Auftaktkonzert der 6. Buschhovener Musiktage
Die ungarische Seite von Schumann und Brahms strahlte in neuen Interpretationen
Guido Schiefen am Violoncello und Markus Kreul am Yamaha-Flügel begeisterten auf der Burg Morenhoven mit einem Auftritt von internationaler Klasse
Morenhoven. In der ganzen Burg Morenhoven gab es keinen einzigen Stuhl mehr, denn das Auftaktkonzert der 6. Buschhovener Musiktage im Grünen Salon der Wasserburg mit Ursprüngen im 13. Jahrhundert zog unerwartet viele Besucher an. Selbst Burgherrin Helma von Jordans fand nur noch einen Stehplatz, nachdem auch der letzte Schemel an einen musikbegeisterten Gast vergeben war. Die Musikfreunde wurden nicht enttäuscht, denn die beiden Protagonisten der Matinee, Guido Schiefen am Violoncello und Markus Kreul am Yamaha-Flügel, begeisterten mit einem Auftritt von internationaler Klasse.
Doch zunächst begrüßte Adelheid Willers, die Cheforganisatorin der 6. Buschhovener Musiktage, die Gäste, darunter Schirmherrin Ilka von Boeselager und Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner sowie Dr. Ingrid Bodsch, die Leiterin des Schumann-Forums in Bonn. Schiefen und Kreul sind Mitglieder des Schumann-Forums und des Schumann-Künstler-Netzwerks. Als Schumann-Botschafter treten sie weltweit auf und nahmen 2016 gemeinsam die CD „Schumannia“ auf, die auf große Resonanz stieß.
Den besten musikalischen Leiter bekommen
Der in Buschhoven geborene und aufgewachsene Markus Kreul ist seiner Heimat sehr verbunden geblieben und hat erneut die musikalische Leitung der 6. Buschhovener Musiktage übernommen, die vom 13. bis 16. September gefeiert werden. „Wir hätten keinen besseren bekommen können“, freute sich Willers und wies darauf hin, dass das Auftaktkonzert ein Vorgeschmack sein solle für das, was die Musikfreunde im Herbst erwartet.
Dafür hatten Schiefen und Kreul Werke von Robert Schumann und Johannes Brahms kombiniert, die nicht nur musikalisch auf einer Wellenlänge lagen, sondern auch in einer besonderen Freundschaft verbunden waren, „und das hatte etwas mit ungarischer Musik zu tun.“ So kam jede Menge Temperament, Feuer und Leidenschaft zusammen, wenn Johannes Brahms sich von der Seele der ungarischen Musik beflügeln ließ und ein Bild der ungarischen Seele voll Feuer und Sehnsucht zeichnete. Wobei die „Ungarischen Tänze“ auf Nationalstücken basieren und von Brahms nur gesetzt wurden. „Ich habe sie nicht gezeugt, sondern nur mit Milch und Brot aufgezogen, wie echte Puszta-Kinder“, soll der Komponist einmal dazu geäußert haben.
Eine außergewöhnliche Schönheit
Schiefen und Kreul hatten sich für die Variation von Alfredo Piatti entschieden, der sie zu größerer Bekanntheit verhelfen wollen, was mit einer CD-Produktion in absehbarer Zeit besiegelt werden soll. So wurden die Zuhörer Zeugen mehrerer Premieren, denn einige der Tänze waren zumindest in dieser Version bisher noch nie aufgeführt worden. Leider, muss man sagen, denn dieser so „Morenhovener Interpretation“ war eine außergewöhnliche Schönheit zu eigen. So umkreisten sich Klavier und Violoncello beim Tanz Nummer 6 in C-dur musikalisch und jagten sich auf neckische Art, um sich dann wieder eng einander zu schmiegen wie ein tanzendes Liebespaar. Beim Tanz Nummer 3 in F-Dur umkurvten die beiden Instrumente einige rhythmische Fallstricke ganz elegant und konnten sich dabei auf ein perfektes Timing der beiden Musiker verlassen. Etwas schwülstig, dafür aber mit feiner Noblesse kam der Tanz Nummer 14 in d-moll daher. Und die Nummer 9 in D-Moll überzeugte mit überraschenden Tempowechseln, dargeboten mit subtilem Verve und Fingerspitzengefühl.
Dazu passten die „Fünf Sücke im Volkston“ (op. 102) von Robert Schumann hervorragend, die wohl in Vorfreude auf das bevorstehende Familienglück mit Clara Wieck geschrieben worden waren. Ebenso begeisternd war die die nahezu unbekannte Fassung von Schumanns „Kinderszenen“ (op. 15) für Violoncello und Klavier, gesetzt von Paul Grümmer. Die Noten dazu hatte Schiefen per Zufall antiquarisch erstanden, denn sie sind schon lange nicht mehr auf dem Markt. „Wahrscheinlich handelt es sich heute um eine Erstaufführung nach Jahrzehnten – wobei unklar ist, ob diese Version überhaupt jemals gespielt worden ist“, erläuterte der Cellist. Wobei einige Stücke nicht in der Original-Tonart zu hören waren, doch das trug nur zum stimmigen Gesamtbild des Werkes bei.
Mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht
Vielleicht der Höhepunkt des Programms war Teil zwei der „Ungarischen Tänze“ von Johannes Brahms mit den Stücken Nummer 2, 7, 11, 4 und 16. Das Duo hatte sich anscheinend so richtig warmgespielt und zeigten noch einmal seine überragende künstlerische Klasse. Sie interpretierten die Tänze ebenso ausdrucksstark wie gefühlvoll und beherrschten das Genre virtuos und mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Das technisch anspruchsvolle Werk sparte nicht mit Glissandi und Triolen, die effektvoll eingesetzt und mit Leidenschaft zum Vorschein gebracht wurden. Als Zugabe erfreuten Schiefen und Kreul das Publikum schließlich noch mit der Widmung von Robert Schumann, die eigentlich für seine Gattin gedacht war, an diesem Vormittag aber den Swisttaler Musikfreunden galt. JOST
Das Publikum im Grünen Salon der Burg Morenhoven war restlos begeistert. Foto: Photographer: Volker Jost Auf de
Beim Auftaktkonzert für die sechsten Buschhovener Musiktage zeigten Guido Schiefen am Violoncello und Markus Kreul am Flügel auf der Burg Morenhoven ihre internationale Klasse. Foto: Photographer: Volker Jost Auf de
