehr als 80 Jahre währende Präsenz der Pallottinergemeinschaft in Rheinbach und Umgebung. Für Bürger der Stadt und für ehemalige Schüler des Vinzenz-Pallotti-Kollegs stelle die Kirche zudem ein Stück persönlicher Geschichte und geistiger Heimat dar.


Pallottiner wollen die Kirche dennoch nicht behalten


Zu den Auswirkungen der Unterschutzstellung auf die Pläne der Pallottiner äußerte sich Alexander Schweda, Pressesprecher der Pallottiner. Die Pallottiner hätten die Unterschutzstellung nicht beantragt. „Allerdings ist es auch unser Ziel, das Gebäude zu erhalten.“ Der Orden sei beim Ortstermin dabeigewesen und kenne das Zwischenergebnis des LVR. Man gehe daher davon aus, dass das Gebäude der Pallotti-Kirche unter Denkmalschutz gestellt wird. Die potenziellen Käufer des Restgeländes mit dem ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Alten Gymnasium müssten dieses Faktum natürlich berücksichtigen, wenn sie das Kirchengebäude zusammen mit dem Konventsgebäude erwerben wollten. „Unser Ziel ist es, Konvent- und Kirchengebäude gemeinsam zu veräußern und das Kirchengebäude zu erhalten.“ Dazu seien vier Interessenten in der engeren Auswahl, mit denen man jetzt Gespräche führe. Da es für die unentgeltliche Abgabe der Kirche unabhängig vom Restgelände kein solides Angebot gegeben habe, würden die Verhandlungen jetzt immer den gesamten Komplex umfassen. „Klar ist, dass am 6. Februar die Kirche als sakraler Ort profaniert wird. Ebenso klar ist, dass die Pallottiner sich aus Rheinbach komplett zurückziehen werden und keines der Gebäude weiter unterhalten können.“

JOST

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