Geschichte(n) aus der Bunten Stadt
Die farbenfrohe Geschichte des düsteren Pulverturms
BLICK aktuell blickt mit Andrea Rönz vom Linzer Stadtarchiv hinter die Fassaden der Bunten Stadt am Rhein
Linz. Einwohner wie Besucher genießen das historische Ambiente, das die Mauern, Straßen und Gassen der Kleinstadt am Rheinufer ausstrahlen. In Linz findet sich Alt und Neu in trauter Eintracht, das eine wohl integriert in das andere. Die Altstadt verbreitet eine entspannte Atmosphäre, die die Einwohner schätzen und die Touristen suchen. Ein Ausflug in eine andere Zeit, ohne auf die Annehmlichkeiten der Moderne zu verzichten reizt viele.
Und es ist nicht schwer, über die bekanntesten Gebäude und Plätze etwas herausfinden – Rathaus, Burg und die beiden Tore finden sich problemlos im Internet und sind auch auf Schautafeln erläutert. Andere Plätze und Gebäude verbergen ihre Geschichte hinter ihren Mauern oder sind im Laufe der Jahrhunderte aus dem Stadtbild verschwunden. BLICK aktuell wirft zusammen mit dem Linzer Stadtarchiv einen Blick auf und hinter die Mauern der geschichtsträchtigen Stadt, jenseits der üblichen Pfade.
Ganz nahe bei der Altstadt und vielen durchaus bekannt findet sich der Pulverturm. Die Straße „Am Gestade“ hinter der Bahntrasse führt direkt an dem dunkel dräuenden Turm, der die Kinder auf dem benachbarten Spielplatz zu bewachen scheint, vorbei. Wie alt dieser Turm wirklich ist, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen, was seiner mysteriösen Ausstrahlung keinen Abbruch tut. Erstmals in den Quellen taucht er um 1463/64 in den Stadtrechnungen auf.
Der düstere Turm hatte in früheren Zeiten mehrere gewichtige Aufgaben: Der Pulverturm befestigte ursprünglich die südwestliche Ecke der Stadtmauer. An der nordwestlichen Ecke übernahm diese Funktion der Turm der Burg, dann gab es noch die vier Turmtore (Rheintor, Leetor, Neutor, Grabentor) und weitere kleinere Türme, vor allem Halbschalentürme. Mit dem Bau der Stadtmauer wurde um 1320 begonnen, als Linz zur Stadt erhoben wurde. Wie die gesamte Stadtmauer ist auch der Turm aus Basaltquadern errichtet.
Doch er war nicht nur Teil der Verteidigungsanlage der Bunten Stadt am Rhein - der Turm beherbergte auch das städtische Pulvermagazin, woher er auch seinen Namen erhielt. Außerdem diente das wehrhafte Gebäude mit den kleinen Fenstern der Stadt auch zeitweise als Gefängnis. Einer Legende nach soll hier der Schwarze Peter aus der Räuberbande des Schinderhannes festgehalten worden sein, aber das ist überhaupt nicht zu belegen.
Ein wenig rätselhaft ist seine ursprüngliche Bezeichnung als „Weißer Turm“, denn zumindest heute wirkt er alles andere als weiß. Möglicherweise war er also in der Vergangenheit mit einem hellen Putz versehen, was die Bezeichnung erklären würde. Was er früher sicher hatte, war ein Dach – auch wenn er dieses bereits vor fast 200 Jahren verlor. Auf alten Stadtansichten das spitze Dach zu sehen und sogar noch bei Friedrich Wilhelm Delkeskamp wohl Anfang der 1820er Jahre (siehe Abbildungen). Erst die Ansicht von William Tombleson von 1832 zeigt ihn „oben ohne“. Es lässt sich also zeitlich ziemlich genau eingrenzen, wann das Dach möglicherweise einstürzte oder abgebrochen wurde. Die frühesten Fotos des Turms stammen aus der Zeit um 1900. Wer sich die alten Aufnahmen einmal selbst ansehen will, findet sie unter https://www.flickr.com/photos/stadtarchivlinzrhein/albums/72157692400579545
In der jüngeren Geschichte hatte der Pulverturm weiterhin einiges zu erdulden. Während des 2. Weltkriegs wurde er durch einen Bombenabwurf stark beschädigt. Die zerstörte Wehrbrüstung des Turms wurde 1956 dann wieder aufgemauert.
In den folgenden Jahrzehnten wuchs Efeu den Turm herauf, bis es ihn fast überwucherte. 1986 wurde der starke Bewuchs, um das Gemäuer zu schützen, von der Stadt entfernt.
Zwischenzeitlich war der Turm sehr stark mit Efeu bewachsen und im Grunde überwuchert.
In den letzten Jahren, vor Ausbruch der Pandemie, wurde es wieder etwas lebhafter rund um den Pulverturm. Die Linzer Initiative Mauerbau, die sich für den Erhalt, die Sanierung und den Neubau der Linzer Stadtmauer einsetzt, hat auch den Pulverturm unter ihre Fittiche genommen. Sein Erhalt und Wiederaufbau steht nach der Sanierung der beiden Tore, die am Leetor schon abgeschlossen ist, ganz oben auf der Liste.
Heute scheint der düstere Turm über dem städtischen Spielplatz Wacht zu halten.Foto: KBL
Auf der Ansicht von William Tombleson 1832 hatte er bereits sein Dach verloren.

Die beiden Kleinen Rheinansichten zu Linz hat Delkeskamp im ersten Halbjahr 1826 gezeichnet.