Bischof Bätzing spricht in Neuwied über Verantwortung und kirchliches Arbeitsrecht
„Dritter Weg“ im Fokus
Neuwied. Die Kirche zählt zu den größten Arbeitgebern in Deutschland und trägt Verantwortung für tausende Menschen. Dieses Thema sowie das damit verbundene kirchliche Arbeitsrecht standen im Mittelpunkt eines Vortrags von Bischof Dr. Georg Bätzing vor mehr als einhundert Rotary-Mitgliedern, Lions und den Frauen der Organisation Inner Wheel in Neuwied.
„Das Kirchliche Arbeitsrecht wird von vielen angefragt und erlebt große Veränderungen“, erklärte Bischof Georg Bätzing und betonte, dass die Kirche einer der größten Arbeitgeber im Land sei. In katholischer Trägerschaft gebe es 9.400 Kindertagesstätten, 904 Schulen und 261 Krankenhäuser. Dahinter stünden hunderttausende Mitarbeitende und deren Familien. „Für sie alle tragen wir Verantwortung“, so Bätzing.
Der Bischof erläuterte die Besonderheiten des sogenannten „Dritten Weges“, des eigenständigen kirchlichen Arbeitsrechts, das auf Parität und Konsens basiert. Dienstgeber- und Dienstnehmervertreterinnen entscheiden dabei gemeinsam über Arbeitsbedingungen, ohne Streik und Aussperrung. „Dieses Modell ermöglicht flächendeckende Tarifbindung und fördert eine Kultur des Konsenses – etwas, das unserer Gesellschaft guttut und Zukunft hat“, erklärte Bätzing.
Besonders hob er die 2022 reformierte „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“ hervor, die Vielfalt und Respekt gegenüber unterschiedlichen Lebensentwürfen in den Mittelpunkt stellt. „Wir haben einen Paradigmenwechsel vollzogen: Der private Lebensbereich der Mitarbeitenden bleibt unberührt. Vielfalt ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich gewünscht – unabhängig von Religion, Herkunft, Alter oder sexueller Identität“, so Bätzing. Für viele Zuhörerinnen und Zuhörer war diese Neuerung noch unbekannt. In der Aussprache wurde sie als große und wichtige Entwicklung bewertet.
Neben den Chancen wies Bätzing auch auf die Herausforderungen hin, die sich durch den Rückgang der Kirchenbindung ergeben. Allein im Bistum Limburg traten im vergangenen Jahr über 10.000 Menschen aus der Kirche aus. Dennoch sieht er in der Weiterentwicklung des kirchlichen Arbeitsrechts eine Möglichkeit: „Wir müssen plausibel machen, dass dieses System Vorteile bietet – für die Mitarbeitenden, für die Einrichtungen und für die Gesellschaft.“
Zugleich kündigte der Bischof weitere Reformen an, darunter den Verzicht auf sachgrundlose Befristungen und die Stärkung von Mitarbeitervertretungen. Auch die Frage nach Unternehmensmitbestimmung werde derzeit intensiv diskutiert.
Im Anschluss an den Vortrag folgte eine lebhafte Fragerunde zu kirchlichen und gesellschaftlichen Themen. Dabei standen die Rolle von Frauen in der Kirche, der Synodale Weg, Fragen der Geschlechtergerechtigkeit sowie die Bedeutung von Frieden im Mittelpunkt. „Ich nehme aus solchen Begegnungen nicht nur Impulse mit, sondern auch die Rückmeldungen und Erfahrungen der Menschen. Sie helfen mir, meine Aufgabe besser wahrzunehmen“, sagte Bischof Bätzing abschließend.BA
