Allgemeine Berichte | 18.05.2021

Jugendfeuerwehr in Zeiten von Corona

„Die Situation macht die Durchführung der Jugendarbeit sehr schwer“

Niklas Scheil nerven die vielen Einschränkungen. Fotos: Dieter Ferres

Remagen. Seit über einem Jahr ist die Jugendarbeit durch die Corona-Pandemie massiv eingeschränkt. Hiervon betroffen sind auch die Jugendfeuerwehren. Gruppenstunden in Präsenz können nur sehr unregelmäßig durchgeführt werden. Dies ist der dynamischen Lage der Pandemie geschuldet. Die Jugendfeuerwehrwarte und Betreuer ließen sich viel einfallen, um den Kontakt zu ihren Mitgliedern zu halten. WhatsApp Gruppen wurden, sofern sie nicht schon bestanden haben, eingerichtet und der Kontakt untereinander aufrechterhalten. Digitale Ausbildung war die Neuerung, die durch Corona Einzug hielt. Dennoch stieß man auch hier schnell an seine Grenzen. Mangelnde Hardware bei den Mitgliedern oder eine zu geringe Bandbreite im ländlichen Raum schränkten diese Vorhaben oft ein. Aber auch die schulischen Belastungen im Homeschooling sind für die Jugendlichen eine Herausforderung.

Wenige Tage vor der sogenannten „Bundesnotbremse“ wurde die Gelegenheit genutzt, mit einem Teil der Mitglieder der Jugendfeuerwehr Remagen ein Interview über die aktuelle Situation zu führen. Dieses Interview fand unter Einhaltung der Corona-Vorschriften und in Einzelgesprächen statt.

Jugendfeuerwehrwart Dirk Schorn: „Die aktuelle Situation macht uns die Durchführung der Jugendarbeit in der Jugendfeuerwehr sehr schwer. Nicht nur die hohe zusätzliche Verantwortung der Jugendfeuerwehrwarte und Betreuer stellen uns täglich vor neue Herausforderungen, sondern auch der Umgang mit unseren Mitgliedern. Hygienekonzepte bei den Gruppenstunden, sofern sie überhaupt durchgeführt werden können, die Einrichtung von Kleingruppen oder die Absage der Jahrestour nach Holland im vergangenen Jahr oder nach Österreich in diesem Jahr sind für unsere Mitglieder sehr schmerzhaft.“ „Für dieses Jahr wurden ebenfalls das Kreiszeltlager und die dazugehörigen Wettbewerbe abgesagt. Aber es tut einem persönlich auch weh, dass die Jugendarbeit nahezu unmöglich ist. Hier zu sitzen und die psychischen Auswirkungen bei den Jugendlichen mitzubekommen, ist hart. Das wird uns sicher „nach der Pandemie“ noch vor ganz andere Herausforderungen stellen,“ so der stellvertretende Jugendfeuerwehrwart Yannik Moser.

Das Interview wurde in lockeren Gesprächen mit den Mitgliedern der Jugendfeuerwehr geführt. Inhaltlich ging es um die Fragen: Corona, wie geht es Dir damit? Seit einem Jahr kaum noch Gruppenstunden in der Jugendfeuerwehr, was machst Du mit der zusätzlichen Zeit? Homeschooling und Jugendfeuerwehr, wie ist das für Dich? Was hältst Du von einer digitalen Ausbildung? Wie kann Dich die Jugendfeuerwehr unterstützen, was wünschst Du Dir? Was vermisst Du persönlich in der Corona-Pandemie? Wie siehst Du die Zukunft „nach Corona“? Niklas Scheil (12): „Natürlich ist es fast schon normal, aber die vielen Einschränkungen nerven einfach nur. Die Schule ist anstrengend. Man kann die Lehrer nicht direkt fragen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Im Homeschooling sitzt man den ganzen Tag und auch am Wochenende an den Aufgaben, die man von dem Lehrer bekommen hat. Mittlerweile haben sich die Aufgaben aber eingependelt. Unterstützung gibt es durch die Eltern. Ich bin aber oft allein und vermisse meine Freunde. Es ist langweilig. Etwas Abwechslung bringt das Spielen auf dem Handy. Wenn Corona vorbei ist, wünsche ich mir, dass wir wieder Löschübungen machen und Spaß bei den Gruppenstunden haben. Wichtig ist, dass wir dann wieder die Gemeinschaft stärken und zum Beispiel mal wieder einen Freizeitpark besuchen oder unsere Jahrestour nachholen.“

Sebastian Harst (16): „Es ist belastend, wenn man sich nicht mehr mit den Freunden treffen kann. Auch die Gruppenstunden in der Jugendfeuerwehr sind stark eingeschränkt. Feuerwehrwissen geht verloren und muss nach der Pandemie vielfach neu erlernt werden. Man lernt leider auch nichts Neues dazu. Aber auch wichtige Lebenszeit geht verloren. Es ist langweilig und man darf sich nicht treffen. Homeschooling ist für mich persönlich eine gute Plattform zu lernen, weil man sich die Zeit vielfach einteilen kann. Digitale Ausbildung in der Jugendfeuerwehr wäre sicherlich eine Möglichkeit, erfordert aber auch sehr viel Disziplin. Nach Corona sollten sich die Mitglieder der Jugendfeuerwehr in Gesprächen erst einmal wieder neu kennenlernen, da die Pandemie jeden verändert hat. Die Übungsaufnahme wird sicherlich auch nach der Pandemie zunächst nur mit umfangreichen Hygienekonzepten möglich sein.“

Tizian Blechen (13): „Allgemein ist es schwierig mit der Schule. Homeschooling muss organisiert sein. Viele Themenbereiche müssen ohne Lehrer oder Lehrerin eigenständig erlernt werden. Ich empfinde Homeschooling als stressig. Die Einschränkungen machen ein Treffen mit Freunden fast unmöglich, das fehlt mir sehr. Oft ist es sehr langweilig. Wir müssen aktuell ohne Jugendfeuerwehr leben. Es wäre aber auch verantwortungslos, wenn sich die Gruppen derzeit wieder komplett treffen würden. Eine Wiederaufnahme der Gruppenstunden wird es nur mit Auflagen geben können. Wir sollten uns dann aber auch erst wieder neu „kennenlernen“, da wir nicht wissen, wie Corona mit seinen Einschränkungen die Menschen verändert hat.“

Moritz Gadsch (14): Viele Hobbys, wie auch die Jugendfeuerwehr, sind durch die Corona-Maßnahmen stark eingeschränkt. Ein Treffen mit den Freunden ist kaum möglich. Mich nervt die Maskenpflicht. Ich verbringe viel mehr Zeit zu Hause, was mitunter langweilig ist. Die Langeweile versuche ich mit spielen am Handy oder ganz klassisch mit Gesellschaftsspielen mit meinen Eltern zu vertreiben. Die geringe Bandbreite macht das Homeschooling zur Herausforderung. Viele Unterlagen für die Schule müssen ausgedruckt werden. Aber was machen diejenigen, die keinen Drucker haben? Digitale Ausbildung in der Jugendfeuerwehr finde ich weniger gut. Wenn Gruppenstunden wieder möglich sind, am besten ohne Einschränkungen, freue ich mich auf die aktiven Übungen. Beim ersten Treffen sollten wir uns aber in jedem Fall über die Corona-Situation unterhalten.“

Christoph Jacob (13): „Die Corona-Einschränkungen sind mittlerweile „Normalzustand“ geworden. Ich vermisse die Treffen und den Kontakt mit meinen Freunden. Es ist eine nicht einfache Situation momentan. Ohne Lehrer sind die Lehrstoffe beim Homeschooling oft nur schwer zu verstehen. Homeschooling ist auch ein gewisser Mehraufwand. Eine digitale Ausbildung in der Jugendfeuerwehr muss in Umfang und Inhalt gut geplant werden. Wenn Gruppenstunden wieder möglich sind, sollten die Regeln, wie beispielsweise das Hygienekonzept besprochen werden. Ansonsten freue ich mich wieder auf die Übungen in der Jugendfeuerwehr.“

Björn Spors (15): „Für mich ist es schwierig, dass man nicht so viele Freunde treffen kann. Ich treffe mich manchmal mit einem Freund und wir gehen mit dem Hund spazieren. Schule ist in Präsenz einfacher. Die Schüler-Lehrer-Kommunikation fehlt und macht das Lernen schwieriger. Wenn man dann auf eine gute Internetverbindung hoffen muss, kommt oft Frust auf. Digitale Ausbildung in der Jugendfeuerwehr zusätzlich zum Homeschooling wünsche ich eher nicht. Bei der ersten Gruppenstunde müssen wir alle miteinander sprechen und uns gegenseitig informieren, wie es dem Einzelnen ergangen ist. Das stärkt die Gemeinschaft. Weiter wünsche ich mir, dass uns gesagt werden kann, wie es in der Jugendfeuerwehr weitergeht.“

Kevin Schindler (15): „Corona und seine Einschränkungen sind mittlerweile Gewohnheit geworden. Mir fehlen jedoch die Unternehmungen und dass man keine Freunde treffen kann. Ich bin sehr viel zu Hause und es ist oft langweilig. Homeschooling ist viel anstrengender, weil der direkte Kontakt zu den Lehrern fehlt. Ich muss viel Selbststudium leisten. Die digitale Ausbildung in der Jugendfeuerwehr wäre zunächst einmal ein guter Weg. Die Jugendfeuerwehr fehlt mir. Die erste Gruppenstunde erfordert ein „neues Kennenlernen“ und alle müssen erst einmal wieder komplett ankommen. Mich würde interessieren, wie es den anderen Mitgliedern in der Jugendfeuerwehr ging. Man sieht sich kaum, erst recht nicht, wenn man auf verschiedene Schulen geht.“

Insgesamt sind die Erfahrungen während der Corona-Zeit identisch. „Neben der Thematisierung, wie es mit Schulen und Kindertagesstätten weitergeht, muss auch unbedingt die Jugendarbeit bei den Verantwortlichen Berücksichtigung finden. Langweile, Frust und fehlende Perspektive werden unsere Jugendlichen noch lange beschäftigen“, so Schorn und Moser.

Björn Spors freut sich auf die ersten Gruppenstunden.

Björn Spors freut sich auf die ersten Gruppenstunden.

Kevin Schindler fehlen die Unternehmungen.

Kevin Schindler fehlen die Unternehmungen.

Niklas Scheil nerven die vielen Einschränkungen. Fotos: Dieter Ferres

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