Ausstellung von Gregor Bendel und Hardy Rieger im Künstlerforum Remagen
„Digital Art“ trifft analoge Kunst
Remagen. Trotz Tropensommer und Jakobsmarkt kamen am vergangenen Sonntag erstaunlich viele Besucher nach Remagen, um der Eröffnung der Ausstellung von Gregor Bendel und Hardy Rieger im Künstlerforum Remagen beizuwohnen. Auch der amtierende Bürgermeister Herbert Georgi gab sich die Ehre. Nach der Begrüßung von Stadtprominenz, Gästen und Künstlern stellte Dieter Wessinger (Künstlerforum Remagen) den künstlerischen Werdegang von Bendel und Rieger vor.
Hardy Rieger (Jahrgang 1947) aus St. Katharinen hat sein bisheriges Leben rückblickend selbst in drei Phasen eingeteilt: 25 Jahre Ausbildung und Studium, 25 Jahre Arbeitsstress - und 25 Jahre in Selbstbestimmung. Die Zeit, in er sich aktuell gerade befindet. Nach einer Lehre als Schriftsetzer/Buchdrucker folgte ein Studium an der Kölner Werkkunstschule (wo er Freie Grafik, Radierung, Lithografie, Fotografie und Kunstgeschichte belegte). Später war er als Grafiker, Technischer Leiter in Druckereien und Verlagsleiter sowie als Inhaber einer Grafischen Werkstatt/Werbeagentur tätig.
Bei seiner freien künstlerischen Arbeit fühlt er sich in der „Digital Art“ zu Hause. In seinen digitalen Fotokollagen lässt er gern mal berühmte Ikonen aus der Kunstgeschichte auf weniger bekannte, neuzeitliche Idole einer Selfie-Kultur treffen. Oder ganz banale Alltags-Gegenstände (Küchentuch, Wäscheklammern, ein abgebissener Apfel) finden sich surreal in romantischen Landschaften oder umgeben von computergrafischen Strukturen wieder. Aber auch aktuelle zeitkritische Themen lässt Rieger nicht aus: Helden und Anti-Helden wie Erdogan oder Trump, Flüchtlingskrise, Terrorismus oder Umwelt-Probleme finden problemlos Eingang in sein digitales Werk.
Bei aller Deutlichkeit seiner Darstellungen sind jedoch immer wieder subtile „Stör-Elemente“ zu finden, die den Betrachter zum Nachdenken, Hinterfragen und am Ende zu eigenen Stellungnahmen zwingen. In Remagen präsentiert Rieger vor allem Arbeiten aus seiner umfangreichen Werkreihe „Böse Bilder“, bei welchen einem das Lachen im Halse durchaus schon mal stecken bleiben kann.
Allein der Versuch, die Persönlichkeit und künstlerische Tätigkeit von Gregor Bendel (Jahrgang 1957) aus Bad Neuenahr) auf einen Punkt zu bringen, würde ihm einfach nicht gerecht. Der Vollblut-Künstler, der seine Ausbildung unter anderem an der Rheinbacher Glasfachschule und an der Kölner Werkkunstschule genoss, wählt sein Ausdrucksmedium in Abhängigkeit von seiner jeweiligen künstlerischen Intention: Dies kann in Form von Zeichnungen, Collagen, Sammlungen, Listungen, Lesungen, Performances, Fotografien, Fotokopien, Videos, musikalisch, textlich, multimedial, als Berater, Dozent oder auch in temporären Ausstellungen geschehen. Dem ein oder anderen ist er sicher bekannt aus Projekten wie „Brennstoff-Verleih“ oder der „Bikini-Zone“.
Bei Bendel lässt sich scheinbar keine Trennung zwischen der Kunst und dem sogenannten normalen Leben ausmachen. Reflektiert, philosophisch und humorvoll, dabei stets offen für die besonderen Momente des menschlichen beziehungsweise künstlerischen Seins, reagiert er mit aufmerksamem Blick auf Phänomene, die ihn selbst, den Menschen, die Gesellschaft (im Grunde jeden) umgeben. In Remagen hat Bendel mit seiner ureigenen Art der Rezeption und Herangehensweise künstlerisch auf die Werke seines Kollegen Hardy Rieger „reagiert“. Hierzu hat Bendel seine „Souvenirs du Jardin“ aus seinem Heimersheimer Künstlergarten mitgebracht. Diese bestehen aus Objekten, Installationen, Holzskulpturen und Videoarbeiten sowie einer Klang-Installation in separatem Raum, bei der Besucher selbst aktiv werden können.
Nach der Einführung entbot der Bürgermeister sein Grußwort im Namen der Stadt, lobte das Engagement der Remagener Künstlerschaft, das über die Jahre das Stadt-Motto „Kunst - Kultur - Lebensfreude“ manifestierte. Im Anschluss hatten die Künstler selbst Gelegenheit für ihre Statements. Bendel gab dies in Form eines gefakten Interviews ab, das er mit sich selbst führte, das Ganze begleitet von den Klängen aus einer kleinen Sound-Box.
Die Ausstellung „Gregor Bendel/ Hardy Rieger“ ist noch bis einschließlich Sonntag, 19. August, jeweils an den Wochenenden von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Als weiteres Highlight findet am Samstag, 18. August, ab 18.18 Uhr eine Finissage mit dem Material Test Ensemble (alias Gregor Bendel und Rolf Habel) statt. Weitere Informationen unter www.kuefo-remagen.de.
Hardy Rieger (links) im Gespräch mit Rolf Habel.
Eine Besucherin im Klangraum von Gregor Bendel.
Hardy Riegers „Digital Art“ trifft auf analoge Kunst von Gregor Bendel.Fotos: privat
Aus der Werkreihe „Böse Bilder“ von Hardy Rieger.
