Allgemeine Berichte | 30.05.2018

Klimapate 2018 in Swisttal-Hohn vorgestellt

Dr. Wenzel Gehlen erzeugt eigenen Strom mit Fotovoltaik und Windenergie

Lang gehegter Wunsch wird verwirklicht, einen möglichst hohen Autarkiegrad beim Stromverbrauch zu erreichen

Dr. Wenzel Gehlen (Dritter von links) ist Klimapate 2018. Zu dieser Auszeichnung gratulierten (von links) der Interkommunale Klimaschutzmanager Tobias Gethke, Ehefrau Antonie Kreuzwald-Gehlen, Professor Dr. Hermann Schlagheck und Vizebürgermeister Manfred Lütz. Im Hintergrund ist die Kleinwindanlage zu erkennen, die seit April Strom erzeugt.  JOST

Swisttal. Dr. Wenzel Gehlen aus Swisttal-Hohn wurde von jetzt vom Klimapaten-Netzwerk und der Klimaregion Rhein-Voreifel zum „Klimapaten 2018“ ernannt. Der promovierte und mittlerweile pensionierte Agrarexperte hatte sich diese Auszeichnung verdient, weil er mit gleich mehreren Maßnahmen den ökologischen Fußabdruck seines Wohnhauses in Hohn extrem verkleinert hat.

Nachdem Gehlen bereits 2012 auf dem Dach seines Hauses eine Fotovoltaikanlage mit einem Leistungsvermögen von 9,5 Kilowatt errichtet hat, dreht sich seit April nun ein eigenes Windrad auf dem hinteren Teil des Grundstücks. Das Windrad hat eine Narbenhöhe von 24 Metern und leistet ebenfalls 9,5 Kilowatt. „Damit verfügt er über mehr als ausreichende Erzeugungskapazitäten, um den eigenen Energiebedarf zu decken, zumal er bereits 2007 wichtige Teile seines Hauses gegen Energieverluste gedämmt hat und die Kleinwind-Anlage auch dann Strom liefert, wenn es Nacht ist“, freute sich der Interkommunale Klimaschutzmanager Tobias Gethke in seiner Laudatio.

Erfahrungen bei verschiedenen Witterungslagen sammeln

Die nächsten Monate will Gehlen nutzen, um Erfahrungen mit der neuen Kleinwindanlage bei unterschiedlichen Witterungslagen zu sammeln. Anschließend werde er über ein neues, strombasiertes Heizungssystem entscheiden, um den selbst erzeugten Strom aus erneuerbaren Quellen so effizient und klimafreundlich wie möglich zu nutzen. So habe er seinen lang gehegten Wunsch verwirklicht, einen möglichst hohen Autarkiegrad beim Stromverbrauch zu erreichen. „Ihre Erfahrungen werden andere in der Region animieren, für sich ähnliche Klima- und effizienzorientierte Entscheidungen zu prüfen und zu treffen“, hofft Gethke.

Gehlen erinnerte sich an seine Jugend auf dem elterlichen Bauernhof bei Düren: „Wir hatten alles, nur keine Energie.“ Schon als kleiner Junge habe er deshalb über Energieerzeugung mittels Windkraft nachgedacht, doch Windräder seien damals noch nicht bekannt gewesen. Später sei er auf seinem Weg zur Arbeit immer wieder an einem kleinen Windrad bei Kuchenheim vorbeigefahren und habe sich dabei gedacht: „Wenn das da geht, geht es auch bei mir.“

Bürokratie machte fast einen Strich durch die Rechnung

Doch da hatte er nicht mit der deutschen Bürokratie gerechnet. Er berichtete von seinem Eindruck, bei den Behörden auf ziemliche Widerstände und Zurückhaltung gegenüber seinem Vorhaben zu stoßen. So habe der Swisttaler Planungs- und Verkehrsausschuss 2016 kein Einvernehmen für den Bau des Kleinwindrads erteilt, aber wenigstens beschlossen, die Beratung zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen. Anfang 2017 erschien dann auch noch plötzlich und unerwartet ein Roter Milan Umfeld und drohte, das Projekt gänzlich scheitern zu lassen. Doch nach zahlreichen und zuweilen frustrierenden Gesprächen mit den zuständigen Leuten der Kreisverwaltung Siegburg, die sich eine Weile lang auch untereinander nicht einig gewesen seien, kam dann am 17. Juli 2017 die erlösende Mitteilung: „Sie können die geplante Kleinwindanlage auf ihrem Grundstück errichten.“ Auch der Swisttaler Ausschuss hatte kurz darauf die positive Entscheidung zur Kenntnis genommen, sodass am 5. April die Windanlage auf dem dafür vorgesehenen Sockel in der Wiese stand. Ironischerweise wäre der Termin beinahe noch gescheitert, weil der Wind an dem Tag zu stark geweht hatte.

Professor Dr. Hermann Schlagheck freute sich, dass das Netzwerk der Klimapaten in der Voreifel immer weiter wachse. Doch man wolle sich auch an diesem Tag nicht nur gegenseitig auf die Schultern klopfen, sondern die Themen Energieeffizienz und Klimaschutz weiter in die Region hineintragen. Deshalb sei es wichtig, an konkreten Beispielen aufzuzeigen, was das bedeute und was der Einzelne dafür tun könne. Und der Möglichkeiten gebe es viele, vom Elektrofahrrad und Elektroauto über die Hausdämmung und den Einbau neuer Fenster bis hin zur Energieerzeugung mittels Fotovoltaikanlagen oder Windrädern. „Wir müssen noch mehr Menschen davon überzeugen, unseren Weg mitzugehen“, appellierte er an die Gäste, auch weiterhin als Multiplikatoren zu wirken. „Wir dürfen nicht warten, bis andere handeln, sondern müssen selbst etwas tun“, gab er als Devise aus.

Thema ist noch nicht dort, wo es sein müsste

Swisttals Vizebürgermeister Manfred Lütz (CDU) überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und warb zugleich um Verständnis, dass der bürokratische Weg mitunter etwas länger dauere, am Ende aber doch zum Ziel komme. Die Gemeinde Swisttal habe selbst auch etwas für den Klimaschutz getan und beispielsweise sämtliche Gebäude energetisch überarbeitet und saniert, man werde das auch in Zukunft fortsetzen. Lütz lobte jedoch besonders Schlagheck, der das Thema der Energieeffizienz und des Klimaschutzes in der Region nach vorne gebracht habe – „aber leider ist es noch nicht da, wo ich es gerne hätte“, schmunzelte der.

JOST

Dr. Wenzel Gehlen (Dritter von links) ist Klimapate 2018. Zu dieser Auszeichnung gratulierten (von links) der Interkommunale Klimaschutzmanager Tobias Gethke, Ehefrau Antonie Kreuzwald-Gehlen, Professor Dr. Hermann Schlagheck und Vizebürgermeister Manfred Lütz. Im Hintergrund ist die Kleinwindanlage zu erkennen, die seit April Strom erzeugt. Foto: JOST

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