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„Little Britain`s“ Erfinder Gary Blackburn hat die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen

Drohender Brexit erhöht Erpels Einwohnerzahl

Der Inhaber des Baumdiensts Siebengebirge über die Perspektive eines ungeordneten Brexit

05.02.2019 - 08:39

Erpel. Die Aufregungen des vergangenen Jahres um den Rückbau und die Schließung von „Little Britain“, Blick aktuell berichtete, schienen nur der Anfang gewesen zu sein. Gary Blackburn, der seinen bunten Erholungspark „Little Britain“ auf dem Gelände seiner Firma, dem Baumdienst Siebengebirge, in Vettelschoß-Kalenborn errichtet hatte, um auf die Unsinnigkeit des Brexits und die Notwendigkeit, im Gespräch miteinander zu bleiben aufmerksam zu machen, gelangte zwar zu gewisser Berühmtheit durch seinen Kampf für Mr. Bean und das Teehaus der Queen – am Ende musste er sich jedoch den Anordnungen von Stadt Erpel und Kreis Neuwied geschlagen geben und die Tore von Little Britain schließen. Doch, wie die Entwicklungen der letzten Wochen deutlich zeigen, ist der Brexit eine immer näher kommende Realität – und auch Gary Blackburn hat nun, nach über 30 Jahren Aufenthalt und einem kompletten Leben im Rheinland, einen großen Schritt getan: Anfang Januar bestand er mit 27 von 33 Punkten den Einbürgerungstest und ist nun „fellow citizen“ der BRD.

„Während der Prüfungsvorbereitungen und der vielen Ämtergänge habe ich mehr über „deutsches Denken“ gelernt als in den drei Jahrzehnten zuvor….“, grinst der stolze Familienvater verschmitzt, „Heiraten und Kinder kriegen gingen auch so.“ Während der Großteil seiner Kinder unkompliziert sein Geburtsrecht auf die doppelte Staatsbürgerschaft ausüben konnte, waren für ihn deutlich mehr Hürden zu nehmen. Allein 16 offizielle Dokumente waren zu beantragen und zu erstellen – darunter der Einkommensnachweis der Ehefrau, die letzten Bilanzen sowie ein handschriftlicher und lückenloser Lebenslauf. Doch nach einigen Monaten war es geschafft und die ganze Familie Blackburn – inklusive der jüngsten Tochter mit ihrer englisch-polnischen Staatsbürgerschaft – setzt nun ein Zeichen für Offenheit und die Enge Bindung Großbritanniens an das europäische Festland.


Probleme für die Mitarbeiter


Allerdings ist damit nur gewährleistet, dass der von Gary Blackburn aufgebaute Betrieb auch in Zukunft in Familienhand bleiben kann. Ganz anders stellt sich die Situation seiner Mitarbeiter da, die zum Teil bereits seit zwei Jahrzehnten für den Engländer tätig sind. Neben den deutschen Angestellten beschäftigen die Blackburns zwischen 10 und 15 freie „tree surgeons“, die in England ausgebildet wurden. „Tree surgery“, frei übersetzt „Baumchirurgie“, ist ein Fachgebiet des englischen Studiengangs „Studies of Aboriculture“, also des Studiums der Baumaufzucht. Dieses Fachgebiet ist weltweit einzigartig in Großbritannien: die Studierenden kommen aus aller Herren Länder, um sich hier zu Fachleuten in der Aufzucht und Erhaltung von Bäumen und Naturdenkmälern ausbilden zu lassen. Und genau auf diese Fachleute ist der Betrieb von Gary Blackburn angewiesen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Baumdienst Siebengebirge einen deutschlandweiten Ruf besonders in der Erhaltung alter Baumbestände, Formschnitte und der Baumrettung erarbeitet – mit den erfahrenen „tree surgeons“ aus England, die weltweit arbeiten, aber zurzeit nur einen Anruf entfernt sind. Ein freier Mitarbeiter, der Ende Oktober noch in Kanada Bäume schnitt, kann Anfang November bereits eine uralte Eiche in Paderborn retten. Die EU macht`s möglich. Viele der langjährigen Kunden Blackburns wünschen sich einzelne Kollegen, die sie bereits kennen, oder bestehen generell auf die britischen Fachkräfte, weil sie deren Expertise kennen.

Bei einem ungeordneten Brexit kann sich das allerdings schnell ändern, so fürchtet Blackburn. Im schlimmsten Falle würden die britischen „tree surgeons“ dann zunächst ein Visum beantragen müssen, ein Vorgang, der bis zu drei Monate dauern kann. Und damit zu lange für Bäume, die nur zu bestimmten Zeiten geschnitten und behandelt werden dürfen.

Neben allgemeinen Sorgen, dass der persönliche wie geschäftliche Kontakt zum Heimatland erschwert werden wird, ist das die Hauptsorge des engagierten Engländers. Bei Staus an den Fähren nach Dover kann man früher aufstehen, die hier höheren Preise für Forstwerkzeuge eines deutschen Markenherstellers, im Gegensatz zum Importpreis (!), kann man einkalkulieren. Doch den Stamm treuer und langjähriger Mitarbeiter – wie soll man diese ersetzen? Blackburns fünf Kinder sind mit diesen Fachkräften aufgewachsen, haben von ihnen Englisch gelernt, mit ihnen Geburtstage und Weihnachten gefeiert, für sie sind sie „part of their big family“.

Wie viele Briten, die ihr Leben auf dem europäischen Festland eingerichtet haben, trägt sich der lebenslustige Gary Blackburn derzeit mit schweren Gedanken. Die durchaus realistische Bedrohung seiner Geschäftsgrundlage ist nur teilweise dafür verantwortlich. Es sind die persönlichen Fragen, die viele Festland-Briten momentan nur schwer schlafen lassen: Wie wird sich das Verhältnis zu den daheimgebliebenen Verwandten verändern, wenn es nicht mehr so einfach möglich ist, hin und her zu fliegen oder fahren? Verliert man am Ende ganz den Kontakt zur alten Heimat und damit zur eigenen Vergangenheit? Wohin gehört man dann, wenn Großbritannien nicht mehr „so richtig“ Europa ist? Fragen, die jeder Einwanderer nur für sich selbst beantworten kann. Und die in der Debatte vor der Entscheidung zum Brexit leider nie eine Rolle gespielt haben.


Neuer Weg für „Little Britain“


Es ist fünf vor zwölf, was den Austritt Großbritanniens aus der EU betrifft. Doch trotzdem blickt Gary Blackburn auch positiv in die Zukunft: seit einigen Wochen scheint sich ein neuer Weg für „Little Britain“ aufzutun. Die Gemeinde Erpel und die Kreisverwaltung Neuwied haben gemeinsam mit Landrat Achim Hallerbach Gesprächsbereitschaft bezüglich einer Wiedereröffnung des Ausflugsziels signalisiert. Der kleine Vergnügungspark, den der Brite spontan nach der Brexit-Entscheidung aus der Taufe gehoben hatte, um ein Stück Großbritannien in seine neue Heimat zu holen sowie den Rheinländern die britische Lebensart und deren weltweit bekannten Humor nahezubringen, musste 2018 geschlossen werden, weil Blackburn es versäumt hatte, vorab die notwendigen Genehmigungen einzuholen.

Doch nun möchte er alles richtig machen – schließlich hat er eine Menge gelernt über Ämter und Abläufe, während er sich auf seinen Einbürgerungstest vorbereitete. „Ich werde alles sorgfältig planen lassen und jeden notwendigen Antrag stellen, damit alles seine Richtigkeit hat.“, bekräftigt er noch einmal, „Wir wollen „Little Britain unbedingt wiedereröffnen. Es soll wenigstens hier nur einen kurzen Brexit geben!“ Bis auf weiteres bleibt die kleine Ausgabe des Großen Britanniens im Siebengebirge also noch geschlossen – aber sowohl die ganze Blackburn-Familie wie auch die zahlreichen Unterstützer des unterhaltsamen Ausflugsziels in den Vettelschoßer Hügeln können zu Recht ein bisschen Hoffnung schöpfen, dass sich seine Tore vielleicht 2020 wieder öffnen dürfen.

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