Allgemeine Berichte | 22.01.2018

„Mörderischer“ Neujahrsempfang des VdK in Urbach

Die Wirklichkeit ist oft schrecklicher als die Fiktion

Im Haus am Hochgericht plauderte eine Krimiautorin und ein echter Ermittler der Mordkommission über Erlebtes und Erfundenes

Der neue Vorstand des VdK-Ortsverbands Urbach-Dernbach-Linkenbachstrebt Verjüngung und mehr Service für die Mitglieder an. Fotos: -KER-

Urbach. Grusel, Spannung und Gänsehaut versprach der VdK-Ortsverband Urbach-Dernbach-Linkenbach seinen Mitgliedern zum Neujahrsempfang am vergangenen Samstag im Haus am Hochgericht. Mord und Totschlag waren die Themen, über die gesprochen wurde. Im Haus am Hochgericht wurde zu Gericht gesessen über Straftäter und Opfer und Opfer, die zu Straftätern wurden. Die heimische Krimiautorin Ulrike Puderbach und der Mordkommissar im Ruhestand Gerhard Starke plauderten aus dem Nähkästchen und sorgten dafür, dass den Anwesenden bei winterlichen Außentemperaturen in dem gut geheizten Bürgerhaus kalte Schauer über den Rücken liefen.

Die Raubacher Schriftstellerin las aus ihrem jüngsten Buch „Bittere Vergeltung“. „Blinder Hass“ und „Abpfiff“ sind weitere Werke von ihr. Teilweise harte Kost, die sie ihren Lesern zumutet. Was psychopathische Mörder mit dem Messer so alles von ihren Opfern abschneiden, das ist schon haarsträubend. Aber oft nicht halb so abscheulich, wie die tatsächlich passierten Taten, über die der Ex-Kriminalhauptkommissar Gerhard Starke aus seiner Koblenzer Zeit berichtete.

Gerhard Starke erzählt aus seinem Buch „Mehr werdet ihr nicht finden“

Zuständig für Schwerstkriminalität von Adenau in der Eifel bis Westerburg im Hohen Westerwald, gibt es so ziemlich nichts an eigentlich unvorstellbaren Verbrechen, die Gerhard Starke noch nicht erlebt hat. Auch er hat zur Feder gegriffen und einiges von dem zu Papier gebracht, mit dem er beruflich zu tun hatte. So erzählte Starke von der verschwundenen jungen Frau in Brohl-Lützing, die von ihrem eigenen Cousin verspeist werden sollte. Ihre Leichenteile waren in Plastiksäcken in der Wohnung verstreut, einiges befand sich noch im Backofen, einiges war gar nicht mehr auffindbar, weil von ihrem Mörder bereits aufgegessen. „Mehr werdet ihr nicht finden!“ war eine der Aussagen des Psychopaten, der seitdem in der forensischen Abteilung der Nettegut-Klinik in Andernach untergebracht ist. „Mehr werdet ihr nicht finden“ lautete auch später der Buchtitel des Niedergeschriebenen von Gerhard Starke. Weitere seiner Werke: „Ich musste sie töten: Die Verbrechen des Dieter Zurwehme“, „Sie hat einfach nicht aufgehört“, „Die Morde von Remagen“. In einem dieser Bücher wird sich wohl auch die Geschichte finden, die Starke ebenfalls in Urbach erzählte: Von dem elfjährigen Mädchen, das am helllichten Tag in Cochem verschwand und später, Monate später, kopfüber im Wasserloch eines Schrebergartens gefunden wurde. Rachegelüste hegten die ermittelnden Beamten gegen den Vergewaltiger und Mörder des Kindes, bis sie ihm von Angesicht zu Angesicht gegenüber saßen: Ein geistig verwirrter, alkoholabhängiger Mehrfachstraftäter, dessen Verbrechen von der Justiz mit lebenslang geahndet wurden. Dass „lebenslang“ nicht unbedingt, wie vom Volksmund oft behauptet, mit 15 abgesessenen Jahren endet, mit dieser Unwahrheit räumte Starkes Lebensgefährtin auf, die als erfahrene Staatsanwältin wusste: „Das trifft nur in etwa 40 Prozent der Fälle zu. Nach 15 Jahren kann man lediglich erst einmal ein Gnadengesuch stellen.“

Der aktuelle Roman basiert auf einer wahren Geschichte

Ulrike Puderbach erklärte den Hintergrund ihrer Zusammenarbeit mit dem echten Kriminalhauptkommissar: „Wir haben uns letztes Jahr über Lesungen und Pressearbeit kennengelernt und sind ins Gespräch miteinander gekommen. Das hat dazu geführt, dass wir aktuell an einem gemeinsamen Roman arbeiten, basierend auf einer wahren Mordserie in Koblenz. Daraus ist auch die Idee entstanden, eine gemeinsame Lesung zu veranstalten unter dem Motto: Fiktion meets Reality. Ich bin nämlich schon ganz oft gefragt worden, wie man beim Schreiben auf solche Ideen kommt. Tatsächlich ist es so, dass die Kriminalfälle in der Realität oft noch viel extremer sind als in der Literatur. Was ich schreibe, ist oft nicht so brutal wie das, was Gerhard in seinem Beruf erlebt hat.“

Das bestätigt der Ex-Kommissar: „Man glaubt gar nicht, was in so manchen kranken Köpfen alles vor sich geht. Für uns Polizisten ist es gar nicht einfach, das alles zu verkraften. Ich habe mich sehr orientiert an der Rechtsmedizin. Die Obduzenten haben mir geraten, am Tatort schon dazu überzugehen, die Leiche als Sache zu betrachten. Dann kann man besser ohne Emotionen an die Ermittlungen gehen und besser objektiv denken. Trotzdem geht einem jeder Fall ganz schön an die Nieren, besonders wenn Kinder die Opfer sind. Da ist es auch schon mal erforderlich, dass wir Kollegen abends mal eine Auszeit brauchen und uns in eine Gastronomie zurückziehen, wo keiner mehr über den Fall sprechen darf. Einen Feierabend gibt es in der Mordkommission nur theoretisch.“ Mittlerweile werden die Erzählungen von Gerhard Starke sogar verfilmt und im ZDF ausgestrahlt, zu finden in der Mediathek. Noch heute wird der Kommissar und Autor Starke immer wieder „in echt“ mit der Vergangenheit konfrontiert. Vor wenigen Tagen meldete sich eine Frau bei ihm, über deren Entführung und schwere Misshandlung Starke berichtet hat. Das Opfer der damaligen Tat, 1991 in Altenkirchen, hat das Bedürfnis, die vor Jahren passierte Tat noch einmal aus ihrer Sicht zu erzählen. Auch das wird wahrscheinlich noch einmal Filmstoff werden.

VdK-Ortsverband hat einen neuen Vorstand

Mit dem „mörderischen“ Neujahrsempfang geht der VdK-Ortsverband Urbach-Dernbach-Linkenbach neue Wege mit einem neuen Vorstand. Dem steht seit einem Jahr an der Spitze Andrea Pizzato. Der Sozialverband hat 117 Mitglieder. Die Vorsitzende erwähnt die dringend notwendige Verjüngung des Vorstands, dem jetzt außer ihr noch angehören werden Carmen Rosenberg, Anette Fische, Uwe Schneider, Doris Hoffmann und Joachim Franz. Der gute Besuch am Samstag mit der Krimilesung bestätigt die Neuen in ihrer Arbeit. Die besteht sonst aus der Bearbeitung von Anfragen, wenn Menschen Probleme haben, einen Pflegedienst zu finden oder die arbeitslos wurden und ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Der VdK versteht sich als Mittler zu kompetenten Hilfestellen. Künftig soll es in jedem Ort mindestens ein Vorstandsmitglied geben, das direkt und persönlich angesprochen werden kann.

Die nächsten Termine des VdK Urbach-Dernbach-Linkenbach sind am 24. Februar die Jahreshauptversammlung im Haus an den Buchen in Dernbach, ein Themenabend mit Frau Flick vom Pflegestützpunkt Puderbach im Haus am Hochgericht, Urbach, ein Grillfest am 16. Juni in Dernbach, eine Fahrt zur Chocolaterie Coppeneur am 1. September und ein Döppekuchen-Essen im Haus am Hochgericht am 13. Oktober.

Wenn Ulrike Puderbach und Gerhard Starke ihre Bücher aufschlagen, fließt viel Blut. Die Realität sei oft viel schrecklicher als die ausgedachten Verbrechen, sagt der Ex-Mitarbeiter der Mordkommission Koblenz, Gerhard Starke.

Wenn Ulrike Puderbach und Gerhard Starke ihre Bücher aufschlagen, fließt viel Blut. Die Realität sei oft viel schrecklicher als die ausgedachten Verbrechen, sagt der Ex-Mitarbeiter der Mordkommission Koblenz, Gerhard Starke.

Der neue Vorstand des VdK-Ortsverbands Urbach-Dernbach-Linkenbach strebt Verjüngung und mehr Service für die Mitglieder an. Fotos: -KER-

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