EIN-SPRUCH: Was tun gegen die Angst?
Der Blick auf die politische Welt macht mir Angst.
Auf der anderen Seite des Atlantiks führt ein alternder Präsident Krieg. Der Krieg gegen den Iran dauert an. Energie wird teurer. Was schnell begonnen hat, scheint kein schnelles Ende zu finden. Auch der Blick nach Osten macht nicht ruhiger. Putin rekrutiert weiter Soldaten. Jeden Monat gibt es im Krieg gegen die Ukraine auf russischer Seite ca. 30.000 Tote und Verwundete. Ein Krieg ohne absehbares Ende. Mit Folgen weit über die Schlachtfelder hinaus.
Und dann der Blick auf unser eigenes Land. Die politischen Ränder werden stärker, die großen Parteien verlieren Rückhalt. Wie wird Regieren künftig möglich sein? Wie lassen sich unsere demokratischen Grundwerte sichern, wenn extreme Positionen auf immer mehr Zustimmung stoßen?
Ich merke: Das macht mir Angst.
Was hilft dagegen?
Eine Möglichkeit ist der Rückzug ins Eigene. In die kleine Welt, in der ich etwas bewirken kann. Familie. Freunde. Nachbarschaft. Beruf. Ehrenamt. Kirche. Das klingt klein. Ist es aber nicht. Wer erlebt, dass sein Handeln etwas verändert, gewinnt Selbstvertrauen zurück.
Eine andere Möglichkeit ist das Vertrauen. Die Hoffnung, dass es gut weitergeht. Nicht naiv. Nicht mit geschlossenen Augen. Sondern mit dem Wissen: Wir haben es nicht vollständig in der Hand.
Und dann gibt es noch etwas: dranbleiben.
Freiheit. Gleichheit. Gleichberechtigung. Meinungsfreiheit. Pressefreiheit. Rechtsstaatlichkeit. Demokratie.
Das alles ist nicht einfach da. Es muss gelebt, verteidigt und immer wieder neu mit Leben gefüllt werden.
Vielleicht beginnt das viel unspektakulärer, als wir denken: Miteinander reden. Widersprechen, wenn Menschen herabgesetzt werden. Andere Meinungen aushalten. Sich informieren. Wählen gehen. Sich einmischen, wo man etwas bewirken kann. Demokratie ist dabei kein Sonntagsspaziergang. Sie kennt unterschiedliche Meinungen, Mehrheiten und Kompromisse. Ohne Dialog und Diskussion geht es nicht.
Angst darf da sein. Sie sollte aber nicht das letzte Wort bekommen.
Als Christ glaube ich: Wir dürfen hoffen. Und zugleich anpacken.
Denn Hoffnung ist nicht, darauf zu warten, dass es irgendwie gut wird.
Hoffnung heißt: Ich tue meinen Teil dazu.
Über EIN-SPRUCH
EIN-SPRUCH ist eine Kolumne der katholischen Kirchengemeinde Bad Neuenahr-Ahrweiler. Jörg Meyrer ist seit vielen Jahren Pfarrer in der Stadt.
Jörg Meyrer. Foto: privat