In unserer regelmäßigen Kolumne spricht Pfarrer Jörg Meyrer heute über den Jahrestag der Flut
EIN-SPRUCH zum Flutgedenktag: Geschafft!
Als ich diese Zeilen schreibe, liegt der fünfte Jahrestag der Flut noch vor uns. Wenn Sie sie lesen, haben wir ihn hinter uns. Manche werden sagen: „Wir haben ihn geschafft!“ Und allein dieses Wort zeigt, wie viel dieser Tag vielen Menschen noch abverlangt.
Zu unserem Gedenktag werden hochrangige Politiker aus Land und Bund ins Ahrtal kommen. Manche fragen: Muss das sein? Ist das nicht unser Tag?
Ich möchte den Gästen zunächst unterstellen, dass sie kommen, um ihre Solidarität auszudrücken. Das tut gut. Denn unsere Geschichte ist längst mehr als eine regionale Geschichte. Sie ist Teil der Geschichte unseres Landes.
Ich bin gespannt, welche Worte sie finden. Und ich hoffe, dass den Worten auch Taten folgen.
Mit den Gästen kommen auch Kameras und große Aufmerksamkeit. Das wird bei manchen Erinnerungen wecken, die längst nicht verheilt sind. Es gibt Wunden, die niemand sieht. Bilder und Berichte können sie wieder aufreißen. Deshalb wünsche ich mir, dass wir an diesem Tag besonders achtsam miteinander umgehen. Niemand muss stark sein. Niemand muss seine Gefühle erklären.
Ich bin froh, dass wir die Gedenktag, wie jedes Jahr, in einen ökumenischen Gottesdienst mündet. Nicht, weil damit alles gut wäre. Sondern weil wir uns erinnern, woher uns in den vergangenen fünf Jahren Kraft zugewachsen ist. Wir müssen das, was uns belastet, nicht allein tragen. Wir dürfen klagen, bitten und danken. Und wir feiern die Hoffnung, dass Gott Zukunft schenkt – selbst dort, wo Menschen sie kaum sehen können.
Es ist unser Gedenktag. Und es ist gut, dass wir ihn gemeinsam begehen. Mit Menschen aus unserer Stadt. Mit Gästen von nah und fern. Und mit der Hoffnung, die viele von uns seit fünf Jahren trägt: Wir sind nicht allein.
Einspruch ist eine Kolumne der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Jörg Meyrer ist seit vielen Jahren Pfarrer im Ahrtal
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Pfarrer Jörg Meyrer.