Damals, als Ildefons Andres in Rieden das Kreuz trug
Ehemaliger Darsteller erinnert sich gerne
Rieden. Wer einmal das berühmte schauspielerische „Blut“ bei den Riedener Passionsspielen geleckt hat, der kommt weiß Gott nicht mehr davon los. So ergeht es auch dem Mann, der in noch anderen räumlichen Verhältnissen, und unter weniger technischen Möglichkeiten wie heutzutage, auf der Bühne in „Dolle Saal“ die Rolle des Jesus Christus in dieser Leidensgeschichte zweimal verkörperte. Gerne denkt der Riedener Dachdeckermeister Ildefons Andres an diese Zeit, in der die Fotos noch schwarz-weiß fotografiert wurden, zurück, und diese Erinnerung kam bei der Premiere der diesjährigen Spiele wieder so richtig hoch. „Es kribbelt mir gewaltig in den Fingern, ich fiebere mit meinem Jesus-Nachfolger, als stände ich selbst auf der fantastischen Spielstätte in unserer Pfarrkirche“, bekennt der ehemalige Mime mit etwas Wehmut. „Aber in Rieden fand man immer den richtigen Jesus Darsteller, ob nun Ottmar Meid (1949), Ildefons Andres (1965 und 1975), Winfried Weidenbach (1985, 1995, und 2000), Stefan Müller (1995, 2000 und 2005), Jochen Marx (2005 und 2011) sowie Joachim Breil (2011). Und in dieser Spielzeit freuen wir uns alle auf Tobias Hackenbruch und Claudio Civello-Hackenbruch in dieser begehrten Rolle. Alle hatten und haben sie das richtige Charisma dafür“, lobte Andres. Nun, eine verschworene Passionsspiel-Mannschaft war man damals genau so wie heute. Diese Spiele schweißen die Riedener Bürgerinnen und Bürger, ob Jung oder Alt förmlich zusammen, das ist Tradition, die seit vielen Jahren umgesetzt wird. Und das, genauso wie jetzt, auch in Ildefons Andres „Glanzzeit“ in den Jahren 1965 und 1975. „Wir hatten einen tollen Zusammenhalt beim Mysterienspiel“, weiß der ehemalige Mime zu berichten. „Allerdings waren die Gegebenheiten nicht mit der Jetztzeit zu vergleichen. Ich hing am Kreuz, ganz alleine, für die beiden Schächer links und rechts hatten wir auf der kleinen Bühne gar keinen Platz. Die Darstellerin der Maria hieß Johanna Hilger“. Außerdem hatten ja die Schauspieler auch beim Bühnen- und Kulissen- Auf und Abbau mit anzupacken. „Do it yoerself“ hieß es unter den Regisseuren Fritz Rausch und Wolfgang Reuter. Schon vor Beginn der zehn Aufführungen, bei denen je 190 Besucher in den mit Stuhlreihen bestückten Saal passten, schaute man durch das berühmte Loch im Vorhang, der noch mit eigener Kraft aufgezogen wurde. „Wer ist denn heute alles in der Vorstellung? Demnach hatte man gleich ein gutes oder schlechtes Gefühl. Naja, auch damals waren die Leute begeistert“, verriet Andres. Probleme konnte es bestenfalls bei Ausfällen der Schauspieler geben. Es gab nämlich nicht die glorreiche Idee der Doppelbesetzung. Und so kam es, wie es kommen musste. Ildefons Andres meldete sich krank. Und das vor einer Aufführung im Jahre 1975. Er hatte hohes Fieber. „Aber, da hat mir unser Arzt eine große Spritze verpasst, und, oh Wunder, ich konnte spielen“ erinnert sich der Jesus Darsteller. Episoden, die man nie vergisst. Jedenfalls spendet er der jetzigen verantwortlichen Mannschaft und allen Akteuren großes Lob und Anerkennung. „Die Verbindung gebe ich aber nie ganz auf“, so der jetzige Rentner. „Ich helfe jetzt ganz bescheiden bei der Getränkeausgabe für die Schauspieler“. Da sieht man´s wieder – die Passionsspiele lassen einen Riedener niemals los. Ob als Jesus, oder als Betreuer für trockene Kehlen bei den jetzigen Vorstellungen, die man keinesfalls versäumen sollte. BS
So sah damals die Kreuzigungsszene aus, für Schächer war kein Platz.
Wen sucht ihr – Jesus von Nazareth.
Das ist Ildefons Andres heute.
