Erftverband und Gemeinde Swisttal arbeiteten zusammen
Die Swist wird von ihren Fesseln befreit
Zweiter Bauabschnitt des Swistauenweges bei Miel wurde offiziell für den Verkehr freigegeben
Miel. Der zweite Bauabschnitt des Swistauenweges bei Miel ist jetzt fertiggestellt. Die Erste Beigeordnete Petra Kalkbrenner und Dr. Wulf Lindner, Vorstand des Erftverbandes übergaben das Teilstück zwischen Morenhoven und der Bundesstraße 56, in der Nähe der Kläranlage Miel, offiziell dem Verkehr. Auf einer Länge von fast 500 Metern wurde der bislang parallel zur Swist laufende Teerweg verlegt, er führt jetzt in einem großen Bogen um das künftige Überschwemmungsgebiet der Swistniederung herum.
Der neue Swistauenweg besitzt eine wassergebundene Decke aus Kalksteinsplit, die mit der Zeit immer fester wird. Damit wurde eine ebenso stabile wie naturnahe und für das Naturschutzgebiet angemessene Bauweise angewendet, so Projektleiter Karl-Heinz Beier vom Erftverband. Die Baukosten betragen rund 75.000 Euro, sie wurden im Rahmen des Hochwasserschutzes zu 80 Prozent vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert.
Nach der Fertigstellung soll der neu angelegte Weg in das Eigentum der Gemeinde Swisttal übergehen, die dann für die weitere Unterhaltung einstehen muss.
Radfahrer und Fußgänger müssten künftig auch diesen neuen Weg benutzen, der aber ohnehin kürzer sei als der alte, so Fachbereichsleiter Jürgen Funke von der Gemeindeverwaltung Swisttal.
Alte Holperstrecke wird zurückgebaut
Der alte, ohnehin sehr holprige Weg soll in den kommenden Wochen zurückgebaut und das Gewässer in diesem Abschnitt schrittweise renaturiert werden, so Beier weiter. So könne sich das Gewässer naturnah entwickeln und sein eigenes Bett neu gestalten, wie es weiter unten bereits seit 2010 der Fall sei. Durch die Maßnahme könne der Retentionsraum früher als ursprünglich geplant genutzt werden und trage somit wesentlich zur Verbesserung der Hochwasser-Situation entlang der Swist bei.
Diese wichtige Funktion der Swistaue habe sich bei dem Starkregenereignis im Juni bereits deutlich gezeigt, als die Swist den gesamten Hochwasserrückhalteraum geflutet habe, wodurch der Wasserstand unterhalb der Aue deutlich gesenkt worden sei, ergänzte auch Bernd Bucher, Bereichsleiter Gewässer des Erftverbandes. Bereits im ersten Bauabschnitt, der 2010 fertiggestellt worden sei, wurde die Swist auf diese Art und Weise „entfesselt“.
Dort seien mittlerweile deutliche Veränderungen sichtbar, etwa Uferabbrüche und Kiesbänke, die das Gewässer selbst entwickele. „Dadurch entstehen auch neue Landschaftsstrukturen und neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen“, freut sich Bucher.
Gelände muss modelliert werden
Doch damit die Swist bei Hochwasser in die Aue ausufern könne, müsse gleichzeitig das Gelände modelliert und Erdmassen dafür abgetragen werden. Dadurch werde Rückhalteraum am Gewässer geschaffen und die natürlichen Verhältnisse wieder hergestellt.
In den 1960er/70er Jahren sei das Flüsschen nach dem damaligen Stand der Wissenschaft begradigt und die Ufer mit Basaltsteinen befestigt worden, die nun wieder herausgerissen werden müssen, blickte Beier zurück.
Über ein Gewässermonitoring untersucht der Erftverband regelmäßig, wie sich der ökologische Zustand der Swist verändert.
Doch schon jetzt könne gesagt werden, dass dieses Projekt für eine größere Artenvielfalt in Flora und Fauna sorge und damit Vorbildcharakter für ähnliche Projekte besitze.
Nach der Renaturierung erobert sich die Swist nach und nach die Uferbereiche wieder zurück, wie hier im 2010 fertiggestellten ersten Bauabschnitt.
Sie gaben den neu angelegten Swistauenweg in der Nähe der Kläranlage Miel offiziell für den Verkehr frei (v.li.): Jürgen Funke von der Gemeindeverwaltung Swisttal, Projektleiter Karl-Heinz Beier vom Erftverband, die Erste Beigeordnete Petra Kalkbrenner, Erftverband-Vorstand Dr. Wulf Lindner und Bernd Bucher, Bereichsleiter Gewässer. Fotos: VJ
