EIN-Spruch: Vorsicht
Sie gehören zum Straßenbild: schlichte Holzkreuze, manchmal mit Blumen und kleinen Stofftieren geschmückt, die an einen tödlich verunglückten Menschen erinnern. Denjenigen, die daran vorbeifahren, bleibt ein flüchtiger Blick; andere halten vielleicht einen Augenblick inne, werden nachdenklich und still, auch wenn sie die Person nicht kannten. Wem fällt in einer solchen Situation nicht der Spruch ein, den er häufiger in seinem Leben gehört hat als es ihm vielleicht lieb gewesen ist :„Fahre vorsichtig!“? Er wird nicht nur von Familienangehörigen, sondern auch von Freunden beim Wegfahren ausgesprochen; er ist Ausdruck von Verbundenheit und Fürsorge, die uns zu einer Besonnenheit im Umgang mit unserem Leben anhalten soll - und dies nicht nur im Straßenverkehr. Täglich ereignen sich Verkehrsunfälle, mal glimpflich, mal mit fatalen Folgen wie lebenslange Einschränkungen, manchmal auch tödlich. Der 17.11. erinnert alljährlich an die Opfer von Verkehrsunfällen und lädt zu einem stillen Gedenken ein. Wir spüren in solchen Situationen ob als Beteiligte oder als jene, die davon Notiz nehmen, dass nicht alles in unseren Händen steht. Weil ich als Verkehrsteilnehmender immer mit anderen Menschen im Verkehr unterwegs bin, reicht es nicht aus, nur auf sich selbst zu schauen oder einen Zuspruch zu erhalten. Es erfordert immer ein kritisches Überdenken unseres eigenen Verhaltens. Rücksichtnahme und ein größeres Maß an Gelassenheit dem anderen gegenüber setzen dabei die richtigen Zeichen, weil sie helfen können, dass die Teilnahme am Straßenverkehr nicht zu einem Himmelfahrtskommando verkommt.
Doch das Bedachte ist keineswegs nur auf den Straßenverkehr allein zu beziehen. Vorsicht ist in jeglicher Hinsicht geboten, vor allem, wenn es andere betrifft und sie nicht selten beurteilt.
Mir ist deswegen seit geraumer Zeit ein Spruch aus dem jüdischen Talmud bedeutsam geworden, den ich Ihnen an diesem 17.11. mitteilen möchte:
„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.“ Achte auf dich und die anderen!
Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel, Kooperator im Pastoralen Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler. Seit April 2019 in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler als Seelsorger tätig. Dies ist ein Beitrag der katholischen Kirche in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel. Foto: privat