EIN-Spruch: Respekt und Frieden
Am 17. Januar von nahezu 76 Jahren wurde der jährlich wiederkehrende Weltreligionstag auf Initiative der Baha’i Religion - einer dem Islam stammenden Religionsgemeinsshaft, die im 19. Jahrhundert gegründet wurde - ins Leben gerufen. Ziel dieses Gedenktages ist es, das den Religionen Gemeinsame zu entdecken, die Anhänger der verschiedenen Religionen dazu zu ermuntern, sich besser kennenzulernen, den Respekt voreinander zu fördern und schließlich zu einer inneren Einheit der Religionen bei Anerkennung der Verschiedenheit hinzufinden, was letztlich dem Frieden dient.
So weit so gut! Und dennoch: Dieser Gedenktag bietet über die ursprünglichen Zielsetzungen hinaus einen Ansatz, sich mit der Frage nach dem religiösen Klima in postkirchlichen Gesellschaften auseinanderzusetzen, da sie bei zunehmender weltanschaulicher Diversifizierung durchaus das Zusammenleben der Menschen bestimmt.
Es scheint als ob in konsum- und leistungsorientierten Gesellschaften die Frage nach religiöser Überzeugung in eine merkwürdige Mischlage eingetreten ist: Während bei uns etablierte konfessionsgebundene Religiösität massiv an Zustimmung und lebensprägender Kraft unter den Getauften eingebüßt hat und sich somit eine eher indifferent agnostische Weltanschauung breitmacht, verbunden mit einer erschreckenden Unwissenheit über die christlichen Glaubensaussagen, stellt man andererseits auch fest, dass es viele Formen der Sinnsuche, auch religiös, gibt. Diese Suchbewegungen zeichnen sich nicht selten durch Fragen nach Sinn und einer tragenden Wahrheit aus ohne deshalb schon fundamentalistisch und intolerant sein zu müssen. Manchmal gesellen sich dazu in dieser Gemengelage auch pseudoreligiöse oder neuheidnische Praktiken, sodass vermehrt der Eindruck entsteht, auch religiöse Überzeugungen sind Produkt individueller Selbstermächtigung und weniger Ausdruck der Rückbindung eines Menschen an den sich offenbarenden Gott.
Vielleicht kann der Gedenktag der Weltreligionen zumindest einen Anstoß bieten, der Frage nach der religiösen Überzeugung im zwischenmenschlichen Miteinander mehr Raum und Aufmerksamkeit zu geben, damit Verständnis, Respekt und letztlich Frieden nicht einseitig in Reden und Appellen beschworene Größen bleiben, sondern sich verstetigen.
Über Dr. Arno-Lutz Henkel
Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel, Kooperator im Pastoralen Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler. Seit April 2019 in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler als Seelsorger tätig.
Dies ist ein Beitrag der katholischen Kirche in Bad Neuenahr-Ahrweiler
