Eifelverein Remagen auf dem Eifelsteig
Diese Moose müssen wachsen
Remagen. Auch die achte Etappe des Eifelsteigs bot den Eifelfreunden aus Remagen in herrlicher Landschaft so manche Sehenswürdigkeit, darunter die Klosteranlage von Niederehe oder die Burg Kerpen. Aber alles wurde in den Schatten gestellt durch ein 1912 von Menschenhand unbeabsichtigt geschaffenes Naturdenkmal. Damals wurden beim Bau der inzwischen längst stillgelegten Eisenbahnlinie Dümpelfeld - Lissendorf etliche kleine Rinnsale oben am Hang des Ahbachtales zusammengefasst und gemeinsam durch eine Öffnung unter dem Bahndamm hindurchgeleitet. Der so entstandene kleine Bach hatte aber extrem kalkhaltiges Wasser, das nun in kleinen Kaskaden talwärts plätscherte. Durch Verdunstung und Erwärmung des Wassers wurde Kalk ausgeschieden, auf dem sich eine ganz spezifische Moosart außerordentlich wohlfühlte. Das Moos vergrößerte die Verdunstungsfläche, es wurde auf ihm noch mehr Kalk ausgeschiedenen, der aber das Moos zu ersticken drohte.
Also musste es schnell weiterwachsen, Schicht um Schicht. Moos und Kalk bewirken gemeinsam, dass seit über 100 Jahren der Wasserfall immer weiter ins Tal hinein wächst, jährlich um gut zehn Zentimeter. Normalerweise ist es bei Wasserfällen umgekehrt, sie weichen unter der zerstörerischen Wucht der Wassermassen immer weiter zurück, der Niagara zum Beispiel um jährlich einen Meter. Dieser dicke Moosbehang leuchtet wunderschön smaragdgrün, dazwischen glitzern die Verzweigungen des herabstürzenden Wassers, bis sie in unzählbar vielen blitzenden Tropfen allerorten unten aus dem Moosbehang herausperlen. Das ist schon ein großartiges Bild, dem die Wanderer aus Remagen gerne eine ausgiebige Mittagspause widmeten, zumal es dort an heißen Tagen auch noch angenehm kühl ist. Kein störender Lärm stört die Idylle, denn der Ort ist mit Kraftfahrzeugen nicht zu erreichen.
Übernachtet wurde im Krimihotel Hillesheim, das seinem Namen alle Ehre macht. Liebevoll sind dort alle Zimmer dekoriert mit Erinnerungsstücken an Mord und Totschlag der schaurigsten Krimigeschichten aller Zeiten. Aber nach anstrengenden 26 Kilometern auf dem Eifelsteig bringt das so leicht keinen müden Wanderer um den Schlaf.
