Allgemeine Berichte | 13.09.2023, 09:57 Uhr

Kolumne 53

Dorfgeschichte – Wasserversorgung (1)

Brunnen im Mittelalter. Foto: forum.rising-world.net
136

Odendorf/Essig. Die römische Wasserleitung von der Eifel nach Köln ist das bedeutendste technische Denkmal der Antike nördlich der Alpen. Die Gesamtlänge betrug 95 Kilometer. Der „Römerkanal“ lieferte täglich bis zu 20 Millionen Liter Wasser in die Provinzhauptstadt. Diese großartige Errungenschaft verfiel leider im Verlauf der Geschichte. Gemessen an dieser brillanten Ingenieurleistung der Römer waren die Wasserversorgung und damit hygienischen Verhältnisse bis ins Mittelalter eher als katastrophal zu bezeichnen.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts versorgte sich eine Straßengemeinschaft mit Trinkwasser über öffentliche Schöpf- und Ziehbrunnen. Später wurden aber auch kleinere Brunnen für den individuellen Bedarf auf den Grundstücken genutzt.

In der Bürgermeisterei Ollheim befindet sich die Nachweisung über Wasserentnahmestellen von 1905. Darin sind in Odendorf für 801 Einwohner und 168 Häuser/Höfe sechs öffentliche Brunnen und 48 Privatbrunnen aufgeführt. Sie waren teilweise schon mit Pumpen versehen, hatten eine Tiefe bis zu 15 Meter und führten eine gute Wasserqualität. An sonstigen Wasserentnahmestellen wird ein Teich, der das ganze Jahr Wasser enthält, und der Orbach angegeben, der aber monatelang trocken sein kann.

Nachdem Bonn bereits 1874 und Euskirchen 1887 mit dem Ausbau der zentralen Wasserversorgung begonnen hatten, versuchte der Landrat des Kreises Rheinbach im Frühjahr 1905 den Widerstand der Fabrikanten, Gewerbetreibenden und der einzelnen Gemeinden gegen den Bau einer Verbandswasserleitung zu überwinden.

Im Herbst 1905 verhandelte der Bürgermeisterrat der Bürgermeisterei Ollheim in der Schule in Ludendorf und beschloss mit Stimmenmehrheit, „...unter Zuziehung eines Technikers zu einer Prüfung der Frage einzutreten, ob für die Bürgermeisterei Ollheim eine zentrale Wasserversorgung mit Aussicht auf Rentabilität angelegt werden kann...“. Bürgermeister Esser nahm Verbindung zu dem Zivilingenieur Hermann Ehlert in Düsseldorf auf, der im Sommer 1906 einen „allgemeinen Entwurf eines Wasserwerks für die Bürgermeisterei Ollheim“ vorlegte. Zur Wasserentnahme wies er auf eine großes unteres und ein „oberes“ unterirdisches Staubecken zwischen Odendorf und Miel nahe Ludendorf hin.

Das obere Staubecken würde teils durch Niederschläge, teils durch Wasser des Orbachs gefüllt, welches bei der Lappermühle versickert und unterirdisch durch die Sand- und Kieslager in das obere Staubecken bei Ludendorf fließt. Weiterhin empfahl er, einen 25 Meter hohen Wasserturm bei Odendorf an der höchsten bebauten Stelle der Gemeinde auf 175 Meter zu errichten. Dadurch sollte der für die Straßenhydranten notwendige Druck in den Leitungen erzeugt werden.

1910 aber beschloss der Bürgermeisterrat Ollheim einen anderen Plan. Dadurch sollte die Versorgung der elf Gemeinden mit 5800 Einwohnern aus dem Rohrnetz der Bürgermeisterei Kuchenheim sichergestellt werden. Dieses Netz bezieht sein Wasser aus den Iversheimer Quellen und liefert es bei natürlichem Gefälle an die Hochbehälter auf 277 Meter am Watzenberg und 237 Meter an der Hardt. Nachdem im Januar 1911 der Bau des druckfesten Rohrnetzes in der Bürgermeisterei Ollheim begann, erhielten ab November dieses Jahres auch die Haushalte in Odendorf sauberes Wasser und die Feuerwehr konnte den Straßenhydranten ausreichend Löschwasser entnehmen.

1929 erfolgte der Zusammenschluss zum Zweckverband „Wasserwerksverband Kuchenheim-Ollheim“. Das war notwendig geworden, weil der Wassermangel in den unteren Druckzonen nur durch den gemeinsamen Bau des Pumpwerks in Ludendorf im gleichen Jahr behoben werden konnte. Dort wurde in einer Tiefe von 26 Metern das von Ehlert bereits 1905 aufgefundene umfangreiche Grundwasservorkommen im Orbachtal erschlossen, das schon beim ersten Versuch 4000 Kubikmeter Wasser pro Tag lieferte und unabhängig von der jahreszeitlichen Witterung war. 1956 bis 1966 wurde neben den Erneuerungen des Rohrnetzes weitere Wasservorkommen im Nöthener Tal genutzt. Nöthen liegt westlich von Bad Münstereifel auf 355 m Höhe.

Sammlung Zehnthaus

Verein Zehnthaus e.V.

Aquädukt. Foto: pixabay creative commons

Aquädukt. Foto: pixabay creative commons

Brunnen im Mittelalter. Foto: forum.rising-world.net

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Die neue Brücke in der Beckenkampstraße, die über die darunterliegende Bahnstrecke führt, ist seit wenigen Tagen für den Fuß- und Radverkehr freigegeben.
36

Die Fuß- und Radwegebrücke in der Beckenkampstraße im Koblenzer Stadtteil Horchheim wurde kürzlich nach einem umfangreichen Neubauprojekt wiedereröffnet. Die ursprüngliche Bogenbrücke aus dem Jahr 1914 war im Herbst 2022 abgerissen worden, um Platz für den modernen Ersatzbau zu schaffen. Während der Bauphase mussten technische Anpassungen vorgenommen werden, die den Zeitplan beeinflussten und die Nutzung der Bahnsperrpausen veränderten.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Steampunk-Abendmarkt "Zeitreise im Lichterglanz“
Anzeige Steampunk-Abendmarkt "Zeitreise im Lichterglanz“
Ausbildung zum Metallbauer
Kursangebote 2. Semester
Media-Auftrag 2026/27 Job Nr. 45-11-26-17
Bestellung Nr.: 4300003040-W100-606  / Kampagne Rheinschiene, KW 30-51
Weitere Artikel
Links: Straßenschild Rheinstraße, Mitte: Nostalgisches Bild der Rheinstraße/Vater Rhein (vom Stadtmuseum Andernach), Rechts: Frau Grafen heute
870

Andernach. Wenn Christina Grafen von ihrer Zeit in der Andernacher Rheinstraße erzählt, klingt es fast so, als würde man für einen Moment die Musik von damals wieder hören. Tanzflächen voller Menschen, mehrere Theken, an denen die Getränke ausgeschenkt wurden, ausgelassene Stimmung und mittendrin sie – meistens hinter dem Tresen, wo es selten ruhig zuging.

Von Dilara Köksal aus Andernach

Weiterlesen

v.l.n.r.: Daniel Phiesel, Christel Engeland, Stefan Raetz, Marcel Richter, Martin Warkentin
319

Rheinbach. Die Bürgerstiftung „Wir für Rheinbach“ hat auch für 2027 wieder einen Rheinbach-Kalender herausgebracht. Die Vorstände Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel und Marcel Richter: „Der Bildkalender erfreut sich auch in der 13. Auflage großer Beliebtheit und zeigt wieder interessante Rheinbacher Motive.“ Mit Martin Warkentin hat die Bürgerstiftung erneut einen jungen Fotografen aus Rheinbach gefunden, der mit einem eigenen Blick auf die Rheinbacher Motive schaut.

Von Stefan Raetz aus Rheinbach

Weiterlesen

Karate Dojo Kitai Dieblich
206

Dieblich. Am 25. Oktober 2026 stand beim Karate Dojo Kitai aus Dieblich nicht nur der Sport im Mittelpunkt, sondern vor allem der gute Zweck. Unter dem Motto „100 Kata“ stellten sich rund 50 bis 60 Kinder, Jugendliche und Erwachsene einer besonderen sportlichen Herausforderung. Gleichzeitig wurden Spenden für einen guten Zweck gesammelt.

Von Jens Mentges aus Koblenz

Weiterlesen