EIN-Spruch: Rechtzeitig aufhören
Wie schön, dass es abends jetzt so lange hell ist. Ich nehme mir immer wieder vor, mich nochmal in den Garten zu setzen, ohne Handy, ohne Laptop und To-Do-Liste. Es gelingt nicht so oft. Wenn ich abends nach Hause komme, - und das ist ja manches Mal nach 22:00 Uhr, - dann gehe ich meist nochmal die Aufgaben des Tages durch, und schaue, was ich geschafft habe. Ich bin froh, dass ich manche Punkte von der Liste löschen kann. Dafür sind aber auch neue Aufgaben, Mails, Anfragen, Entscheidungen etc. dazu gekommen. „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“, - nach dieser Weisheit, die ich schon früh gelernt habe, bin ich lange Zeit abends nochmal meine Mails durchgegangen: dann ist das morgen schon mal geschafft. – Ich mache das nicht mehr! Klar würde ich noch was weg schaffen, meine Antworten kämen sehr zeitnah. Aber meine Gedanken kommen dann noch schlechter zur Ruhe. Es gibt neue Themen, und auch mal Ärger. Und das alles mit ins Bett nehmen, kann bedeuten: Gedanken-Karussell, unruhige Nacht, um 4:00 Uhr wach werden und nicht mehr einschlafen… Das kann ich nicht mehr brauchen.
Im Garten sitzen und lauschen, - auf die Geräusche außen, wie den späten Vogel, die vorbei fahrenden Autos, den fernen Fernseher, - und auf die Geräusche innen, - wie die Begegnungen und Gespräche des Tages, die Stimmungen, die noch nachklingen, die Bilder, die noch auftauchen, - das hilft mir. Ich schreibe seit einiger Zeit immer etwas davon auf: wofür ich dankbar bin. Und was/wer mich besonders berührt hat. Das ist anders als die erledigten Aufgaben abhaken. Das ist Muse und Nachklingen lassen. Freude am Leben, an den Möglichkeiten, die mir geschenkt sind. Dankbarkeit wird mir wichtiger. Und das Ablegen des Tages in die Hände Gottes. Das entlastet.
In der dunkleren Jahreshälfte gehört die Kuscheldecke dazu auf dem Sofa. Jetzt, wo es wärmer ist, die frische Luft, das letzte Licht am Himmel, der laue Abend. Rechtzeitig aufhören. Damit die Kraft da ist, für den nächsten Tag. Der hat ja genug eigene Plage.
Die wöchentliche Kolumne Ein-Spruch ist ein Beitrag der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler für BLICK aktuell.
