Allgemeine Berichte | 16.11.2017

Udo Bürger aus Unkelbach veröffentlicht sein neues Sachbuch

„Die spektakulärsten Kriminalfälle in Baden“

Autor schildert historische Kriminalfälle und Hinrichtungen

Alle Kapitalverbrechen im Buch enden mit einer Hinrichtung.privat

Unkelbach. Der Remagener Autor Udo Bürger hat gerade sein zehntes Buch zur Kriminalhistorie herausgebracht. Es ging ihm in seinen letzten Büchern darum, möglichst alle Hinrichtungen zu dokumentieren, die in der entsprechenden Region in Deutschland in einem bestimmten Zeitraum vorgekommen sind.

In seinem Buch „Rheinische Unterwelt. Kriminalfälle im Rheinland von 1815-1918“, erschienen 2013 im Emons-Verlag Köln, weist er 127 Hinrichtungen nach, die in dem besagten Zeitraum im Gebiet der früheren preußischen Rheinprovinz vorgekommen sind, und stellt die zugrunde liegenden Verbrechen dar.

Der Band „Westfälische Unterwelt. Historische Kriminalfälle und Hinrichtungen in Westfalen“ (2014, Ardey-Verlag Münster) bietet zum ersten Mal eine vollständige Erfassung aller von 1815 bis 1918 in Westfalen vorgekommener Hinrichtungen, 56 an der Zahl.

In „Die spektakulärsten Kriminalfälle in Hessen. Von Würgengeln, Holzfrevlern und Kindsmördern“ (2016, Sutton-Verlag Erfurt) schildert Bürger 96 Kriminalfälle, die im gleichen Zeitraum mit Exekutionen endeten.

Auch in seinem neuen, 262 Seiten umfassenden Buch „Die spektakulärsten Kriminalfälle in Baden. Von Giftmischern, Amokläufern und Auftragsmördern“, ebenfalls im Sutton-Verlag Erfurt erschienen, beschäftigt sich der Autor ausschließlich mit Kapitalverbrechen, die mit einer Hinrichtung endeten, diesmal in der Zeit von 1815 bis 1932.

Der Leser muss sich auf „harte Kost“ einstellen

Sehr erfreulich ist es, dass zu fast allen dieser Verbrechen entsprechende Gerichtsakten in badischen Archiven vorhanden sind, die es ermöglicht haben, die Fälle möglichst realistisch und „hautnah“ zu schildern. Das heißt allerdings auch, dass sich der Leser mitunter auf „harte Kost“ einstellen muss.

Das Buch, das zum ersten Mal alle Hinrichtungen – 70 an der Zahl – dokumentiert, die im Bearbeitungszeitraum in Baden vorgekommen sind, ist nach den Städten geordnet, in denen die Exekutionen stattfanden. Diese ereigneten sich – ausgehend von der frühesten Hinrichtung in der jeweiligen Stadt – in Bruchsal (sieben Hinrichtungen), Tauberbischofsheim( vier), Lörrach (eine), Walldürn (eine), Osterburken (eine), Offenburg (fünf), Waldshut (fünf), Mannheim (sechs), Rastatt (zwei), Bonndorf (zwei), Freiburg (neun), Emmendingen (eine), Heidelberg (zwei), Staufen (eine), Karlsruhe (sieben), Stockach (eine), Kenzingen (eine), Müllheim (eine), Gengenbach (drei), Konstanz (neun) und Adelsheim (eine). Hiervon ausgenommen sind die Hinrichtungen während der Revolutionsjahre und kriegsgerichtliche Exekutionen.

Eine Verurteilung zum Tode musste nicht zwangsläufig auf eine Vollstreckung des Todesurteils hinauslaufen. Den badischen Landesherren oblag in letzter Instanz das nicht selten beanspruchte Recht, zum Tode Verurteilte zu begnadigen, die dann meist mit einer lebenslänglichen Haftstrafe davonkamen.

Schwert wurde 1856 durch Guillotine ersetzt

Das Schwert als Hinrichtungsinstrument, das sich oft als unsicher erwiesen hatte, wurde 1856 durch die Guillotine ersetzt. Gleichzeitig legte man fest, dass die Hinrichtungen künftig nicht mehr auf öffentlichen Richtplätzen (mit oft mehreren Tausend Zuschauern und Volksfestcharakter), sondern unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit innerhalb der Gefängnisse der jeweiligen Städte vorgenommen werden sollten.

Ein spektakulärer Fall

Einer der „schönsten“ Tatorte befand sich beim Titisee. Im in der Nähe gelegenen Saig (heilklimatischer Kurort im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) besaß das kinderlose ältere Ehepaar Köpfer ein Haus, das auf einer Bergwiese am Nordabhang des Hochfirst gelegen war. Herr Köpfer verschaffte sich im Sommer durch den Verkauf von Ansichtspostkarten an Ausflügler einen kleinen Nebenverdienst.

Zu seinem Unglück kamen auch der 1900 geborene Karl Friedrich Hundertpfund, dessen Mutter am Theater als Chorsängerin tätig war, und seine Braut, die 20-jährige Dienstmagd Rosa Kirchner, bei einem Ausflug im September 1923 dorthin. Hundertpfund, der in Hinterzarten als Holzbildschnitzer arbeitete – mit den Künsten der Schnitzerei war er im Gefängnis vertraut geworden – gefiel das Haus außerordentlich, zumal es für die Anfertigung und den Verkauf von Holzschnitzereien sehr geeignet zu sein schien. Im Beisein seiner Braut machte er dem 62-jährigen Hausherrn den Vorschlag, er möge sie aufnehmen, wenn sie verheiratet seien, Köpfer lehnte aber ab.

Der Gedanke, sich mit seiner künftigen Frau in dem Anwesen eine Existenz zu gründen, ließ Hundertpfund nicht mehr los. In der Nacht vom 2. auf den 3. November 1923 versteckte er sich im Stall der Eheleute und erschoss zuerst Herr Köpfer, als dieser morgens das Vieh füttern wollte, und danach dessen Frau. In der Wohnstube bellte ein Hund, den Hundertpfund ebenfalls erschoss. Die Leichen der Eheleute vergrub er hinter dem Haus.

Noch am Tag der Tat meldete sich Hundertpfund zum Aufenthalt in der Gemeinde Saig an. Er gab an, die zwecks Regelung einer Erbschaft nach Endingen am Kaiserstuhl abgereisten Eheleute Köpfer hätten ihm ihr Anwesen verpachtet, das er später kaufen wolle. Beim Bürgermeister erkundigte er sich, welche Papiere zum Heiraten nötig wären.

Obwohl er bei seinen Lügengeschichten eine gewisse Überzeugungskraft an den Tag legte, durch die er besonders den Bürgermeister und die Gendarmeriebeamten zu täuschen verstand, mussten ihn die fortgesetzten Nachfragen über den Aufenthalt der Eheleute befürchten lassen, dass seine Tat nicht mehr lange verborgen bleiben konnte. Seit Mitte November 1923 hielten sich seine Braut und deren Freundin in dem Haus auf. Unter einem Vorwand verabschiedete er sich am 20. November von den beiden Frauen und flüchtete bei Karlsruhe über den Rhein. Sein Verschwinden erregte Verdacht. Man untersuchte das Haus und die Umgebung und fand die Leichen der Ermordeten.

Die Fahndung nach Hundertpfund verlief zunächst ergebnislos. Unter falschem Namen hatte er sich in Metz für die Fremdenlegion anwerben lassen. Über Marseille kam er in die nordafrikanische Garnison Sidi bel Abbès, wo er bis Februar 1924 Militärdienst in der Legion verrichtete. Als ihm sein französischer militärischer Vorgesetzter vorhielt, er heiße Hundertpfund und habe in Deutschland zwei Zivilisten ermordet, leugnete er zunächst, der Gesuchte zu sein, doch schon am nächsten Tag räumte er die Tat ein. Seiner Verhaftung schloss sich die Auslieferung in die Heimat an.

Das Freiburger Schwurgericht verurteilte ihn am 19. Juli 1924 wegen Doppelmordes zweimal zum Tode. Nachdem eine Begnadigung abgelehnt worden war, wurde er fast genau ein Jahr nach dem Verbrechen, am Morgen des 30. Oktober 1924, auf dem Hof des Freiburger Landgerichtsgefängnisses mit der Guillotine hingerichtet.

Bürger, Udo: Die spektakulärsten Kriminalfälle in Baden. Von Giftmischern, Amokläufern und Auftragsmördern, Erfurt 2018, Sutton-Verlag, 262 Seiten, ISBN 978-3-95400-863-6.

Alle Kapitalverbrechen im Buch enden mit einer Hinrichtung.Foto: privat

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