Weil Bad Hönningen im nächsten Jahr 1000-jähriges Bestehen feiert ist Schloss Arenfels Titelbild
Drohnen-Foto ziert neues Heimat-Jahrbuch
Im Gartensaal präsentierte Landrat Hallerbach der Öffentlichkeit das druckfrische Exemplar
Kreisgebiet/Bad Hönningen. Der Begriff „Heimat-Jahrbuch“ hört sich altbacken und verstaubt an. Doch davon kann bei der neuen Ausgabe des Kreises Neuwied für 2019 keine Rede sein, denn eine Drohne hat aus der Luft das Titelbild aufgenommen: Schloss Arenfels in Bad Hönningen. Schließlich feiert der Badeort im nächsten Jahr das 1000-jährige Bestehen und 50 Jahre Stadterhebung. Logisch, dass Landrat Achim Hallerbach das 418 Seiten starke und mit festem Umschlag eingebundene Buch in Bad Hönningen, also im Gartensaal von Schloss Arenfels, der Öffentlichkeit und den 46 Autoren präsentierte.
Etwas, was in keinem Haushalt fehlen sollte
„Das Heimat-Jahrbuch setzt unterschiedliche Akzente und sollte in keinem Haushalt fehlen, denn es ist ein Kompendium unserer Heimatgeschichte“, erklärte der Kreischef vor insgesamt 60 geladenen Gästen. Um dies zu realisieren, klingeln derzeit im Kreis Neuwied Schüler an den Haustüren und bieten für den „Heimatkalender“ – so hieß er früher – zum Kauf an. Wer die meisten der 3500 Bücher verkauft, erhält einen Preis. Apropos Kalender: Den enthält das Heimat-Jahrbuch natürlich auch und dieser ist geschmückt mit Fotos verschiedener Bauensembles aus dem Kreis Neuwied: Marienburg mit Kirche in Leutesdorf, Rasselstein-Kolonie in Niederbieber, Forsthaus am ehemaligen Schloss Monrepos, jüdischer Friedhof in Dierdorf-Giershofen, Fachwerkgehöfte in Urbach-Überdorf, Kirche und Klausur in Ehrenstein, Marktplatz mit Brunnen und Platane in Erpel, Villen auf der Oberlöh in Linz, Marienhaus und St. Antoniushaus in Waldbreitbach, Villa Henkel in Rengsdorf, Alter Friedhof in Neuwied und die Abtei Rommersdorf. Der Landrat dankte den Autoren und lobte: „Ohne Sie wäre das Heimat-Jahrbuch nicht möglich.“
Autor für 48 Beiträge geehrt
Einen von ihnen ehrte Achim Hallerbach mit einem Geschenk: Dr. Bruno Kremer, der für die Heimat-Jahrbücher insgesamt 48 Beiträge verfasste und auch für den Rheinischen Verein für Denkmalpflege aktiv ist. Ein besonderer Dank ging an Dr. Reinhard Lahr von der Kreisverwaltung, der die Produktion des Heimat-Jahrbuchs größtenteils organisiert hat: „So einen Kümmerer muss man haben“, meinte der Landrat. Dr. Lahr ging in seinem Vortrag auf die Inhalte der fast 50 Artikel im Heimat-Jahrbuch 2019 ein. So wurden Dattenberg und Wallen bereits im frühen 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Holz aus Unkel verwendete man vor 1000 Jahren zum Heizen der Kölner Domsakristei. Anhand der Kellerei Arienheller wird die zisterziensische Güterverwaltung des Klosters Marienstatt (bei Hachenburg) analysiert. Da Graf Ernst von Isenburg-Grenzau während des 80 Jahre dauernden Spanisch-Niederländischen Krieges maßgeblich in die Belagerung von Breda (Westholland) 1624/25 involviert war, würdigte die Stadt ihn, indem sie die „Isenburgstraat“ nach ihm benannte. Ein altes Lagerbuch von 1660 gibt Aufschluss über die Orte, Weiler und Höfe des Amtes Altenwied. Etwa zeitgleich grassierte die Pest, der auch ein junger Pfarrer aus Leutesdorf, der gebürtig aus Dudeldorf bei Bitburg stammte, zum Opfer fiel.
Spannendes aus der Vergangenheit
Die kunstvolle Statue des Kölner Kurfürsten Clemens August in der Firma Boesner (Niederbieber) stand ursprünglich vor der gleichnamigen Clemenshütte bei Niederbreitbach. Spannend sind die Beiträge zu einer Haushaltsrechnung des Dorfes Oberbieber aus dem Jahre 1778 sowie zu der 1792 in Unkel herrschenden, von einquartierten Soldaten eingeschleppten Lazarettseuche.
Dann gibt es die Vita des französischen Revolutionsgenerals Marceau, der in Höchstenbach von einem wiedischen Jäger erschossen wurde. In Linz warf in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Salzfaktorei einträgliche Gewinne ab. Interessant ist auch, wie die Franzosen 1813 die Herrschaft über die linke Rheinseite verloren und wie das damalige Leben in Neuwied war. Die Linzer Hammerschmiede bzw. -mühle gibt Aufschluss über frühindustrielles Engagement im Osten der „bunten Stadt“. Dass die Kartoffelfäule zwischen 1845 und 1849 Einfluss auf die örtliche Demografie hatte, verrät eine Geschichte über das Kirchspiel Feldkirchen. Zu lesen sind auch Aufsätze über das Leben der Leutesdorfer Feuerwehrleute in früherer Zeit und der nassauischen Prinzessin, spätere Fürstin Marie. Dann geht es noch um das Denkmal für Reichskanzler Bismarck in Heddesdorf, wo auf dem Friedhof auch der abenteuerliche Vizeadmiral Robert Mischke beigesetzt ist.
Warum zwei aus Niederbieber und Ehlscheid stammende Herren als Erfinder und Kirchenmaler andernorts einen guten Ruf hatten, schlüsselt deren Lebenslauf auf. Vor 150 Jahren entstand die rechtsrheinische Eisenbahn, an der auch die Bimssteinproduzenten per Gleisanschluss teilhaben wollten. Nur etwa 30 Jahre gab es die sechs Kilometer lange Kleinbahn Rheinbrohl-Malberg, die neben einer Seilbahn den begehrten Säulenbasalt an den Rhein transportierte. Bedrückend sind Einblicke in das von 1916 bis 1918 existierende Lager Engers, denn die Kriegsgefangenen mussten die Kronprinzenbrücke nach Urmitz bauen. Die Historien der Stein AG (Neuwied) und der Elgerter Turnhalle sind ebenfalls aufgeführt.
Was jüdische Familien vor und während des Naziterrors ertragen mussten, steht in einem Beitrag über die Rengsdorfer Familie Wolf.
Auch bedrückende Geschichten finden ihren Platz
Während des Zweiten Weltkrieges wurden auch in Neuwied, Rengsdorf und Asbach Zwangsarbeiter in Industrie und Landwirtschaft eingesetzt. Ferner wird dargelegt, was eine „Nuckelpinne“ ist und was Neuwieder Jugendliche in den 50er Jahren umtrieb. Unkels Gastronomie war während der „Bonner Republik“ sehr gefragt, auch Willy Brandt lebte und verkehrte hier gerne. Zwei naturkundliche Beiträge beschäftigen sich mit der Ökologie der Steinbruchseen auf der Linzer Höhe und des oft zu Unrecht beschimpften Kormorans. Nachdem Jakob Weiler eine Geschichte „op Hünnije Platt“ vorgetragen hatte, lud Schlossherr und Gastronom Christian Runkel die Gesellschaft, darunter auch Mitglieder des Redaktionsteams und des Kulturausschusses, zu einer Besichtigung des renovierten Schlosses Arenfels ein.
Erhältlich ist das Heimat-Jahrbuch in der Kreisverwaltung im Roentgen-Museum Neuwied sowie im Buchhandel. HEP
Für Dr. Bruno Kremer gab es vonseiten des Landrats und Dr. Lahr großen Beifall, da er für das Jahrbuch ganze 48 Beiträge schrieb.Fotos: HEP
