Kultur im A.K.T. e.V. in Montabaur
Dr. Mathias Jung zeigte ‚EigenSinn‘
Montabaur. Es war ein inspirierender Abend mit Dr. Mathias Jung in der - unter Corona-Bedingungen - gut gefüllten Stadthalle von Montabaur. In dem ersten Vortrag des Fördervereins „Kultur im A.K.T. e.V.“ seit der Pandemie-Einschränkungen ging es um eine Säule der Demokratie: „EigenSinn macht stark – Lob des Ungehorsams“.
„Selten war die Vorbereitung für einen Vortrag der Reihe „Philosophie & Lebenskunst“, die wir seit Jahrzehnten veranstalten, so herausfordernd,“ berichtet Heike Schönborn. „Und das nicht wegen des Mehraufwands durch die Corona Bestimmungen,“ konkretisiert sie. Bereits im Vorfeld gab es Kritik von „frei- und querdenkenden“ Menschen, die dem Förderverein Kultur im A:K.T. e.V. vorwarfen, einerseits widerstandslos die geltenden Corona-Bestimmungen einzuhalten, und andererseits zu EigenSinn und Ungehorsam einzuladen.
Diese Kritik war für den bekannten Psychotherapeuten, Philosophen und Autor von weit mehr als 60 Büchern, Dr. Mathias Jung (Lahnstein), eine wundervolle Steilvorlage zu dem spannenden Vortrag. Gewohnt eloquent, humorvoll und fundiert beschrieb Dr. Jung den Weg der Befreiung aus der elterlichen oder großelterlichen Normen- und Wertewelt hinein in ein selbstbestimmtes Leben.
„Da Kinder die Glaubenssätze und Werte ihrer Eltern zunächst als einzig wahre Realität übernehmen, und ihr Leben von deren Liebe und Fürsorge abhängt, kostet es Mut, ‚EigenSinn‘ zu entwickeln. Es ist ein Ungehorsam nötig - jenseits von Trotz, den sicheren Hafen der kulturellen Norm zu verlassen, um die Sinn-Frage zu stellen. Wird diese Reifung nicht durchlaufen, so bleiben Menschen häufig auch im Erwachsenenalter abhängig vom Urteil der Anderen und schließen sich gerne engen, oft autoritären Wertesystemen an,“ so der berühmte Autor.
In schwierigen Zeiten oder globalen Krisen wie der Pandemie bedeutet diese Erkenntnis, dass sich manche Menschen neuen Gruppen anschließen, die scheinbare Lösungen und in sich geschlossene Denksysteme anbieten. Diese Gruppierungen, oft als Notgemeinschaften erlebt, geben schnelle Antworten und schenken zunächst einlullende Sicherheit, ähnlich wie ein Normen- und Wertesystem der Kindheit. Zunächst scheint das Leben leichter und es mindert die Angst. Hat ein Mensch jedoch den Mut und genügend Selbstliebe, um sich zu hinterfragen, so entsteht eine reife, mutige und verantwortungsvolle Persönlichkeit. Durch zahlreiche Beispiele aus seiner therapeutischen Praxis, sowie Zitaten von bekannten Persönlichkeiten wie Herrmann Hesse, Berthold Brecht und anderen, füllte Dr. Jung seine psychologischen und soziologischen Ausführungen mit Leben. Afra Drüner und Heike Schönborn dankten im Anschluss allen HelferInnen und WeggefährtInnen, die durch ihre ehrenamtliche Arbeit im Förderverein Kultur im A.K.T. e. V. ermöglichen, den Diskurs über die Tabuthemen unserer Zeit weiter zu führen.
Der nächste Vortrag des Fördervereins Kultur im A.K.T. e.V. zum Thema „Lichtquelle statt Sparflamme“ findet am 4. Oktober statt. Weitere Informationen gibt es unter www.atelierkunstundtherapie.de
Dr. Mathias Jung bei seinem Vortrag.
