Singend und betend geht es zum ehrwürdigen Gnadenbild „Unserer Lieben Frau mit der Lilie, der Königin des Friedens“
Die vielen Pilger machen Barweiler zu einem lebendigen Marienwallfahrtsort
Besonders von Anfang September bis Anfang Oktober sind zahlreiche Menschen unterwegs
Barweiler. Am Wochenende beginnt die Wallfahrtssaison zu „Unserer Lieben Frau mit der Lilie, der Königin des Friedens“ in Barweiler. Eröffnet wird die Wallfahrtszeit am Sonntag, 8. September, mit einem feierlichen Pontifikalamt um 10 Uhr durch Bischof Dr. Stephan Ackermann aus Trier.
Von September bis Anfang Oktober werden wieder Tausende Pilger nach Barweiler kommen, um Hilfe in den unterschiedlichsten Anliegen zu erbitten. Kein Tag vergeht, an dem nicht die Wallfahrer mit ihren Kreuzen und Fahnen singend und betend zu dem altehrwürdigen Gnadenbild „Unserer Lieben Frau mit der Lilie, der Königin des Friedens“ nach Barweiler ziehen.
Eine Legende erzählt, dass das Gnadenbild in der Reformationszeit von einem Hausierer in der Nacht aus der Pfarrkirche Üxheim nach Barweiler getragen wurde. Tatsächlich führte Graf Dietrich VI. von Manderscheid-Schleiden (1538-1593) in der Herrschaft Kerpen und damit auch in Üxheim ab 1565 die Predigt nach der Lehre Martin Luthers ein. Barweiler gehörte zum Kurfürstentum Köln und blieb katholisch. Möglicherweise sind damals heimlich katholische Kultgegenstände aus der Pfarrkirche in die Filialkapelle gebracht worden. Das heutige Gnadenbild dürfte allerdings nicht darunter gewesen sein, denn es wird kunsthistorisch erst in die Mitte des 17. Jahrhunderts datiert. Damals wurde in Barweiler eine neue Kirche gebaut, zu deren erster Ausstattung die Figur vielleicht gehörte. Das Gnadenbild ist eine etwa 120 Zentimeter hohe Holzskulptur der Muttergottes mit dem unbekleideten Kind auf dem linken Arm. Das Gewand zeigt einen eigentümlich knittrigen Faltenstil. Der rechte Fuß ruht auf der Weltkugel. In der Rechten hält sie eine hölzerne Lilie mit 15 Blüten und Knospen. Die Kronen, die Mutter und Kind tragen, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von einem Roma-Familienverband aus Ungarn gestiftet. Sie sollen das ehrende Andenken an die während der nationalsozialistischen Diktatur in den Konzentrationslagern ermordeten Angehörigen wachhalten.
Die Wallfahrt geht auf eine Begebenheit im Jahr 1726 zurück. Im Sommer schmückten die Mädchen von Barweiler ihre Pfarrkirche mit Blumen und gaben der Muttergottes eine Lilie in die rechte Hand, die ursprünglich ein Zepter gehalten haben dürfte. Die Erntezeit ließ keinen neuen Blumenschmuck mehr zu, sodass die Lilie verwelkte und schließlich verdorrte. Doch im September – um das Fest Mariä Geburt herum – begann der ganz vergilbte und vertrocknete Stängel wieder zu grünen. Am Stängel wurden 15 kleine Knospen gezählt.
Die Zahl entspricht den Glaubensgeheimnissen, die beim traditionellen Rosenkranzgebet betrachtet wurden. Das Lilienwunder wiederholte sich im folgenden Jahr zur gleichen Zeit. Pfarrer Michael Kaas meldete den unerklärlichen Vorfall der weltlichen und geistlichen Behörde. Der zuständige Generalvikar, Weihbischof Johann Arnold de Reux, beauftragte den Abt der Prämonstratenserabtei Steinfeld mit der Untersuchung des Ereignisses. Am Montag, 19. Juli 1728, erschienen Abt Michael Kuell und der Dechant des kölnischen Eifeldekanats und zugleich Pfarrer von Lissendorf, Karl Hoffmann, in Barweiler und fanden die Kirche voller Gläubiger. Am 21. Juli 1728 wurde die Marienfigur in Gegenwart von geistlichen Würdenträgern und anderer Gläubigen auf dem Seitenaltar in eine Vitrine eingeschlossen, nachdem der Steinfelder Abt ihr eine frische Lilie in die Hand gegeben hatte. Die Türen der Vitrine wurden verschlossen. Von den beiden Schlüsseln erhielt einen der Abt und den anderen der Dechant. Für den Landesherrn untersuchte Franz Anton Marle als „Statthalter Ambts Nürburg“ denFall. Er bestätigte am 28. Oktober 1726, das Lilienwunder gesehen zu haben.
Am 16. Oktober 1729 wurde die Erzbruderschaft vom heiligen Rosenkranz errichtet. Sie förderte die Wallfahrt, die Barweiler weithin bekannt machte. Pilgerinnen und Pilger erbaten die Fürbitte Mariens in der Hoffnung auf Heilung von Krankheiten bei Mensch und Tier und auf Hilfe in allen Nöten des Lebens. Berichte erzählen von wunderbaren Heilungen und erhörten Gebeten.
Bis heute pilgern besonders während der Wallfahrtszeit von Anfang September bis Anfang Oktober zahlreiche Menschen zum Gnadenbild „Unserer Lieben Frau mit der Lilie, der Königin des Friedens“. Traditionsreiche Prozessionen kommen aus der näheren Umgebung, aus der Vulkaneifel, der Nordeifel, der Ville und der Kölner Bucht.
Manche Fußpilger sind mehrere Tage unterwegs. Die Pilgerinnen und Pilger machen Barweiler zu einem lebendigen Marienwallfahrtsort.
Geplante Gottesdienste
Samstag, 7. September: Eröffnung der Wallfahrtszeit, 18 Uhr Pilgermesse.
An allen Wochenenden im September: 18 Uhr Vorabendmesse (Samstag), 7 Uhr Pilgermesse, 10.30 Uhr Hochamt, 15 Uhr Pilgerandacht (Sonntag).
Jeden Mittwoch in der Wallfahrtszeit: 15 Uhr Pilgermesse.
Sonntag, 8. September: 10.30 Uhr, Pontifikalamt mit Bischof Dr. Stephan Ackermann aus Trier.
Freitag, 13. September: 19 Uhr Festmesse mit Lichterprozession und Fatima-Gebet
Mittwoch, 18. September: 15 Uhr Pilgermesse, Wallfahrtstag der Frauengemeinschaften.
Mittwoch, 25. September: 15 Uhr Pilgermesse mit Einzelsegen.
Sonntag, 29. September: 19 Uhr Taizé-Gebet.
Freitag, 4. Oktober: 19 Uhr Bibel-Erzählnacht.
Samstag, 6. Oktober: 18 Uhr Vorabendmesse.
Sonntag, 7. Oktober: feierlicher Abschluss der Wallfahrt, 15 Uhr Festmesse mit dem stellvertretenden Dechant Axel Spiller (Dekanat Ahr-Eifel),
Zudem ist am Sonntag, 15. September, ein Wallfahrts-Café in der Gemeindehalle Barweiler vorgesehen. Weitere Informationen gibt es beim Katholischen Pfarramt Adenau, Kirchstraße 28, 53518 Adenau, Telefon (0 26 91) 9 35 75 10, Fax (0 26 91) 9 35 75 11, oder E-Mail an pfarramt-adenau@t-online.de.
