Berthold Hagner begann vor 50 Jahren Dienst in der ehrenamtlichen Verkündigung
Dienst auf der Kanzel macht noch immer Freude
Bad Ems/Rhein-Lahn. 50 Jahre ist es her, da stand Berthold Hagner aus Dausenau erstmals als Lektor in einem Gottesdienst auf der Kanzel. Der 81-Jährige ist auch heute noch im Einsatz, um Vertretungsdienste in den Kirchen des evangelischen Dekanats Nassauer Land zu übernehmen. „Spaß hat es mir immer gemacht, und solange es mit dem Autofahren noch klappt, bin ich auch noch gern im Einsatz“, so der Jubilar, dem Dekanin Renate Weigel in Bad Ems für seinen unermüdlichen Einsatz dankte. Lektoren vertreten die Pfarrer, um bei deren Verhinderung mit der Gemeinde Gottesdienst zu feiern. Dabei gestalten sie nicht nur die Liturgie, sondern lesen auch Predigten vor. In einem nächsten Schritt können sie als Prädikanten „das Wort Gottes“ auch mit ihren eigenen Gedanken und Worten verkündigen. Es war Pfarrer Rolf R. Stahl aus Frücht, der Hagner 1966 für die Gestaltung von Gottesdiensten im damaligen Dekanat Nassau gewinnen konnte, ihm die liturgischen Grundlagen vermittelte und ihn dann in den Kreis der Lektoren aufnahm. Seine ersten beiden Gottesdienste feierte Hagner als 31-Jähriger in Frücht und in Nievern. Später folgten Dienste in Becheln und Dausenau. Er hat seine Predigten nicht alle gezählt, die er in 50 Jahren gehalten hat, lernte dabei aber sämtliche Gemeinden im ehemaligen Dekanat Nassau kennen, von Niederlahnstein bis Obernhof, von Oberlahnstein bis Kamp-Bornhofen. Sogar in benachbarten Dekanaten war er „im Dienst für Gottes Wort“ auf Achse wie etwa in Neuhäusel, Hillscheid, Arzbach und Dachsenhausen. In guter Erinnerung sind ihm auch Gottesdienste im Bad Emser Seniorenwohnheim Vömel-Haus, der Stiftung Scheuern in Nassau, der Kurklinik in Oberlahnstein sowie ein außergewöhnlicher Waldgottesdienst in Zimmerschied geblieben. „Überall trifft man Menschen, die sich der gleichen Sache, dem Glauben, verbunden fühlen“, beschreibt Hagner das Schöne am ehrenamtlichen Verkündigungsdienst der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Und das nicht nur, wenn die Kirche voll besetzt ist, sondern auch dann, wenn noch etlicher Platz auf den Kirchenbänken frei blieb. „Der Kirchenbesuch hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert“, so Hagner. „Aber wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“, zitiert der Jubilar ein bekanntes Jesus-Wort. Viel könnte er erzählen über seine Einsätze in all den Jahren und die Begegnungen mit Besuchern, die ihm am Ende auch für den Gottesdienst dankten. „Das hat dann immer besonders gut getan.“ Einen aufregenden Zwischenfall hat der später zum Prädikanten „beförderte“ Dausenauer bis heute nicht vergessen. „Vor einem Gottesdienst in Frücht wollte ich mich noch einmal davon überzeugen, ob ich auch meine Predigt dabei habe“, erinnert sich Hagner, „aber ich fand sie einfach nicht.“ Die Aufregung stieg rapide an. Da er damals noch in Nievern wohnte, entschied sich der noch junge Lektor, noch einmal schnell zuhause zu suchen.
Vergeblich. Mit klopfendem Herzen fuhr er zurück zur Früchter Kirche, wo nicht nur das Orgelvorspiel, sondern mittlerweile auch alle Strophen des Eingangsliedes verklungen waren. „Da schaute ich doch noch mal in der Tasche nach, und siehe da: da war die Predigt. In der Aufregung muss ich sie einfach übersehen haben“, kann Hagner heute über das Erlebnis schmunzeln. Doch es wirkt bis heute nach: „Seither überzeuge ich mich vor dem Losfahren, dass ich die Predigt auch ja dabei habe. Ein gewisses Lampenfieber ist also auch heute noch vorhanden.“
Ansonsten strahlte Hagner aber auch in der Bad Emser evangelischen Martinskirche, wo er zusammen mit Dekanin Weigel Gottesdienst feierte, eine große Ruhe aus. Allenfalls in der wunderschön anrührenden Predigt bekam er an manchen Stellen einen Kloß in den Hals, weil er sich an seinen eigenen Dienst in der Verkündigung erinnert fühlte. Sie stammte vom Kabarettisten Hans-Dieter Hüsch und beschwor die Fähigkeit, sich mit Liebe für etwas zu begeistern, anstatt mit einer Predigt nur zu jammern und zu schimpfen. „Es ist auch für mich eine besondere Freude, den Gottesdienst mit einem so altverdienten Mitarbeiter unserer Kirche zu gestalten“, sagte Dekanin Weigel, als sie Hagner für seinen jahrzehntelangen Dienst dankte. „Dankeschön für so viel Treue“ stand auch auf der süßen Tüte, die sie Hagner überreichte. Oblag die Beauftragung der Lektoren in Hagners Anfangszeit noch bei Pfarramt und Dekanat, hat die Landeskirche in den vergangenen Jahrzehnten das Angebot an Aus- und Fortbildungen für den ehrenamtlichen Verkündigungsdienst deutlich erhöht, damit auch Menschen, die nicht wie Theologen ordiniert sind, Gottesdienste feiern können. Auch das evangelische Dekanat Nassauer Land bietet in regelmäßigen Abständen immer wieder Ausbildungen zu Lektoren und Prädikanten an. Nähere Informationen gibt Melanie Schneider aus Holzappel unter Telefon (0 64 39) 90 11 16 oder per E-Mail ev.kirchengemeinde.holzappel@ekhn-net.de.
