Dreitägiger Festakt zum 50-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Rheinbach - Villeneuve lez Avignon
Die deutsch-französischen Verbindungen sind heute untrennbar
Beim Festakt wurde der Verbrüderungseid von 1969 feierlich erneuert
Rheinbach. Drei Tage lang feierten die Stadt Rheinbach und ihre Partnerstadt Villeneuve lez Avignon das 50-jährige Bestehen ihrer deutsch-französischen Städtepartnerschaft. Organisiert vom Partnerschaftsverein unter der Leitung von Hedwig Schmitt-Wojcik ging es los mit einem gemeinsamen Besuch beim Waldfest des Eifelvereins auf dem Beuelskopf. Es folgte ein Kennenlerntreffen der Ballettgruppen des TV Rheinbach und des Conservatoire de Danse aus Villeneuve zur Vorbereitung des Ballettabends. Dieser präsentierte an Samstagabend im Stadttheater ausgewählte Szenen aus der Erzählung „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry sowie das Stück „Eselshaut“. Außerdem spielte die Konzertpianistin Cosima Guelfucci aus Villeneuve in der Aula der Grundschule unter dem Motto „Musik und Poesie“ die Balladen Opus 10 von Johannes Brahms, dazwischen trug Christian Martin, Vizepräsident der Partnerschaftsvereinigung in Villeneuve, französische und deutsche Gedichte vor.
Partner sind immer enger zusammengewachsen
Höhepunkt der Feierlichkeiten war jedoch der Festakt am Samstag im Stadttheater, der musikalisch großartig untermalt wurde vom Streichorchester „Sinfonietta“ der Musikschule Voreifel unter der Leitung von Maria Kapuscinska. Bürgermeister Stefan Raetz nutzte seine Ansprache für Rückblick und Ausblick bezüglich der deutsch-französischen Jumelage, der ältesten der vier Rheinbacher Städtepartnerschaften. „Es war damals nicht ganz einfach, dass sich die ehemaligen Kriegsgegner miteinander verbündeten“, wusste er. Doch durch eine Vielzahl gemeinschaftlicher Projekte und Veranstaltungen sei man immer enger zusammengewachsen, die Partnerschaft trage mittlerweile ihre Früchte. Dabei müsse man sich stets bewusst sein, dass es nicht einfach sei, eine Städtepartnerschaft mit Leben zu füllen. Das gehe nur durch die Beteiligung möglichst vieler Menschen, deshalb dankte er allen, die bislang daran mitgewirkt hätten, für ihr unermüdliches Engagement.
Einmal mehr zeige sich, dass der von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle eingeschlagene Weg der Aussöhnung über die Partnerschaft von Städten der richtige gewesen sei, „denn die Menschen haben ihre Wohnungen, ihre Häuser und ihre Herzen geöffnet. Aus Unsicherheit und Angst entstand Neugier und Offenheit, und daraus wiederum zahlreiche Freundschaften fürs Leben, die bereits in der nächsten Generation weitergeführt werden.“ Die Partnerschaft zwischen Rheinbach und Villeneuve sei besonders von Christian Martin geprägt worden, „er ist der geborene Europäer.“ Raetz erinnerte daran, dass das Projekt vom Mitmachen lebe, deshalb stärke jedes Mitglied des Partnerschaftsvereins die deutsch-französische Völkerfreundschaft. Umso erfreulicher sei es, dass die Jugend stark in die Städtepartnerschaft mit einbezogen werde, „denn die Jugend ist die Zukunft, die Jugend ist Europa und zugleich Garant für Freiheit, Demokratie und ein aufgeschlossenes Miteinander.“
Internationaler Jugend- austausch wichtiger denn je
Sein französischer Amtskollege Bürgermeister Jean-Marc Roubaud fand: „Wer hätte vor 50 Jahren bei der Gründung der Städtepartnerschaft daran gedacht, dass wir heute gemeinsam ein solches schönes Fest feiern können.“ Gleich nutzte er die Gelegenheit, die Rheinbacher zum Gegenbesuch im kommenden Jahr in Villeneuve einzuladen. Schließlich müsse man auf dem eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. „In der heutigen Zeit ist der internationale Jugendaustausch wichtiger denn je, um den europäischen Einigungsgedanken lebendig zu halten und nachhaltig in unserer Gesellschaft zu verankern.“ Die Partnerschaft zwischen Rheinbach und Villeneuve sei stark, „wir können optimistisch in die Zukunft blicken“, fand Roubaud. „Die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich wird niemals vergehen, die Verbindungen sind mittlerweile untrennbar.“
Philippe Gallo, der Partnerschaftsvereinsvorsitzende von Villeneuve, fand es erfreulich zu sehen, wie die Partnerschaft sich entwickelt habe, und dass es möglich sei, zwei Völker miteinander zu verbrüdern, die sich noch wenige Jahrzehnte zuvor im Zweiten Weltkrieg feindlich gegenübergestanden hätten. Durch die Besuche in der jeweiligen Partnerstadt und den direkten Kontakt miteinander habe man jedoch schnell gemerkt, dass es möglich ist, Land und Leute, die Kultur und die Lebensweise des anderen kennen und achten zu lernen und gegenseitiges Vertrauen und Zuneigung aufzubauen. „Erfreulicherweise interessieren sich immer mehr Menschen für unsere Partnerschaftstreffen, mittlerweile gibt es sogar schon eine Warteliste“, sagte er unter dem Beifall der Gäste. Nach all den Jahren des gegenseitigen Kennenlernens wage er sich mittlerweile sogar, in Anlehnung an John F. Kennedy, zu behaupten: „Ich bin ein Rheinbacher.“ Das bestätigte auch Hedwig Schmitt-Wojcik vom Rheinbacher Partnerschaftsverein: „Die Partnerschaft ist sehr lebendig, jung und entwickelt sich weiter.“
Völkerfreundschaft ist keine Selbstverständlichkeit
In seiner Festrede mahnte auch der Bundestagsabgeordnete Dr. Norbert Röttgen (CDU), seines Zeichens Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages: „Die Völkerfreundschaft war lange Zeit nicht die Selbstverständlichkeit, als die sie heute erscheint, man muss sie aus der damaligen Zeit heraus würdigen.“ Damals sei die deutsch-französische Partnerschaft nicht viel mehr als eine Vision zweier großer Staatsmänner gewesen, denn in beiden Ländern lebten noch sehr viele Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges. Viele Soldaten, die noch gegeneinander gekämpft hätten, habe man ebenso von der Sinnhaftigkeit überzeugen müssen wie Familien, die in ihren Reihen Opfer der kriegerischen Auseinandersetzung zu beklagen hatten.
„Die Verwurzelung der deutsch-französischen Partnerschaft in der Gesellschaft bei der Nationen ist das Großartigste, was die beiden Länder und die beteiligten Städte gemeinsam geschaffen haben“, war Röttgen überzeugt. Das sei in der heutigen Zeit umso wichtiger, wo sich doch in den vergangenen fünf Jahren die Ordnung der Welt von Grund auf geändert habe. Die europäische Friedensordnung, von der alle gedacht hätten, sie sei für die Ewigkeit, habe letztlich nur 25 Jahre lang gehalten. Deshalb sei es heute an der Zeit, zu fragen: „Was ist die Seele Europas?“ Dazu gehörten die Menschenrechte, die Herrschaft des Rechts, die Unabhängigkeit der Gerichte und die Freiheit der Presse.
Doch die liberale Demokratie werde unter Druck gesetzt durch eine illiberale Demokratie in manchen Mitgliedsstaaten. „Der Kampf um die Seele Europas ist losgegangen, wir müssen den Kampf annehmen und gemeinsam die Zukunft gestalten.“ Im Übrigen sei Nationalismus ein Verrat an der eigenen Nation, weil er die Menschen des Schutzes eines vereinigten Europas beraube. Röttgen fand zudem, es brauche jetzt starke Nationen, die vorangingen, dazu zählte er Deutschland und Frankreich, aber auch Polen und sogar Großbritannien, selbst wenn die Briten bald nicht mehr zur Europäischen Union gehörten. Diese Länder müssten eine Führungsrolle übernehmen und die Fahne Europas in der Welt hochhalten, um die europäischen Werte zu vertreten. „Es ist an der Zeit, dass wir Verantwortung übernehmen und für unsere deutschen und europäischen Interessen selber einstehen.“
Notwendiges Werk des Friedens und des Wohlstandes
Zum Schluss trugen sich die Vorsitzenden der beiden Partnerschaftsvereine, Philippe Gallo und Hedwig Schmitt-Wojcik, in das Goldene Buch der Stadt Rheinbach ein, nachdem die beiden Bürgermeister Stefan Raetz und Jean-Marc Roubaud den ursprünglichen Verbrüderungseid vom 30. März 1969 feierlich mit ihrer Unterschrift erneuerten: „Wir, Bürgermeister von Rheinbach und Villeneuve lez Avignon, die durch freie Wahl unserer Mitbürger gewählten Bürgermeister, in der Gewissheit, den höchsten Bestrebungen und den wahren Bedürfnissen der Bevölkerung, mit der er in täglicher Beziehung stehen und deren Interessen wir zu wahren haben, zu entsprechen; im Bewusstsein, dass die westliche Kultur ihre Wiege in unseren alten Gemeinden hatte und dass der Geist der Freiheit zunächst in den Freimachungsurkunden geschrieben stand, die sie nach langem Bestreben erlangen konnten; in Anbetracht der Notwendigkeit, das Werk der Geschichte in einer erweiterten Welt fortzusetzen, dass aber diese Welt nur wahrhaft menschlich ist, wenn Menschen frei in freien Städten leben können, verpflichten uns am heutigen Tage feierlich: die ständigen Bande zwischen den Stadtverwaltungen unserer Städte zu bewahren, auf allen Gebieten den Austausch ihrer Einwohner zu unterstützen und durch eine bessere gegenseitige Verständigung das wache Gefühl der europäischen Brüderlichkeit zu fördern, unser Bestreben zu vereinigen, um mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zum Erfolg dieses notwendigen Werkes des Friedens und des Wohlstandes beizutragen, zur europäischen Einheit.“ JOST
Das Streichorchester „Sinfonietta“ der Musikschule Voreifel unter der Leitung von Maria Kapuscinska untermalte den Festakt musikalisch. Foto: Volker Jost
